Strongman Cup Ruhpolding – Deutsche Meisterschaft

Mit Lkw im Schlepptau in 33 Sekunden über die Ziellinie

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Ruhpolding - Der Strongman Cup in der Chiemgau Arena in Ruhpolding war das Finale um die deutsche Meisterschaft. Vor idyllischer Kulisse traten die stärksten Männer Deutschlands in fünf Disziplinen gegeneinander an.

Vier Athleten trennten vor dem alles entscheidenden Wettkampf nur wenige Punkte. Titelverteidiger Andreas Altmann hatte den vorangegangenen Wettkampf in Blaibach gewonnen und wollte zum ersten Mal seit Heinz Ollesch den Titel als stärkster Mann Deutschlands verteidigen. Der Titelverteidiger stapelte vor dem Wettkampf tief und wies die Favoritenrolle von sich. Das wäre also die große Chance Altmans großer Rivalen! 

Der 170-Kilogramm schwere Raphael Gordzielik kam als Gesamtführender nach Ruhpolding. Der deutsche Truckpull-Meister Dennis Kohlruss hätte in seiner ersten Saison in der Pro League, der höchsten deutschen Strongman-Liga, gleich die Chancen auf den deutschen Meistertitel. Ebenso wie der jüngste Starter im Teilnehmerfeld Sebastian Kraus, der am Wettkampftag Geburtstag hatte und sich zu seinem 24. Geburtstag selbst mit dem Meistertitel beschenken wollen.

In der Gewichtsklasse bis 105-Kilogramm wollte Lukas Neumayer aus Schechen seinen ersten deutschen Meistertitel holen. Es war also alles bereit für einen der spannendsten Strongman-Cups aller Zeiten.

Lkw-Ziehen (17,5 Tonnen) 

Der Lkw war selbst für manche der stärksten Männer zu schwer. Julian Groth legte eine erste Zeitmarke mit 47 Sekunden vor. Diese schaffte Publikums-Liebling Reinhard Maier nicht ganz. Der Niederbayerische Feuerwehr-Kommandant hatte seine Kollegen nach Ruhpolding kommandiert, die ihn mit aller Macht anfeuerten. Andreas Altmann startete für seine Verhältnisse verhalten in das Strongman-Finale in Ruhpolding. Eine Zeit um die 40 Sekunden reichte nicht zum Sieg in dieser Disziplin. 

Pro-League-Aufsteiger Sebastian Kraus konnte das bei seinem Versuch im Anschluss an Altmann toppen und zog den 17,5-Tonner in 38 Sekunden über die Ziellinie. Dann war Dennis Kohlruss dran, der als deutscher Meister im Truckpull zu den Favoriten gehörte. Und der 150-Kilo-Kohlruss wurde den Erwartungen gerecht. Gerade mal 33 Sekunden brauchte er für die 20 Meter und das scheinbar ohne größere Anstrengung. Das war auch zu gut für den Gesamtführenden Raphael Gordzielik, der circa 4 Sekunden länger brauchte als Dennis Kohlruss. Das Klassement nach dem ersten Durchgang: Kohlruss vor Gordzielik, Kraus und Altmann. 

Yoke Race

Es folgte das Yoke Race mit insgesamt 360 Kilogramm in Form von zwei Toiletten-Häuschen auf den Schultern. Einmal absetzen ist erlaubt, beim zweiten Mal absetzen zählt die getragene Weite. Zwei Athleten rannten mit dem Yoke gleichzeitig aufeinander zu. Der erste, dem es gelang das Yoke über die Ziellinie zu tragen, war Julian Groth. Kurz darauf folgte Reinhard Maier, dessen Spitzname "Faxe" ist. Dann kam es zum direkten Duell zwischen Sebastian Kraus und Andreas Altmann. Und der Titelverteidiger setzte beim Yoke Race das erste richtig dicke Ausrufezeichen. Altmann lies seine Zeit von 16 Sekunden schon feiern, als Kraus erst ins Ziel kam. An Altmanns Fabelzeit kamen auch Raphael Gordzielik und Dennis Kohlruss bei weitem nicht heran. Altmann kam dabei seine internationale Erfahrung zu Gute. 

Die dritte Disziplin war die Auto-Schubkarre

Rund 3,5 Tonnen gilt es zunächst einmal überhaupt vom Boden wegzubekommen und dann auch noch so schnell wie möglich über die Strecke zu tragen. Hier scheiterten auch einige Athleten, bevor Sebastian Sommer als erster die Auto-Schubkarre ins Ziel schob und mit 55 Sekunden eine erste Marke setzte. Diese wurde von Andreas Altmann pulverisiert. Wie der Niederbayer bereits zuvor beim Yoke Race bewiesen hat, ist er nicht nur stark, sondern auch schnell. Etwas mehr als 20 Sekunden benötigte Altmann für die Auto-Schubkarre. Diese Zeit wurde aber sogar noch von Sebastian Kraus mit 18,82 Sekunden unterboten. Die Bestzeit von Kraus konnten auch Dennis Kohlruss und Raphael Gordzielik nicht mehr schlagen. Weiter gings mit dem Baumstamm-Stemmen, wobei der Baumstamm hier eine 130-Kilogramm-schwere Eisenvorrichtung ist, die es so oft wie möglich über den Kopf zu stemmen gilt. "Faxe" schaffte mit der Unterstützung seines Fanclubs drei Wiederholungen. "Leichtgewicht" Lukas Neumayer scheiterte am kolossalen Baumstamm. 

Baumstamm-Wett-Stemmen

Im Baumstamm-Wett-Stemmen zwischen Andreas Altmann und Sebastian Kraus siegte Altmann mit fünf Wiederholungen knapp vor Kraus mit vier. Raphael Gordzielik, selbst ein Mann wie eine Eiche und Deutscher Rekordhalter im Baumstamm-Stemmen, taktierte und gewann seine Parade-Disziplin mit sieben Wiederholungen und ging damit als Führender in die letzte Runde. Vor dem alles entscheidenden Wheel-Flip führte Raphael Gordzielik vor Andreas Altmann, Sebastian Kraus und Dennis Kohlruss. Jeder der vier konnte noch deutscher Meister werden. Beim Wheel Flip musste ein 360 Kilogramm-schwerer Reifen acht Mal aufgestellt und wieder umgeworfen werden. Lukas Neumayer zeigte hier, was in ihm steckt, nachdem er zuvor bei den anderen Disziplinen unter seinen Erwartungen geblieben war. Von seiner kleinen Tochter nach vorne gepeitscht flippte Reinhard Mayer den Reifen in 55 Sekunden bis ins Ziel. Dann kamen die ersten beiden, die noch ansprüche auf die deutsche Meisterschaft erhoben. Dennis Kohlruss und Sebastian Kraus. Mit rund 40 Sekunden war Kohlruss einen Bruchteil schneller als Kraus und hatte sich damit in der Gesamtwertung schon mal vor den direkten Konkurrenten geschoben. 

Doch zwei starke Männer kamen noch und die sollten die deutsche Strongman-Meisterschaft 2016 unter sich ausmachen. Titelverteidiger Andreas Altmann gegen den Führenden Raphael Gordzielik. Bis zur letzten Umdrehung waren die beiden gleichauf, doch dann war Andreas Altmann aufgrund seiner geringeren Größe schneller unten und holte sich mit einem Wimpernschlag Vorsprung den Sieg beim Wheelflip. Damit hatte Altmann drei der fünf Disziplinen gewonnen und war trotz Punktgleichheit mit Gordzielik Deutscher Strongman Meister 2016. Bitter für Raphael Gordzilik! Ihm rutschte der deutsche Meistertitel im wahrsten Sinne des Wortes aus der Hand. Dennis Kohlruss holte sich den dritten Platz vor dem enttäuschten Geburtstagskind Sebastian Kraus, der aber mit einem vierten Platz in seinem ersten Jahr in der ersten Liga sein großes Potential gezeigt hat. 

Der nach Kraus zweitjüngste Strongman im Starterfeld, Lukas Neumayer, gewann erstmals die Deutsche Meisterschaft in der Klasse bis 105 Kilogramm. Andreas Altmann ist der erste seit Heinz Ollesch, der den Titel als stärkster Mann Deutschlands verteidigen konnte. Der Alt-Meister war begeistert von der gesamten Veranstaltung. Das Finale der deutschen Strongman-Meisterschaft in Ruhpolding hätte nicht spannender sein können und hat mit Andreas Altmann einen glücklichen Sieger gefunden.

Armin Bichler (Stadtshow Videoproduktion)

Zurück zur Übersicht: Ruhpolding

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser