Siegsdorf für sechs Spuren

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Die Autobahn A8.

Siegsdorf (CH-Z) - Eine heftige Debatte löste in der jüngsten Siegsdorfer Gemeinderatssitzung der geplante Autobahnausbau aus. Bürgermeister Thomas Kamm berichtete von den beiden Arbeitssitzungen mit Vertretern der Autobahndirektion.

Bei der zweiten Zusammenkunft am 6. Oktober habe er sich für den so genannten asymmetrischen Sechs-plus-zwei-Ausbau ausgesprochen. Dem folgte der Gemeinderat mit 16 Ja-Stimmen (CSU und UW) gegen fünf Nein-Stimmen von Bündnis 90/Die Grünen und SPD.

Dossier: „A8-Ausbau“

Für die nächste Sitzung im März 2010, bei der dann bereits Planentwürfe zur Diskussion vorgestellt werden sollen, sind die Gemeinden aufgefordert, ihre Vorstellungen zum Ausbau und zu Lösungen bis Mitte November einzubringen.

Bürgermeister Kamm berichtete, dass er mit den am meisten betroffenen Landwirten zwischen Kohlbrenn und Neukirchen Einzelgespräche geführt habe, um deren Probleme und Bedenken im Detail kennen zu lernen. Dabei seien im Unterschied zu den Vorstellungen der Autobahndirektion Südbayern, Alternativplanungen gefordert. Sie beträfen den Wilddurchlass in Kohlbrenn, die Reduzierung beziehungsweise Verlegung von Regenrückhaltebecken sowie die Verlegung der Ausfahrt Neukirchen in den Gemeindebereich von Siegsdorf. Vorschläge, wie dies aus Sicht der Gemeinde aussehen könnte wurden in einem Gespräch mit Martina Kamischke bei der Autobahndirektion erläutert und Planunterlagen mit den Alternativvorschlägen wurden dort übergeben. Diese sind jederzeit im Bauamt einzusehen.

Wie auch in anderen Gemeinden, beispielsweise in Bernau, wies Bürgermeister Kamm auf die rechtliche Problematik hinsichtlich des Rechtsanspruchs auf einen vollumfänglichen Lärmschutz für die Anwohner auf, der aufgrund der Klassifizierung der A8 zwischen München und Salzburg nur bei einem Sechs-plus-Zwei-Ausbau gegeben sei, was gegenüber der Vier-plus-Zwei-Variante nach dem Planungsvorschlag des Gutachters Professor Dr. Ditmar Hunger bei einer Ausbaulänge von etwa 9,5 Kilometern im Gemeindebereich Siegsdorf zu einem Flächenmehrverbrauch von rund acht Hektar führe.

Der Bürgermeister betonte, weil "der bestmögliche Lärmschutz" auf Jahrzehnte hinaus der wichtigste Gesichtspunkt bei Abwägung aller Kriterien sein dürfte, habe er sich bei der Abstimmung im Landratsamt für die größere Ausbaubreite und damit den zugesicherten Lärmschutzvollausbau entschieden.

Hoffen auf Hilfe von Peter Ramsauer

Zugleich setzte Kamm auf den neuen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen Aussage, wonach er sich zur Qualität des Ausbaus "über den gesetzlichen Rahmen hinausgehend" messen lassen müsse. Dabei wurden seinerseits ein besonders Augenmerk auf die Planungsverträglichkeit der Maßnahme in der sensiblen Landschaft des Chiemgaus ebenso gefordert wie Lärmschutz über die gesetzlichen Vorgaben hinaus, sowie ein fairer Flächenausgleich für Landwirte in den betroffenen Bereichen.

In der Diskussion befürchtete Willi Geistanger (Grüne) eine "erhebliche Lebensbeeinträchtigung" in den Baujahren auf die Anwohner zukommen und plädierte zudem auf eine Einhausung der A8 im Bereich von Reichhausen. Außerdem wurde angezweifelt, ob beim Minimum-Ausbau) wirklich kein rechtmäßiger Anspruch für Volllärmschutzmaßnahmen bestünde. Laut Bernhard Kübler (SPD) besteht dagegen bei einem Gewerbegebiet kein Anspruch auf Lärmschutz und Siegsdorf wäre davon sehr betroffen. Karin Neumann (Grüne) stellte die Frage nach einem Tempolimit und nach einem Verkehrsleitsystem.

Bürgermeister Kamm betonte abschließend nochmals, dass ihm persönlich aufgrund der Verkehrsentwicklungszahlen ein Ausbau von vier-plus-zwei einschließlich einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf 120 km/h als ausreichend erscheine, er aber das Risiko eines damit möglichen nicht umgesetzten vollumfänglichen Lärmschutzausbaus den zukünftigen Generationen gegenüber nicht verantworten könne. Zu einem Verkehrsleitsystem ob mit oder ohne Standstreifen konnte er noch keine detaillierten Angaben machen.

wet/Chiemgau-Zeitung

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