Jägerschaft hat nicht nur die Eigenverantwortung für den Wald

Abschussplan 2016 - Jagdpächter kritisiert Zukunftsplanung

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Rotwild

Traunreut - Zur Jagd gehört mehr, als das Aufspüren und Erlegen von Tieren. Das weiß auch Jagdpächter und Waldbesitzer Franz Wolfertstetter seit seiner frühesten Jugend. Aber wissen das auch andere?

Dass zur Jagd mehr gehört, als das Aufspüren und Erlegen von Tieren, weiß Jagdpächter und Waldbesitzer Franz Wolfertstetter seit seiner frühesten Jugend. 

Aktiver Naturschutz

Für einen Jäger ist es aber auch sehr wichtig, dass er die Zusammenhänge der Natur erkennt. Denn Jäger kümmern sich auch um Wildlebensräume in ihren Revieren und tragen somit zum aktiven Naturschutz mit bei.

Wird das Rehwild ausgerottet?

Dem passionierten Jäger aus Oderberg ist auch nicht entgangen, dass sich der Wald insgesamt in den vergangenen Jahren beachtlich erholt hat

Deshalb ist für ihn nicht nachvollziehbar, dass die Untere Jagdbehörde, das Landratsamt Traunstein, den Abschussplan für das Rehwild für das Traunwalchner Revier I erhöhen möchte.

 „Die Erhöhung des Abschussplans grenzt an Schädlingsbekämpfung und Ausrottung des Rehwildes“, kritisiert der Jagdpächter.

Kein Platz mehr das Rehwild?

Hat das Rehwild in unserer Gesellschaft keinen Platz mehr?“ „Wird der Jäger dazu gezwungen, ein jedes in Schussnähe stehendes Stück Rehwild zu erlegen?“ , fragt sich der 76-Jährige. 

Die Jägerschaft habe nicht nur die Eigenverantwortung für den Wald. „Wir haben es auch für das Wild“, betont Wolfertstetter. 

In seinem 370 Hektar großen Revier sei der in den letzten Jahren seitens des Landratsamtes ohnehin stetig erhöhte Abschussplan immer erfüllt worden. „Amoi muass g ́langa.“

Drei-Jahres-Plan

Der Vorschlag der Traunwalchner Jagdvorstandschaft, den Abschuss des Drei-Jahres-Planes (2016 bis 2019) in seinem Revier nicht zu erhöhen, sei von den Behördenvertretern bei einer Waldbegehung aber nicht akzeptiert worden, beklagt Wolferstetter. 

Die Untere Jagdbehörde stütze sich dabei auf die Verbissituation des vorausgegangenen Verbissgutachtens der einzelnen Reviere.

Das Gremium sei bei der Begehung zu dem Entschluss gekommen, den Abschuss erneut zu erhöhen. „Uns sind die Hände gebunden. Wir haben keine Chance uns dagegen zu wehren“, bedauert Wolfertstetter.

Was sagt das Landratsamt dazu?

Auf Nachfrage teilte der Pressesprecher des Landratsamtes Traunstein, Roman Schneider, per E-Mail mit, dass die Untere Jagdbehörde derzeit im Zuge der Rehwild Abschussplanung für den Dreijahreszeitraum 2016 bis 2019 Gutachten des Amtes für Ernährung, Landwirschaft und Forsten (AELF) Traunstein zur Verbisssituation in den einzelnen Jagdgenossenschaften einhole. 

Verbissgutachten fordert Abschusserhöhungen

Insgesamt 201 Jagdgenossenschaften im Landkreis Traunstein seien aufgefordert worden, Abschussplanvorschläge  einzureichen. So fern der Abschussplanvorschlag nicht der Abschussempfehlung aus dem Verbissgutachten entspreche, erfolge eine amtliche Waldbegehung mit dem Jagdbeirat und einem Vertreter des Landratsamtes, dem Jagdberater vom AELF Traunstein, dem Jagdpächter und dem Jagdvorsteher. 

Das Landratsamt führe derzeit für 21 Reviere amtliche Waldbegehungen durch. Zum weit überwiegenden Teil konnten bislang dabei einvernehmliche Lösungen erzielt werden. 

Weiter heißt es in der Presseerklärung: „Enthält die revierbezogene Einzelaussage des AELF die Empfehlung „Abschuss erhöhen“, so soll die Erhöhung sich im Bereich von 10 bis 20 Prozent gegenüber dem bisherigen Ist-Abschuss bewegen.

Grund für die Abschusserhöhung

Besonderes Augenmerk werde auf solche Jagdgenossenschaften gelegt, bei denen bereits mehrfach hintereinander (drei- vier- oder fünf Mal) eine erhöhte Verbissbelastung festgestellt worden sei. 

Die Jagdgenossenschaft Traunwalchen I habe jedoch in ihrem Vorschlag die üblicherweise geforderte Abschusserhöhung unterschritten. Die Verbissbelastung sei viermal hintereinander zu hoch gewesen. Daher sei eine amtliche Waldbegehung durchgeführt worden. 

Was ist wirklich dran an der Verbisssituation?

Aufgrund der vorgefundenen Verbisssituation sei man zu einem einstimmigen Ergebnis gelangt, eine Erhöhung des bisherigen Abschusses von 97 Stück aus dem Dreijahreszeitraum 2013 bis 2016 auf 105 vorzunehmen. Außerdem sei die Vorgabe aufgenommen worden, dass der bisherige Abschuss nicht unterschritten werden dürfe. 

Im Forstgutachten zum Ergebnis des Waldzustandes ist vermerkt, dass weiterhin Entmischungsprozesse bei der Tanne, gebremste Höhenentwicklungen und Qualitätseinbußen bei Edellaubhölzer und sonstigen Laubhölzern festzustellen sei. Der Verbiss sei zu hoch

Im Gespräch sagte Wolfertstetter, dass die Jagd schwieriger geworden sei. Das Reh sei zum Nachttier geworden

Ständige Störungen und Gefahren, denen das Rehwild ausgesetzt sei, etwa durch die Verfolgung eines Hundes, führten zu mehr Energieverbrauch. Dieser erhöhte Energieverbrauch müsse durch Nahrungsaufnahme ausgeglichen werden, was im Wald zu mehr Verbiss Schäden führe.

Sündenbock Jagdpächter?

Durch sein naschhaftes Äsungsverhalten ist das Rehwild in die Kritik geraten. Durch das Fressen der Triebe von Bäumen und Sträuchern (Verbiss) kann das Pflanzenwachstum eingeschränkt werden.

Besonders wenn es sich um Wipfeltriebe handelt. Dafür den Jäger verantwortlich zu machen, weist der Jagdpächter zurück: „Man kann nicht den Jäger als Sündenbock hinstellen, wenn bei dem einen oder anderen Waldbesitzer der Wald nicht so richtig aufwächst.“ 

Nach seiner Einschätzung und langjährigen Erfahrung ziehe es die Rehe immer wieder dahin, wo geschossen werde. Das Territorium werde durch den Abschuss frei und ziehe wiederum das Rehwild aus den Nachbarjagdbezirken an. 

Zwei Gesichter?

Nicht nachvollziehen könne er die Haltung mancher Waldbesitzer, die sich im Fernsehen Filme über die "lieben Rehe" ansehen und sich beim traditionellen Reh-Essen der Jagdgenossenschaften das gespendete Rehragout schmecken lassen, gleichzeitig aber den Kadi rufen, wenn bei einer seiner Tannen oder Fichten der Leittrieb verbissen oder eine Bache Hegeschaden verursacht habe.

Als Waldbesitzer verfolgt Wolfertstetter auch die Diskussion um einen standortgerechten Waldumbau. Dieser lasse sich seiner Einschätzung nach nicht kurzfristig, sondern frühestens in einer Baumgeneration verwirklichen. So sollen aufgrund der klimatischen Erwärmung nur noch Tannen und Laubholz gepflanzt werden, weil die Fichte angeblich den Anforderungen der Klimaerwärmung nicht standhalte. 

Weil Hitze Schädlinge für alle Bäume begünstigen, sollte der Waldbesitzer immer selbst entscheiden, was er anpflanzen möchte.

Quelle: Gaby Rasch

Zurück zur Übersicht: Traunreut

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser