Brustkrebs-Truck meidet Traunreut wegen Standgebühren

Mammografie unwichtiger als Glühwein- oder Würstlstände?

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Traunreut - Es bleibt wohl dabei: Das "Mammamobil" zur Früherkennung von Brustkrebs kommt nicht mehr nach Traunreut. Grund sind die Standgebühren, der Bürgermeister will keine Ausnahme machen.

Traunreuter Bürgerinnen über 50 Jahre haben es vermutlich bereits festgestellt: das „Mammamobil“, in dem das Mammographie Screening zur Früherkennung von Brustkrebs durchgeführt wird, kommt seit letztem Jahr nicht mehr nach Traunreut. Die Frauen mussten auch heuer nach Trostberg fahren, um die Untersuchung durchführen zu lassen. Der Grund dafür ist, dass die Stadt Traunreut als einzige Kommune für die Aufstellung des Mammamobils eine Standgebühr verlangt.

Häufigste Krebserkrankung bei Frauen

Das Mammographie Screening ist ein bundesweites Programm zur Früherkennung von Brustkrebs, der häufigsten Krebserkrankung bei Frauen. Etwa zehn Prozent von ihnen erkranken im Laufe des Lebens daran, die meisten nach dem 50. Lebensjahr. Im Abstand von zwei Jahren werden daher alle Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren zu einer Röntgenaufnahme der Brust (Mammographie) persönlich von der Zentralen Stelle der KV (Kassenärztliche Vereinigung) Bayern eingeladen.

Dr. med. Malik Englmaier von der zuständigen und organisierenden „Dres Englmaier Beratungsgesellschaft mbH“ bedauert es sehr, dass die Frauen aus Traunreut nicht mehr vor Ort zum Screening geladen werden können, erklärt aber auch warum das so ist. „Wenn wir in Traunreut Standgebühren bezahlen würden, könnte das eine nicht mehr überschaubare Lawine nach sich ziehen“, fürchtet der Radiologe.

Traunreut würde zehn Euro verlangen

Die Stadt ist nach seinen Angaben die einzige Kommune, die eine Gebühr für das Aufstellen des Mammamobils auf einer städtischen Fläche verlangt. Mit zehn Euro pro Tag sei der Betrag zwar an sich nicht hoch. Doch wenn er in einer Stadt bezahle, würden womöglich alle anderen nachziehen und dann stiegen die Kosten in einen Bereich, der nicht mehr tragbar sei.

Grundsätzlich hat Dr. Englmaier sehr gute Erfahrungen mit den Kommunen und das Mammamobil kam auch bis vor einem Jahr regelmäßig nach Traunreut. Dort stand es jeweils für mehrere Wochen auf dem Rathausplatz. Seit von Seiten der Stadtverwaltung Standgebühren verlangt werden, machte sich Dr. Englmaier nach eigenen Angaben auf die Suche nach einer Alternative: „In manchen Städten können wir uns auch auf den Parkplatz eines Einkaufszentrums stellen, die sind da oft sehr aufgeschlossen.“

Nur noch halb so viele Traunreuterinnen lassen sich untersuchen

In Traunreut habe man allerdings keinen anderen geeigneten Standort finden können. Seit die Untersuchungen nicht mehr in Traunreut durchgeführt werden, sondern die Frauen eine Einladung nach Trostberg erhalten, ging die Zahl der Bürgerinnen aus der Stadt merklich zurück. Laut einer Untersuchung des Fraunhofer Institutes steht fest: „Die Einladung nach Trostberg führt dazu, dass viel weniger Traunreuter Klientinnen am Screening teilnehmen, als bei Einsätzen vor Ort in Traunreut. Nur rund die Hälfte der statistisch zu erwartenden Teilnehmerinnen aus Traunreut fährt auch nach Trostberg, um dort am Screening teilzunehmen.“

Unglücklich über die neue Regelung ist auch die Selbsthilfegruppe Brustkrebs Chiemgau. Michaela Dreier schrieb in einem Brief an Bürgermeister Klaus Ritter: „Als Vorsitzende der Selbsthilfegruppe Brustkrebs Chiemgau e.V. beobachte ich mit Sorge die Entwicklung im Hinblick auf die Präsenz - beziehungsweise Nicht-Präsenz - des Mammamobils in Traunreut. In Anbetracht der Tatsache, dass Brustkrebs gerade bei älteren Frauen Todesursache Nummer eins ist, sollte diese einzige Früherkennungsmaßnahme einmal im Jahr den Frauen vor Ort zur Verfügung stehen.“

Mammografie-Truck vergleichbar mit Würstchenbuden und Glühweinständen?

Im Gespräch mit der Redaktion meint sie sogar: „Es kommt uns so vor, als würden hier Würstchenbuden und Glühweinstände mit einem staatlich anerkannten und vorgeschriebenen Versorgungsprogramm zur Früherkennung von Brustkrebs verglichen. Würden sich alle Städte so verhalten wie Traunreut, wäre das Programm in seiner Finanzierung in Frage gestellt.“

Bürgermeister Klaus Ritter beruft sich jedoch darauf, dass die Nutzung öffentlicher Flächen in der Stadt durch Satzungen und Beschlüsse genau geregelt ist. Der Rathausplatz stehe weiterhin zur Verfügung allerdings nur gegen Gebühr. „Gemessen an den Gesamtkosten der Aktion dürfte dieser Betrag wohl den geringsten Anteil ausmachen“, so die Meinung des Bürgermeisters, der auch auf den Grundsatz der Gleichbehandlung hinweist. Für ihn ist die „Dres. Englmaier Beratungsgesellschaft mbH“ ein Unternehmen wie jedes andere auch und er betont: „Ich sehe nicht ein, warum wir hier eine Ausnahme machen sollten.“

mix

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