Einweihung der Oderberger Werkstätten

Siegfried Walch:"Ein freudiger Augenblick für alle" 

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Traunreut - Feierlich wurde am Donnerstag, der Neubau der Oderberger Werkstätten, im Gewerbegebiet eingeweiht. Am neuen Standort können nun 120 Menschen mit Behinderung arbeiten. 

Die Chiemgau-Lebenshilfe- Werkstätten GmbH (CLW) setzt mit einem innovativen Neubau im Oderberger Gewerbegebiet einen wichtigen Akzent im Landkreis Traunstein. Der neue Produktionsstandort verbessert nicht nur das Arbeitsumfeld für Menschen mit und ohne Behinderung, sondern positioniert sich als Unternehmen auch als starker Partner der Industrie. 

Am Donnerstag wurden die Oderberger Werkstätten mit zahlreichen Gästen und Ehrengästen aus Politik, Wirtschaft und Behörden feierlich eingeweiht. Umrahmt wurde der Festakt von der Band „Crazy Boys“ – Menschen mit Behinderung, die bei der CLW beschäftigt sind. Den kirchlichen Segen spendete Pastoralreferentin Dr. Melanie Lücking.

Zentrale Küche für alle CLW-Einrichtungen

Der Neubau auf dem 5.500 Quadratmeter großen Grundstück ersetzt eine bisher angemietete Holzwerkstatt in Höhenstetten in der Gemeinde Palling und ein weiteres Mietobjekt in der Porschestraße in Traunreut. In die neue Adresse an der Heinrich-Hertz-Straße ist nicht nur der Zweig Holzverarbeitung ausgelagert, auch verschiedene andere Bereiche wie Montage und Metallverarbeitung finden darin Platz. Außerdem wurde eine Küche eingebaut, von der aus auch alle anderen CLW-Einrichtungen versorgt werden. 

Um dem Rehabilitationsauftrag für Menschen mit Behinderung gerecht zu werden, berücksichtigt der Neubau alle Aspekte der modernen Arbeitsphysiologie und schafft ein innenarchitektonisch durchdachtes, helles wie auch freundliches Arbeitsumfeld. Innen wie außen erzeugt ein innovatives Farbkonzept in allen Bereichen eine angenehme Atmosphäre.

Mitarbeiter halfen bei der Planung mit 

Eine Wohlfühlatmosphäre erzeugen auch der Sozialbereich und die an die Zentralküche angeschlossene Kantine. Dem Geschäftsführer Dr. Jens Maceicyk war es ein sehr großes Anliegen, die Mitarbeiter und die Menschen mit Behinderung in die Planung mit einzubinden. Sie hatten alle die Möglichkeit ihre künftigen Arbeitsplätze und die Prozesse im Unternehmen aktiv mitzugestalten.Der Neubau hat eine Nutzfläche von rund 3.500 Quadratmetern. 

Die Oderberger Werkstätten bestehen aus drei Hallenschiffen und einem zweistöckigen Sozial-/Verwaltungsgebäude mit zentraler Versorgerküche für die anderen Einrichtungen der CLW. Der Neubau ist Barriere frei konzipiert und so großzügig angelegt, dass auch Rolli-Fahrer in den Werkstätten beschäftigt werden können. Zudem stellt die CLW neben dem Verpackungsbereich ein komplettes Hallenschiff der neuen Metallwerkstatt zur Verfügung.

Landkreis Traunstein eine der stärksten Wirtschaftsregionen Deutschlands 

Vor 15 Monaten wurde der Spatenstich für das rund acht Millionen- Euro-Projekt gesetzt. „I ch bin stolz darauf, was in den 15 Monaten gewachsen ist“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der CLW, Josef Schärtl. Das dreigliedrige Gebäude biete beste Voraussetzungen für rund 120 Menschen mit Behinderung und deren Betreuern, die dort arbeiten. 

Allen am Bau Beteiligten zollte er hohen Respekt und Anerkennung. Als einen „freudigen Augenblick für uns alle“ bezeichnete Landrat Siegfried Walch die Feierstunde am Donnerstag.Dass der Landkreis Traunstein eine der stärksten Wirtschaftsregionen in ganz Deutschland sei, hänge aber nicht von den Faktoren eines Arbeitsplatzes ab. Sondern wie die Gesellschaft mit der Tatsache umgehe, Menschen zu integrieren, die sich mit ihrer eigenen Geschwindigkeit einbringen und gleichzeitig Leistungen für eine Produktionssteigerung bringen können, betonte Walch. 

Viele Glückwünsche für die Zukunft

Viele Aufträge und Umsätze für eine lange erfolgreiche Zukunft“ wünschte der Traunreuter Bürgermeister Klaus Ritter der CLW. Als Bürgermeister und als Privatmensch lägen ihm die sozialen Einrichtungen in der Stadt sehr am Herzen, sagte Ritter. Zum Neubau stellte er fest, dass sich das Gebäude sehr gut in das Umfeld der Gewerbebetriebe einfüge. 

Den Grußworten schlossen sich auch die Werkstatträtin Petra Parzinger und die Vorsitzende des Angehörigen- und Betreuerbeirats, Anna-Katharina Günther an. „Ich wünsche allen Beschäftigten, dass sie sich bald wohlfühlen“, sagte Günther. Die Werkstatträtin meinte, dass sie auf bisherige Einrichtung in Höhenstätten mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurückblicke. „Es hat mir dort sehr gut gefallen. Aber jetzt werde ich in neuen Räumen mit neuen Kollegen arbeiten“, so Parzinger.

Budget wurde nicht überschritten 

Einen dauerhaften Standort für die Zukunft zu sichern, sei das Ziel des Neubaus gewesen, erklärte Geschäftsführer Dr. Jens Maceicyk. Er erinnerte an die vielen Gespräche die im Vorfeld geführt worden seien, um auch als Förderprojekt durch das Bayerische Sozialministerium eine Genehmigung zu erhalten.Lob zollte er an die Landkreis- und Stadtbehörde für die schnelle Genehmigung

Die meisten der rund 40 Gewerke konnten seinen Aussagen nach an Firmen in der Region vergeben werden. Zu den Kosten teilte er mit, dass das geplante Budget von 8,2 Millionen Euro „mit dem heutigen Tag“ nicht überschritten worden sei. Die ersten 80 Beschäftigten werden am kommenden Montag ihre Arbeit in der neuen Werkstätte aufnehmen.

Neues Bauprojekt beginnt nächste Woche

Die CLW wird sich aber auf dem bisher Erreichten nicht ausruhen. In unmittelbarer Nachbarschaft entsteht ein sogenannter Integrationsbetrieb. Baubeginn ist bereits nächste Woche. In dieser Einrichtung werden Menschen mit Behinderung Arbeit finden, die zu stark für die Oderberger Werkstätten seien, sagte Maceicyk.

Bevor die neuen Räume gesegnet wurden, erinnerte Landtagspräsident a.D. Alois Glück in einer Festrede mit dem Titel „Behindert, früher versteckt – jetzt Mitglied der Gesellschaft“ an die Entwicklung der Behindertenarbeit. Nicht nur die Wirtschaft habe eine außergewöhnliche Entwicklung erfahren, sondern im großen Bereich auch der humanitäre Fortschritt, sagte Glück. 

Noch vor 50 Jahren hätten Menschen mit Behinderung als „Schande“ und als „Strafe Gottes“ gegolten. Die systematische Entwicklung sei in seinen Augen Anfang der 1970-er Jahre durch einen Landesbehindertenplan angeschoben worden. Mit viel Pioniergeist sei daran anknüpfend auch die Lebenshilfe als Elterninitiative auf den Weg gebracht worden.

Gabi Rasch

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