Johannes-Heidenhain-Gymnasium in Traunreut

Polizeivortrag am Gymnasium - Schüler neugierig

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Traunreut - Am Traunreuther Gymnasium war am Dienstag die Polizei zu Gast. Die Schüler zeigten sich sehr interresiert bei dem Vortrag der Beamten.

Für Spannung und Aufmerksamkeit sorgte vergangenen Dienstag der Besuch von zwei Polizeibeamten am Traunreuter Gymnasium: Zwei Schulstunden lang wurden die 10. Klassen des Johannes-Heidenhain-Gymnasium mitKriminalität, Verkehrs-unfällen, aber auch mit Zivilcourage und Prävention konfrontiert.

Der Traunreuter Polizeichef, Johann Bohnert und sein Kollege, Christian Kolb, berichteten über viele interessante Themen aus dem Polizeialltag. In erster Linie wurden dabei Straftaten erwähnt, die sich speziell in Traunreut ereigneten und auch über die Traunreuter Kriminalitätsbrennpunkte informiert.

Besonderes Interesse rief bei den Schülern Informationen zu einem Tötungsdelikt an einem 61-jährigen Rentner im Jahr 2014 hervor. Den Zehntklässlern wurde anhand des Falles aufgezeigt, wie schwierig sich die Ermittlungen gestalteten, zumal die Leiche erst Tage nach dem Mord aufgefunden wurde und die Zeugenaussagen sehr widersprüchlich waren. Zwar konnte ein Tatverdächtiger ermittelt werden, aber letztendlich war die Beweislage so dünn, dass es nicht zur Verurteilung des Mannes reichte.

Auch Verkehrskontrollen sind ein unumgänglicher Bestandteil der Polizeiarbeit und anhand eines Mordfalles, der sichbereits 1978 ereignet hatte, zeigte Polizeihauptkommissar Bohnert auf, wie damit Straftaten aufgeklärt werden können. Der besagte Mord ereignete sich damals in der Gemeinde Palling. Ein Gelegenheitsarbeiter hatte ein Urlauberehepaar aus Hamburg in einer Waldlichtung überfallen und als ihm nicht sofort Geld ausgehändigt wurde, tötete er kaltblütig den Ehemann. Trotz der sofort eingeleiteten Fahndung gelang es zunächst nicht, den Täter zu ermitteln.Erst Jahre später geriet der Mörder in eine Routinekontrolle in Freising. In einer wilden Verfolgungsjagd konnte er gestellt werden und als die Polizei seine Wohnung durchsuchte, fand sie genau die Munition, die bei dem Pallinger Mord verwendet wurde. Aufgrund der erdrückenden Beweise wurde der Arbeiter 1981 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Andererseits wurde den Schülern auch klar, dass dasPolizeileben nicht immer so spektakulär ist, wie es oft auch im Fernsehen dargestellt wird.Der Tagesablauf wird durch viel Routine bestimmt: Streife fahren, Unfälle sowie Straftaten aufnehmen und auch mal eine Verwarnung erteilen. Es wurde deutlich, dass die Polizeiarbeit mit viel Schreibtätigkeit und Bürokratie verbunden ist.

Die Polizeibeamten legten in ihrem Vortrag auch besonderen Wert darauf, den Schülern zu vermitteln, wie man Straftaten vermeidet und dass oft schon ein unbedachter Streich ungeahnte Konsequenzen haben kann. AmBeispiel eines Ladendiebstahls zeigte Bohnert auf, was passiert, wenn man bei einer Straftat erwischt wird. Eine unangenehme Prozedur wartet in der Regel auf den Täter: Zunächst wird er zur Dienststelle mitgenommen, wo eine Vernehmung erfolgt und in bestimmten Fällen sogar die Fingerabdrücke abgenommen werden. Bei wiederholten Vorgängen wird die Wohnung durchsucht, was ja durchaus peinlich sein kann, wenn die Nachbarn das mitbekommen. Die Straftat wird schließlich in das polizeiliche Führungszeugnis aufgenommen. Groß ist dann die Überraschung, wenn man sich beispielsweise um eine Lehrstelle oder eine Arbeitsstelle bemüht und nur Absagen bekommt. Aber es sollte eigentlich ganz klar sein: Mit einer Vorstrafe als Hypothek hat man wesentlich schlechtere Karten auf dem Arbeitsmarkt und speziell im öffentlichen Dienst braucht man sich keine Hoffnung auf eine Einstellung machen. Polizeiobermeister Kolb ging in seinem Vortrag unter anderem auf die Gefahren des Straßenverkehrs ein.Denn junge Leute sind besonders häufig in Unfälle verwickelt. Gründe für die gefährliche Raserei sindAlkohol, Imponiergehabe und Übermut. Nicht ohne Grund wurde im Verlauf der Schulstunde geraten,nie bei angetrunkenen oder verantwortungslosen Fahrern einzusteigen. Auffällig ist dabei, dass es meist die jungen Männer sind, die betrunken schwere Verkehrsunfälle verursachen. Deshalb wurde auch das absolute Alkoholverbot für Fahranfänger eingeführt.

Besonderes Interesse hatten die Schüler an dem Thema„Begleitetes Fahren“, zumal einige bereits dabei waren, ihren Führerschein mit 17 Jahren zu machen, um dann ein Jahr mit einer Begleitperson fahren zu dürfen. Für die Polizei ist das besonders erfreulich, denn Teilnehmer dieses Projekts finden sich wesentlich besser im Verkehr zurecht und sind kaum in schwere Verkehrsunfälle verwickelt.

Eine besondere Belastung ist für die Polizei die derzeitige Flüchtlingsproblematik. Viele Beamte werden für die Grenzkontrollen benötigt, die dann zum einen für bestimmte Arbeiten fehlen und zum anderen übermäßige Überstunden anfallen.

In Zusammenhang mit den Asylanten berichtete Polizeihauptkommissar Bohnert davon, dass geradebei der weiblichen Bevölkerung erhebliche Verunsicherung festzustellen ist. Es komme vermehrt zu Nachfragen, wie man sich vor tätlichen Übergriffen schützen kann. Allerdings muss man auch feststellen, dass außer einem Vorfall in der Silvesternacht, keine nennenswerten Vorkommnisse in Zusammenhang mit den Asylanten in Traunreut auftraten. Meist geht es um Konflikte, in Verbindung mit der beengten Unterbringung.Zwei Demonstrationen, die kürzlich in Traunreut, in Zusammenhang mit der Einwanderungspolitik stattfanden,verliefen völlig friedlich.

Probleme gibt es seit einigen Monaten auch mit einer Gruppierung aus dem Chiemgau, die die Staatsgewalt nicht anerkennt. Diese Personen haben an ihren Fahrzeugen„Phantasiekennzeichen“ montiert und führen selbst gemachte Fahrzeugpapiere und Führerscheine mit. Nachdem auch die Polizeibeamten diesen Personenkreis als nicht existent ablehnen, bleiben Konflikte nicht aus. Zum einen müssen die richtigen Personalien ermittelt werden und die Fahrzeuge sind in der Regel nicht ordnungsgemäß zugelassen und haben keinen Versicherungsschutz.

Über die Einstellungsvoraussetzungen bei der Polizei informierte Polizeiobermeister Christian Kolb. Er hatte nach dem Abitur ein Studium begonnen, aber dieses nach einigen Semestern abgebrochen und den Dienst bei der Polizei aufgenommen. Für ihn war es die richtige Entscheidung, weil nach seiner Ansicht die Tätigkeit wesentlich abwechslungsreicher ist.

Zum Abschluss der Veranstaltung zeigten die Beamten den Schülern eine Auswahl an verbotenen Waffen, die bei verschiedenen Straftaten sichergestellt wurden: Das Arsena l umfasste mehrere Hieb- und Stoßwaffen, Wurfsterne, Elektroschocker sowie auch scharfe Schusswaffen.

So war es für die meisten Schüler nachvollziehbar, dass der Gesetzgeber Gegenstände, mit denen unkalkulierbare Verletzungen zugefügt werden können, verboten und deren Gebrauch und meist auch der Besitz, strafbar ist.

In diesem Zusammenhang tauchte auch die Frage auf, unter welchen Voraussetzungen man Waffen für die Selbstverteidigung mitführen darf. Die Schüler erfuhren, dass z. B. zum Führen eines Schreckschussrevolvers ein kleiner Waffenschein nötig ist. Die Polizei steht den gängigen Abwehrwaffen eher skeptisch gegenüber, weil im Ernstfall ein effektiver Einsatz - am sachgemäßen Umgang und fehlender Übung - oft scheitert.

Die Beamten zeigten sich am Schluss sehr erfreut, dass sich die Schülerinnen und Schüler so außerordentlich interessiert zeigten.

Pressemitteilung Polizeistation Traunreut

Rubriklistenbild: © Polizeiinspektion Traunreut

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