Bund der Vertiebenen in Traunreut 

"Vertreibungen sind Unrecht – gestern wie heute" 

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Traunreut - Der Bund der Vertriebenen hat in Traunreut eine Zentralveranstaltung zum Tag der Heimat gefeiert. Traunreut sei ein Zeugnis für gelungene Integration: 

Der Bund der Vertriebenen (BdV) hat mit Traunreut für seine Zentralveranstaltung zum Tag der Heimat einen Veranstaltungsort gewählt, der ein beredtes Zeugnis für eine gelungene Integration und für ein neues Miteinander ablegt. 

Die Gründungsgeschichte der Stadt sei nicht nur mit dem Schicksal der Deutschen aus dem Osten nach dem zweiten Weltkrieg verbunden, sondern die von jenen ihrer Heimat beraubten Menschen gegründet und aufgebaut worden, sagte BdV-Vizepräsident und Landesvorsitzende Christian Knauer beim Festakt im k1. 

Neue Gedenkstätte

Die neue Gedenkstätte im Waldfriedhof, die vor dem Festakt eingeweiht wurde, bezeichnete Knauer als eine Gedenkstätte, die in Bayern Ihresgleichen sucht. Die Worte des Vizepräsidenten stimmten nachdenklich und erinnerten an das Schicksal der rund 15 Millionen deutschen Heimatvertriebenen, von denen etwa zwei Millionen bei Flucht, Vertreibung und Zwangsarbeit ums Leben gekommen waren. Für die meisten Bundesbürger sei es nicht mehr vorstellbar, innerhalb kürzester Frist, seine Heimat mit 30 Kilogramm für immer verlassen zu müssen, sagte Knauer. Millionenfach sei dies vor 70 Jahren in Mitteleuropa Realität gewesen – und leider sei dies auch heute in vielen Teilen der Welt bittere Wahrheit. 

Bei ihrem Besuch am Tag der Heimat des Bundes der Vertriebenen (BdV) trug sich Staatsministerin Emilia Müller im Beisein von Bürgermeister Klaus Ritter und dem BdV-Landesvorsitzenden Christian Knauer ins Goldene Buch der Stadt Traunreut ein.

Die Todesangst sei bei den Passagieren des sinkenden Kreuzfahrtschiffes "Wilhelm Gustloff", bei der über 9000 Menschen den Tod in der eisigen Ostsee gefunden haben genau so groß wie bei den Flüchtlingen im überfüllten, kenternden Schlauchboot auf dem Mittelmeer. Aber der Vergleich, der die aktuelle Zuwanderung mit den ethnischen Säuberungen und dem Vertreibungsdruck der Nachkriegszeit gleich setze, sei verletzend, weil der das Vertreibungsunrecht relativiere. Eine genaue Differenzierung zwischen den Opfern von Vertreibungen – gestern und heute – einerseits und denjenigen, die heute eine wirtschaftlich bedingte Migrationsentscheidung treffen andererseits, sei daher unerlässlich. "Wer dieses missachtet, gefährdet die Akzeptanz für die echten Gewaltopfer und fördert Missbrauch", zitierte Kauer Bundespräsident Joachim Gauck. 

Gerade in einer Zeit, in der Deutschland wie kaum ein anderes Land zu Recht den wirklich politisch, religiös, ethnisch und aus sonstigen Gründen Verfolgten Asyl und Hilfe zur Recht gewähre, müsse das Land aufpassen, dass dem Missbrauch nicht Tür und Tor geöffnet werde. "Wir wollen alle nicht, dass der "nationalistische Ungeist" Wiederauferstehung feiern könne. 

Traunreuter Stadtgeschichte 

Die Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, Emilia Müller, appellierte an das Leitwort, das sich die Heimatvertriebenen in ihrer Charta 1950 auferlegt haben, nämlich für ein geeintes Europa einzutreten, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können. "Halten Sie an diesem Kurs fest. Bayern steht an Ihrer Seite." Z ur Traunreuter Stadtgeschichte stellte sie heraus, dass die Region ohne die deutschen Heimatvertriebenen keinen so erfolgreichen Aufstieg seit der Nachkriegszeit hätte erleben können. Traumatisiert durch den Verlust der Heimat in Bayern angekommen und in schäbigen Baracken einer ehemaligen Munitionsfabrik untergebracht, hätten sie selbst mit angepackt und ihre Ideen, ihr Know-how und ihr Engagement eingebracht. Die Gedenkstätte im Friedhof bezeichnete sie als wichtiges Zeichen, das nicht nur an die alte Heimat und Toten erinnere, sondern auch den Bogen zu denjenigen spanne, die nach der Vertreibung in Bayern wieder Fuß gefasst hätten. "Wir dürfen nie vergessen, was damals an Unrecht und Gräuel geschah", sagte die Ministerin, die sich bei ihrem Besuch in Traunreut auch in das Goldene Buch der Stadt eintrug. 

"Das Wunder von Traunreut" 

Auch Landrat Siegfried Walch würdigte die Leistungen der Stadt Traunreut. Das "Wunder von Traunreut" sei gelungen durch den Fleiß der Vertriebenen, die unendlich viel geleistet hätten, betonte das Landkreisoberhaupt. Die weit über 80 verschiedenen Nationen, die in Traunreut leben, seien die Basis unserer Stadt, sagte Bürgermeister Klaus Ritter. Die Gedenkstätte mit ihrem mächtigen Holzkreuz und Gedenksteinen, die auf die Herkunftsorte der Kriegsflüchtlinge, Heimatvertriebene oder Spätaussiedler hinweisen, die nach Traunreut gekommen sind, sei keine vorherrschende Gedenkstätte, sondern ein Denkmal, in dem sich alle Völker Traunreuts wiederfänden, so der Bürgermeister. Wie wiederholt berichtet, wurden das Heimatkreuz und die Gedenksteine an den höchsten Punkt des Traunreuter Waldfriedhofes verlegt. Jedes einzelne Schicksal spiegle sich in diesem Kreuz, das auch ein Zeichen der Hoffnung sei, die uns unser Glaube gebe und aus der man Kraft schöpfen könne, sagte die Ministerin bei der Einweihung im Vorfeld des Festaktes. "Ich neige mein Haupt vor diesem Kreuz und all den Toten und Opfern der Flucht und Vertreibung." 

Über zwei Stunden dauerte der Festakt mit zahlreichen Ehrengästen, darunter Vertreter der Politik, Kirche und den Vertriebenenstädten. Der Einmarsch der Fahnenordnungen und die bunten Trachten spiegelten die kulturelle und ländliche Vielfalt der alten Heimat der Landsmannschaften wieder. Darunter mischten sich auch die Trachtler aus Traunwalchen, die neben der Jugendtanzgruppe der Traunreuter Siebenbürger Sachsen und der Tanz- und Folkloreensembles Ihna und Leba Erlangen sowie der Blaskapelle Traunwalchen den Festakt mit ihren Auftritten bereicherten. 

Kultlurpreis 2015

Neben einigen Ehrungen durch den BdV-Landesverband, wurde auch der Kulturpreis 2015 verliehen. Den mit insgesamt 2000 Euro dotierten Preis erhielten das Tanz- und Folkloreensemble Ihna und die Tanz- und Spaeleel Leba. Die mehrfach ausgezeichneten Tanzgruppen, die weltweit auftreten, seien besondere Botschafter der Pommerschen Kultur und Tradition, sagte Knauer. Geehrt wurden unter anderem auch zwei Vertreter der Landsmannschaften im Landkreis Traunstein. Der Kreisobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft Franz Jaksch aus Traunwalchen erhielt die Goldene Ehrennadel des BdV-Bayern und der Vorsitzende des BdV-Kreisverbandes Traunstein Berchtesgadener Land, Ludwig Pagatsch, wurde mit der Silbernen Ehrennadel ausgezeichnet. Beide übten ihre Ämter mit Herzblut und großem Engagement aus, lobte der Landesvorsitzende, der bei der am Vormittag stattgefundenen Landesversammlung erneut in seinem Amt bestätigt wurde. Mit der gemeinsam gesungenen Bayernhymne und dem Deutschlandlied klang der Festakt aus.

Pressemitteilung BdV

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