Diskussion um Wasserkraftnutzung an der Salzach

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War für eine „umweltfreundliche Wasserkraftnutzung der Salzach mit einem Fließgewässerkraftwerk“: Professor Markus Aufleger von der Universität Innsbruck bei seinem Vortrag im Rahmen der Bayerischen Klimawoche bzw. der vom Sonnenkreis Traunstein initiierten Klimawoche des Landkreises im großen Saal des Landratsamtes.

Traunstein - Lässt sich einen nötige Sanierung der unteren Salzach mit einer energetischen Wasserkraftnutzung sinnvoll kombinieren?

Diese Frage erörterten am Montagnachmittag im Rahmen der Veranstaltungen zur Bayerischen Klimawoche die Referenten Johann Strobel (Vorstand der Österreichisch-Bayerischen Kraftwerke AG), der Projektleiter der ÖBK Dr. Armin Baumgartner und der Professor für Konstruktiven Wasserbau an der Baufakultät der Universität Innsbruck, Markus Aufleger zusammen mit Traunsteins Landrat Hermann Steinmaßl. Zu der Veranstaltung waren rund 100 Bürgermeister und Gemeinde- und Stadträte der betroffenen Gemeinden wie auch Vertreter der Naturschutzorganisationen gekommen. Aber auch interessierte Bürger kamen zu dem Vortrag in den großen Sitzungssaal des Landratsamtes Traunstein.

Der Landrat erläuterte eingangs die energiepolitischen Ziele des Landkreises, der bis 2020 seinen Strombedarf zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energiequellen decken will. „Wir setzen hier Maßstäbe und nehmen eine Vorreiterrolle ein“ so der Landrat. Er betonte die Bedeutung der Wasserkraft, ohne deren zusätzliche Nutzung, verbunden mit einer zusätzlichen Effektivitätssteigerung der vorhandenen Anlagen, der Landkreis dieses Ziel nicht erreichen könne.

Salzach muss saniert werden

Er betonte, das das Flussbett der Salzach entweder deutlich erweitert werden müsse oder Sohlschwellen eingebaut werden müssten. „Es bietet sich an, die Sanierung mit einer Energienutzung zu kombinieren“ erläuterte Steinmaßl, der klar machte, dass diese bis zu 100 Gigawatt (Gwh/a) im Tittmoninger Becken bringen könne. „Der ganze Rupertiwinkl wäre damit autark. Wir sehen in dem vorgelegten Konzept die einmalige Chance die Salzach ökologisch verträglich zu nutzen.“

ÖBK strebt Partnerschaft an

Der Vorstand der Österreichisch-Bayerischen Kraftwerke AG (ÖBK), Johann Strobel schilderte die Tätigkeit des Energieversorgers, der von Nußdorf am Inn bis Passau im Kraftwerksbereich tätig sei und erläuterte den Anspruch der Firma: „Wir wollen eine krisensichere, saubere Versorgung erreichen und streben nach einer konjunkturunabhängigen Bedeutung für die regionale Wirtschaft.“ Man suche eine dauerhafte Partnerschaft in dem Projekt.

Warben für einen Sanierung der Salzach unter Einbeziehung der energetischen Nutzung durch Wasserkraftwerke. Von Links: Dr. Armin Baumgartner (Projektleiter der Österreichisch-Bayerischen Kraftwerke AG (ÖBK), Professor Markus Aufleger von der Universität Innsbruck, Landrat Hermann Steinmaßl und Johannes Strobel (Vorstand der ÖBK) bei dem Vortrag im Landratsamt Traunstein.

Der Projektleiter der ÖBK, Dr. Armin Baumgartner, steckte die Rahmenbedingungen für die Wasserkraftnutzung an der Salzach ab, die für das ehrgeizige Landkreisziel alternativlos sei: „Die Wasserkraft spielt die entscheidende Rolle.“ Die Rahmeneckdaten des Projektes seien: 100 Millionen Euro Investitionskosten, 100 Gwh/a die jährlich 80 000 Tonnen CO2-Ausstoß vermeiden würden. Die technische Lösung für die von einem Sohldurchschlag bedrohte Salzach sei der Einbau von Rampen zur Stabilisierung des Flusses, ähnlich der im Freilassinger Becken eingebauten Rampen. Diese könnten energietechnisch genutzt werden.

Wunderwerk Fließgewässerkraftwerk?

Für das vorgesehene und in einem Modellversuch erfolgreich getestete „Fliessgewässerkraftwerk“ seien keine Dämme, keine klassische Stauhaltung, eine optimale Nutzung geringer Fallhöhen, die Sohlstabilisierung und der Hochwasserschutz sichergestellt. „Das ist eine Innovation in der Wasserkraftnutzung“ warb Baumgartner für die Kraftwerksvariante.

Der Professor für Konstruktiven Wasserbau an der Baufakultät der Universität Innsbruck, Markus Aufleger, schilderte die technische Konzeption der Kraftwerke, die sich von anderen Kraftwerkstypen vor allem dadurch unterscheiden würden, das in dem überströmten Kraftwerk bis zu 20 Turbinen nebeneinander angebracht werden. Auch die Fischwegigkeit würde bestehen bleiben. „Allerdings ist das nicht ganz optimal“ so Aufleger über die „Fischrutschen“ und „technischen Fischtreppen“. In Forschungsversuchen hätten sich die Fische aber darauf eingelassen. Das oberste Ziel sei die Sohlstabilisierung zu erreichen. Daneben gälte das Augenmerk der Gewässerökologie und der Wasserkraft. „Mit Beweglichkeit auf beiden Seiten sollten die Ziele erreichbar sein“ so der Wissenschaftler. Dem pflichtete auch der Traunsteiner Landrat bei: „Zum Spagat gehört, dass sich alle etwas bewegen.“

Kommunalpolitiker dafür, Umweltverbände dagegen

Die nachfolgende umfangreiche Diskussion zeigte, ein weitgehend erwartetes Bild: Überwiegende Zustimmung für das Konzept aus der Kommunalpolitik bei weitgehender Ablehnung durch die Umweltverbände. Der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser appellierte an die Anwesenden: „Wir sollten nicht gleich das Haar in der Suppe suchen. Ich bitte um vernünftige Unterstützung.“ Man stehe weltweit wie regional vor enormen Herausforderungen in Klima- und Energiefragen. Fridolfings 1. Bürgermeister Johann Schild: „Wir sind dankbar für diese Untersuchungen. Hier ist sehr genau untersucht worden und auf die Ökologie Rücksicht genommen worden.“ Evtl. Bedenken zu Veränderungen im Grundwasserstand zerstreute Aufleger mit dem Hinweis, dass lediglich bei einem Kraftwerk evtl. einige Gräben nötig seien. Architekt Anton Zeller aus Ruhpolding fragte nach einer möglichen Beteiligung im Rahmen eines Konsortiums, das ÖBK-Vorstand Strobel nicht ausschließen wollte. Kritisch äußerte sich Reinhard Klein aus Trostberg: „Wir versammeln uns hier und machen Werbung, dass ein Konzern sein Geschäft machen kann.“

Fotos von der Auftaktveranstaltung der Klimawoche

Bayerische Klimawochen - Traunstein

Tittmonings Stadtrat Dirk Reichenau betonte, dass ihm „die Gewalt der Salzach Sorge bereitet. Außerdem schaffen sie durch die drei Kraftwerke eine Art 'Seenplatte'.“ Daneben müsste für das Kraftwerk eine entsprechende Infrastruktur geschaffen werden. Der 1. Bürgermeister Tittmonings, Konrad Schupfner machte die Dringlichkeit einer Salzach-Sanierung deutlich: „Es ist fünf vor zwölf.“ Der vorgesehene Eingriff sei vergleichsweise klein. Martin Donat von der Oberösterreichischen Umweltanwaltschaft machte dagegen seinem Ärger Luft: „Die Darstellung des Projektes ist sehr einseitig erfolgt.“ Er müsse jetzt seine Kritik anbringen, bevor der „ökologische Weihrauch die Luft zu dicht macht.“ Dr. Jakob Wagner von der Aktionsgemeinschaft „Lebensraum Salzach“ betonte: „Die Wasserkraft steht einem ökologischen Konzept entgegen.“ Man solle sich zum „Test“ einen harmloseren Fluss suchen, bevor „das Ganze zum Schluss den Fluss runter geht.“ Hermann Eschenbeck vom Bund Naturschutz kritisierte die Focussierung auf die Wasserkraft: „Ich würde mir wünschen, wenn die Windkraft auch so viel Freunde hätte.“ Robert Aigner, Gemeinderat in Fridolfing und Mitverantwortlicher der „Sonnenkreis“ Initiative appellierte an die gesamten Anwesenden: „Das ist ein machbarer Weg. Die Maßnahme ist positiv für künftige Generationen. Auch Gruppen, die 'das Ökologische' vertreten, sollten sich dem Konzept öffnen und gemeinsam etwas für das Klima tun.“

awi

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