Dubiose Immobilienverkäufe in Traunstein

Spezlwirtschaft im Rathaus? Razzia der Staatsanwaltschaft

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Eines der Objekte, um die es geht: Ein Mietshaus an der Schützenstraße, 18 Wohnungen sind dort untergebracht.

Traunstein - Büros wurden durchsucht, Akten beschlagnahmt: Ein Beamter im Rathaus könnte der Stadt vom Kauf zweier Häuser abgeraten haben - zum Gunsten seines Bruders. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Es geht um zwei Wohnblöcke an der Schützen- und der Zirnbergerstraße: Bis Mitte 2014 gehörten sie der "Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft Haidforst eG". Diese machte der Stadt Traunstein ein Angebot - doch die Stadt nutzte ihr Vorkaufsrecht nicht und lehnte im Juni 2014 ab.

Nach Informationen von chiemgau24.de soll ein Mitarbeiter der Stadt dem damaligen Oberbürgermeister Kösterke vom Kauf abgeraten haben: Die Häuser seien marode, ein Kauf nicht empfehlenswert. Doch die Wohnblöcke wechselten trotzdem den Eigentümer: Ausgerechnet der Bruder des Rathaus-Mitarbeiters schlug bei beiden Immobilien schließlich zu - für einen wahren Schnäppchenpreis und das ganz ohne öffentliche Ausschreibung.

Häuser wären das Doppelte wert gewesen

Bereits im Oktober beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft daher Akten im Rathaus und durchsuchte Büros. Da die Ermittlungen noch laufen, hält man sich dort bedeckt, doch die Stadt selbst betont: "Es wird nicht gegen einen Mitarbeiter der Stadt ermittelt." Auch für weitere Auskünfte ist man in dieser Angelegenheit bei der Verwaltung nicht zu haben: "Wir beteiligen uns an keinen Spekulationen", so Pressesprecherin Carola Westermeier gegenüber chiemgau24.de.

Für rund 550.000 Euro sollen die beiden Wohnblöcke von der Wohnungsbaugenossenschaft Haidforst verkauft worden sein - ein wahres Schnäppchen. Insider schätzen den eigentlichen Quadratmeterpreis bei dementsprechender Bebauung auf das Doppelte: "Allein auf den ersten Blick hätte ich die Gebäude für 1,2 Millionen Euro gekauft", so ein Insider gegenüber chiemgau24.de. Nun liegt es an der Staatsanwaltschaft, die Häuser schätzen zu lassen und sie der Empfehlung des Rathaus-Mitarbeiters, die Immobilien nicht zu kaufen, gegenüberzustellen. Die Staatsanwaltschaft ermittelte nach Anfangsverdacht: Veruntreuung, Begünstigung oder Bestechlichkeit könnten zukünftige Anklagepunkte also heißen.

Was wusste der Oberbürgermeister?

Ob die Sache auch für die Stadtverwaltung und den Oberbürgermeister noch ein Nachspiel hat, wird sich außerdem zeigen. Kurz nach dem Kauf, im September 2014, soll nach Informationen eines Insiders ein anonymes Schreiben an die Stadt gegangen sein - Inhalt der anderthalb DIN-A4-Seiten: Genau jene dubiosen Umstände der Immobilienverkäufe

Wusste Rathaus-Chef Christian Kegel also Bescheid und deckte seinen Mitarbeiter? Angeblich folgte eine Anzeige der Stadt gegen Unbekannt wegen Verleumdung. Die Kripo ermittelte und durchsuchte im Januar 2015 mehrere Traunsteiner Immobilienbüros - ohne Ergebnis: "Die Informationen in diesem anonymen Brief über die Immobilienverkäufe waren aber sehr detailliert und konkret", erfuhr chiemgau24.de von einem der damals Beschuldigten. Auch zu dem Schreiben will sich die Stadtverwaltung vorerst nicht äußern.

xe

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