Stadtrat nimmt Entwicklungskonzept auseinander

ISEK: "Noch nie so viel dummes Geschwätz gehört"

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Stadtrat und Schreinermeister Wolfgang Osenstätter: Er war zuletzt Oberbürgermeister-Kandidat der CSU.

Traunstein - Kaum nimmt das Traunsteiner Stadtentwicklungskonzept Gestalt an wird es auch schon verrissen: Für Stadtrat Osenstätter geht es völlig an der Realität vorbei.

Stadtentwicklungskonzepte (ISEK) haben wahrscheinlich immer etwas visionäres und wollen die großen Linien des Fortschritts aufzeigen. Es sind meist Stadtplaner von außen, die als Dritte einen unbelasteten Blick auf eine Stadt werfen - so wie es auch der Würzburger Stadtplaner Martin Schirmer am Dienstag in Traunstein getan hat. Auch CSU-Stadtrat Osenstätter hörte zu: Aus dem Kopfschütteln kam er nicht mehr heraus. Nun schrieb er uns seine Meinung.

Der Leserbrief von Wolfgang Osenstätter im Wortlaut

Am Dienstag Abend fand im großen Saal des Rathauses die dritte Bürgerwerkstatt zu ISEK statt. Der Vortrag vom ausführenden Architekten war außerordentlich interessant. Besonders wenn man seit 14 Jahren Stadtrat in der großen Kreisstadt ist, musste man sich verwundert die Augen reiben.

Über Kleinigkeiten, wie die Entfernung des Brunnens am Bahnhof und den Rückbau der im Volksmund „Wamsler Gruft“ genannten Unterführung kann man noch schmunzeln. Ein Kreisverkehr an der Wegscheid ist auch altgedienten Stadträten ein lang gehegter, aber bis jetzt noch nicht finanzierbarer Wunsch. Dass wir in Traunstein ein Hotel bräuchten wissen wir auch. Der einzige, bis jetzt vorstellige Investor, wurde jedoch leider, sozusagen in erster Amtshandlung von unserem derzeitigen Oberbürgermeister verscheucht! 

Die Entwicklung des Bahnhofs-Areals beiderseits der Bahn wurde auch kurz gefordert, aber mit keinerlei Lösungsvorschlag begleitet. Dass es in der Stadt unschöne, weil leere Geschäfte gibt ist den Planern auch aufgefallen. Wir wurden aufgefordert, das zu ändern und große Investoren z. B. in die Brachen an der Marienstraße anzusiedeln (wie man den Hausbesitzer dazu bringt, das Gebäude herzurichten wurde nicht gesagt).

Das Schwimmbad auf die Flächen des ehemaligen Tenniscenters auszuweiten, wäre eine gute Idee. Leider liegt dazwischen die Straße zum Hochberg, das Gelände wurde in der letzten Stadtratssitzung zur dringend benötigten Wohnbebauung freigegeben und mit der jetzigen Fläche des Schwimmbades machen wir bereits eine viertel Million Verlust. 

Ein Parkhaus am Karl-Theodor-Platz, die Beseitigung des Festplatzes ohne Idee für eine neue Fläche, zusätzliche Aufzüge in die Stadt und der Rückbau der Herzog-Friedrich-Straße... Viele oft diskutierte aber nicht finanzierbare Geschichten. Es wurde bemängelt, dass Traunstein zu wenig Wasserkraft und Sonnenenergie produziert. Fernwärme wäre auch schön! Dass wir sämtliche Versuche dazu unternommen haben und ob der Wirtschaftlichkeit gescheitert sind ist dem Planer egal! 

Nun kommt aber der Oberhammer: unsere Untere Stadt ist nicht schön genug und man müsste den Verkehr von der Scheibenstraße wegbringen. Dafür könnte man die Feuerwehr, den Bau- und den Wertstoffhof wegreißen... Ach ja, das blöde Parkhaus dazu...

Ich habe noch nie soviel illusionäres, unfinanzierbares, dummes Geschwätz in so komprimierter Form gehört! Dafür bezahlen wir wieder hunderttausende Euro und unsere, von Theorie begeisterten „Stadtplaner“ und der Oberbürgermeister finden das toll!

xe

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