Achter Verhandlungstag gegen den 26-jährigen Niedersachsen

Mord in Traunreut: Kinderpornos beim Toten?

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Der angeklagte 26-Jährige am siebten Prozesstag vor dem Landgericht in Traunstein

Traunstein/Traunreut - Auf Antrag der Verteidigung durchsuchten Ermittlungsbeamte die Wohnung nach kinderpornographischen Schriften. 67 verschiedene DVDs prüfte ein Beamten dabei insgesamt:

Am achten Verhandlungstag gegen den 26-jährigen Niedersachsen, der im Mai 2014 einen damals 61-jährigen Rentner ermordet haben soll, wurden diverse Berichte verlesen und Anträge bearbeitet, die die Verteidigung zuvor gestellt hatte. 

Nur legale Pornographie gefunden

Bereits am siebten Prozesstag hatte der Beschuldigte sein anfänglich langes Schweigen gebrochen. Immer wieder erzählte er dem Gericht von vermeintlich kinderpornographischen Datenträgern, die der getötete Rentner besessen haben soll. Weiter gab der Niedersachse an, einmal sogar einen Entführungsversuch seitens des 61-Jährigen beobachtet zu haben. "Als die Mutter dann kam, meinte er nur, er habe das Kind mit seiner Enkelin verwechselt," so der Beschuldigte am vergangenen, siebten Prozesstag.

Ein Ermittlungsbeamte machte weitere Angaben zu möglichen kinderpornographischen Schriften, die der Getötete besessen haben soll. So untersuchte der Beamte insgesamt 67 DVDs auf denen jedoch lediglich legales, pornographisches Material zu finden war. Der Besitz von illegaler Kinderpornographie konnte dem Rentner somit nicht nachgewiesen werden.

Weiter wurde neben dem Auszug aus dem Bundeszentralregister des Beschuldigten auch ein interessanter Aktenvermerk verlesen. Bereits 2012 stellte der 26-jährige Niedersachse Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Polizei. Damals gab er an, verfolgt und sogar beschossen worden zu sein. Aus dem Ermittlungsvermerk geht hervor, dass bereits damals Wahnvorstellungen beim Beschuldigten vermutet wurden.

Mangelhafte Beweissicherung

Rechtsanwalt Raphael Botor, einer der beiden Pflichtverteidiger des Beschuldigten, prangerte schließlich noch die aus seiner Sicht mangelhafte Spurensicherung der Beamten vor Ort in der Wohnung des Rentners an. Verschiede Gegenstände, die sich im Umkreis um die gefundenen Essigessenz-Flasche mit den DNA-Spuren befunden hätten, seien nicht begutachtet worden, so der Verteidiger. Darunter seien auch viele Gebrauchsgegenstände gewesen, die der Beschuldigte möglicherweise berührt haben könnte, wie zum Beispiel mehrere Feuerzeuge. In einer Stellungnahme warf Botor den Beamten daher Wahllosigkeit und somit Fehler bei der Beweissicherung vor.     

Ein Rückblick auf den bisherigen Prozessverlauf

Die einzige belastende Spur, die die Polizei bei der Durchsuchung der Wohnung des getöteten Rentners sicherstellen konnte, befand sich an einer Essigflasche. DNA Spuren des Beschuldigten konnten in der restlichen Wohnung nicht festgestellt werden. Die Tatwaffe, ein Küchenmesser, soll nach dem Angriff auf den 61-Jährigen gründlich gereinigt worden sein, in der Wohnung war großflächig Kaffeepulver, Mehl, Zucker und Essigessenz ausgebracht worden.

Bereits am fünften Verhandlungstag hatte Pflichtverteidiger Axel Kampf weitere mögliche Tatverdächtige präsentiert. Als vermeintliches Tatmotiv gab der Anwalt dabei meistens "Geldprobleme" zwischen dem Rentner und unterschiedlichen Personen aus dem Rotlichtmilieu an.

Die Verhandlung gegen den 26-jährigen Niedersachsen wird am 8. Juni ab 9 Uhr fortgesetzt. Dann soll neben weiteren Ermittlungsbeamten ein ursprünglich Beschuldigter auf Antrag der Verteidigung nochmals vor Gericht vernommen werden.  Chiemgau24.de berichtet dann wieder über die Entwicklungen in Einblendungen aus dem Gerichtssaal.

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