Dubioser Immobilien-Deal in Traunstein

Baugenossenschaft Haidforst im Visier der Justiz

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Eines der Objekte, um die es geht: Ein Mietshaus an der Schützenstraße, 18 Wohnungen sind dort untergebracht.

Traunstein - Immobiliengeschäfte mit Hilfe eines Rathaus-Mitarbeiters​?​ Es ist die Baugenossenschaft Haidforst, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt. Nun äußert sich der Käufer.

Insgesamt 466 Wohnungen gehören der "Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft Haidforst". Sie ist damit der größte Vermieter in Traunstein und richtet sich vor allem an sozial schwächeren Menschen. Ein erst vergangene Woche aufgedeckter Immobilien-Deal bringt die Baugenossenschaft allerdings ins Fadenkreuz der Justiz: Beim Verkauf zweier Häuser, an der Zirnberger- und der Schützenstraße, lief möglicherweise nicht alles ganz sauber ab.

Der Stadt bot man die Immobilien an, doch diese nutzte ihr Vorkaufsrecht nicht. Auf den freien Markt kamen die Immobilien aber trotzdem nie: Ein hochrangiger Rathaus-Mitarbeiter​, der​ von den Verkaufsabsichten​ wusste, soll​ seinem Bruder den Tipp​ gegeben haben​. Es kam zum Deal: Für rund 550.000 Euro wechselten beide Häuser den Besitzer - öffentlich ausgeschrieben wurden die Objekte nicht.

Ermittlungen wegen Untreue

Der Bruder des Stadtbeamten machte so ganz offensichtlich ein Schnäppchen. Insider schätzen den Wert der beiden Häuser auf das Doppelte: "Wir ermitteln gegen Verantwortliche der Wohnungsbaugenossenschaft wegen des Vorwurfs der Untreue", so die Staatsanwaltschaft Traunstein gegenüber chiemgau24.de. Heißt: Durch den möglichen Verkauf unter Wert, vorbei am Markt, könnte der Baugenossenschaft einiges Geld durch die Lappen gegangen sein. Der Strafrahmen reicht bis zu fünf Jahren Gefängnis, in besonders schweren Fällen bis zu zehn Jahren.

"Ich kann und darf dazu nichts sagen. Erst, wenn das Ganze über die Bühne gegangen ist", so Geschäftsleiter Michael Hofmann. Dass man sich von den beiden Häusern trennen​ habe wollen, sei aber schon länger festgestanden: "Wir haben in den letzten vierzig Jahren nur das Allernötigste an diesen Gebäuden gemacht, um dem Wunsch nach günstigen Mieten zu entsprechen", heißt es auf der Homepage der Baugenossenschaft.

Das sagt der neue Eigentümer

Der Käufer, Bruder des Rathaus-Mitarbeiters, ist dagegen auskunftsfreudiger: "Die Baugenossenschaft Haidforst bot das Gebäude neben der Stadt wohl auch der Caritas und der katholischen Kirche an", so der neue Eigentümer im Gespräch mit chiemgau24.de. Damit der Mieterschutz bestehen bleibt, hätte man die Objekte aber nicht an einen freien Bauträger verkaufen wollen. Ein Argument? Wohl kaum, denn Dinge wie Mietpreis oder Kündigungsschutz können ohnehin im Kaufvertrag geregelt werden, wie auch im aktuellen Fall passiert: "Es steht beispielswiese drin, dass bestimmte Mieten nicht erhöht werden dürfen", so der Bruder des Stadtbeamten. Außerdem wurde Mietern, die älter als 70 Jahre sind, zugesichert, unbefristet in den Häusern bleiben zu können.

"Reine Hetzkampagne"

Wie schätzt der neue Eigentümer die Häuser ein? Hat er ein Schnäppchen gemacht? "Beide Projekte wurden zu einem realen Marktpreis erworben. Der Sanierungsaufwand ist extrem hoch. Sämtliche technischen Anlagen müssen erneuert werden", teilt er chiemgau24.de mit. Auch die soziale Bindung des Kaufvertrags sei "unattraktiv für den Markt", so der Käufer - doch "der Markt" wurde ganz offensichtlich nie gefragt.

Verbindungen zur Wohnungsbaugenossenschaft Haidforst vor dem Deal verneint der neue Eigentümer: "Dieser Kauf war der Erstkontakt." Die Genossenschaft nimmt er in Schutz: "Wir sind alle froh, wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind und damit auch offiziell feststeht, dass es sich hier um eine reine Hetzkampagne handelt. Besonders bedauerlich ist aus meiner Sicht, dass hier gerade ein Unternehmen, dass sich seit vielen Jahren erfolgreich für bezahlbaren sozialen Wohnbau einsetzt, so verunglimpft wird." Wirklich nur eine "Hetzkampagne"? Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft werden es zeigen.

Die Stadt wusste Bescheid

Inzwischen steht auch fest, dass man in der Stadtverwaltung von dem Deal gewusst haben muss. Vergangene Woche berichtete ein Insider chiemgau24.de, dass kurz nach dem Kauf, im Herbst 2014, ein anonymes Schreiben die Stadt erreichte. In anderthalb DINA-A4-Seiten sei dort über die dubiosen Umstände der Immobilienverkäufe aufgeklärt worden. Dass die Stadt Traunstein daraufhin Anzeige gegen den unbekannten Verfasser stellte, bestätigte die Staatsanwaltschaft auf Nachfrage. Der Urheber konnte allerdings nie ermittelt werden.

xe

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