Das Interview vor dem Auftritt in Traunstein

Wolfgang Ambros über Musik, Politik und "Schnapsen"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Traunstein/Waidring - Kurz vor seinem Konzert in Traunstein hatten wir die Gelegenheit das Austro-Pop-Urgestein zu interviewen. Mit "Zwickts mi", "Zentralfriedhof" oder "Schifoan" wurde Wolfgang Ambros in den 1970er-Jahren berühmt.

Herr Ambros, was können sich Besucher vom Traunsteiner Konzert am 7. Oktober erwarten?

Eine unterhaltsame, durch und durch professionell gestaltete Show, die sich aber von der Hitparaden-Klopferei abhebt. Wir spielen nur zu dritt. Das ist in diesem Fall ein Vorteil, weil wir so Lieder bringen können, die der ein oder andere wahrscheinlich gar nicht kennt, die es aber trotzdem Wert sind, gehört zu werden.

Es kommt auch die Show und das, was alle hören wollen, aber davor geht es halt eher ans Zuhören und Mitdenken. Wenn man zu dritt ist geht das ganz einfach, mit der gesamten Band geht das schwerer. Deshalb nur mit der kleinen Besetzung und ich habe mehr Platz um meine Sachen, die ich im Laufe der letzten 45 Jahre geschrieben habe, schön durcheinandergemischt und für alle verständlich darzubieten. 

Es heißt, Sie planen eine neue Veröffentlichung mit ihrem Sohn Matthias?

Ja, da gibt es eine Studioproduktion. Mein Sohn Matthias spielt darauf Schlagzeug. Er ist aber vom Produzenten ausgewählt worden. Das sind zwei Lieder von denen mir Richard Schönherz Demos geschickt hat. Ich kenne ihn schon sehr lange, ein Mann der ersten Stunde, der mit mir schon irrsinnig viel gemacht hat. Er wollte, dass ich die Lieder singe, und als ich sie gehört habe, hab' ich gesagt "Ja, die mach' ich". 

Das eine ist ein sehr persönliches Lied - es hätte auch von mir sein können. Das andere ist Reggae. Es wird eine Single geben, die Ende Oktober herauskommt.

Sie touren so viel, kennen die unterschiedlichsten Städte. Gibt es beim Publikum Unterschiede zwischen Österreich, Bayern und dem Rest Deutschlands?

Ich werde vor allem von den Medien unterschiedlich wahrgenommen. In Deutschland interessiert man sich mehr für mich als Künstler, in Österreich interessiert man sich mehr für mich als Person. Da gibt es gewisse Medien, denen es vollkommen wurscht ist, was ich beruflich mache, sondern die sich nur dafür interessieren, ob ich da oder dort hingehe oder diese oder jene Veranstaltung besuche. Beim Publikum gibt es da aber keine Unterschiede.

Wie kam es, dass Sie nach Waidring gezogen sind, direkt an unsere Grenze?

Vor fast 40 Jahren bin ich das erste Mal hier hergekommen, habe ein paar Leute kennengelernt - unter anderem einen, mit dem ich bis heute dick befreundet bin. Mit ihm habe ich später ein Haus gebaut, wir haben es später als Disco ausgebaut. Wir dachten, Waidring braucht eine Disco. Später habe ich eine Frau kennengelernt und bin weggezogen, sie wurde mit Zwillingen schwanger. Aber nachdem das nicht mehr hingehauen hat, habe ich beschlossen wieder nach Waidring zu ziehen.
Zu dem Zeitpunkt war mir dann klar, dass ich die Disco zusperre, die ist mir da schon auf die Nerven gegangen, weil nur noch ganz junge Leute dort waren und völlig besoffen wieder rausgegangen sind und das konnte ich nicht mehr mit anschauen und hab' die Disco zugesperrt. Das Haus hab ich dann zu einem richtig komfortablen Wohnhaus umbauen lassen. Gemeinsam mit meiner neuen Frau, der Ex-Freundin und den Zwillingen wohnen wir inzwischen alle dort unter einem Dach. Wir sind quasi eine Patchwork-Familie. 

Also eine Rückkehr nach Wien steht nicht mehr zur Debatte?

Nein, sicher nicht. Ich bleib' da bis sie mich mit den Füßen voran hinaustragen. 

Wofür fährt der Grenzgänger Ambros hinüber nach Bayern? 

Also zum einkaufen nicht, die Preisunterschiede sind ja marginal. Aber ich hab viel zu tun in Bayern, in Traunstein wohnt zum Beispiel ein guter Freund von mir. 

Zum "Schifoan": Macht der Ski-Zirkus heute noch Spaß im Vergleich zu 1976, als der Song entstand?

Ich hätte ja ein Skigebiet direkt vor der Haustür. Ich hab auf der Steinplatte oben eine Berghütte zum relaxen. Aber um ehrlich zu sein: Im Winter fahre ich fast nicht mehr hinauf. Auch durch eine Rückgratoperation geht das Skifahren nicht mehr so einfach. Es geht schon noch, aber es macht nicht mehr so viel Spaß, weil ich nimmer so Gas geben kann, wie ich möchte. 

Außerdem ist das ja meistens ein irrsinniger Zugang, egal wo man hinfährt, es sind so viele Leute, dass es keinen Spaß mehr macht - auch wenn ich damit niemandem das Skifahren vermiesen will. Aber natürlich gibt es Zeiten, wo der Schnee so herrlich ist, dann kann es schon sein, dass ich mich wieder bissl versuche. 

"Am Freidog auf d'Nocht montier' i de Ski, auf mei Auto...", heißt es ja in dem Lied. Welche Ski und welches Auto waren das damals? 

(lacht) Oh, das weiß ich nimmer. Es könnte ein Fischer gewesen sein. Also lange bin ich Atomic gefahren, dann Kneissl und jetzt hab ich wieder einen Fischer. Aber seit dem Lied hab ich mir keine Ski mehr kaufen müssen, da hat's immer Firmen gegeben, die mir unbedingt welche anbieten wollten. Da wären alle bei mir gewesen.  

Sie sind heute 64 Jahre alt. Mit kleineren Zwischenpausen beginnt Ihre Tour am Freitag in Kufstein und endet Ende Juni 2017 - inwieweit zehrt so eine Tour an Körper und Psyche?

Es sind Strecken dabei, wo man sich schon sehr konzentrieren muss, aber dafür gibt es ja auch die Erholungsphasen. Aber wenn es nicht mehr richtig ginge, könnte ich es gleich ganz lassen. Das muss man durchhalten. Man kann nicht nur "a bissl da und a bissl des", entweder ich mach es richtig oder gar nicht. Und bei den Unplugged-Konzerten wie in Traunstein sitze ich sowieso. Aber es ist nicht so, dass ich nimmer stehen kann. 

Einer unserer Leser fragte, ob Sie nach Bayern auswandern, falls Hofer Bundespräsident wird. Wie stehen Sie zur Wahl?

Langsam ist mir das wurscht, dieses Theater. Die Wahl zu verschieben, weil die Klebestreifen nicht funktionieren... das ist doch eine verschwindende Minderheit, die davon betroffen wäre. Und wer fährt denn am 4. Dezember irgendwo hin? Außer ich. Ich werde nicht da sein, und ich werde auch keine Wahlkarte beantragen. 

Es ist doch ein Witz, was die glauben, mit uns machen zu können - ob das Grüne oder Blaue sind, das muss doch alles bezahlt werden. Der Wahlkampf geht schließlich weiter. 

Ein anderer User meinte, Sie gehen zum Watten gern zur Stallen-Alm auf der Steinplatte? 

(überrascht) Ja... gelegentlich, ja. Aber meistens spielen wir dort nicht Watten, sondern Schnapsen. Watten kann ich aber auch. Aber im Tal gibt's ja auch genug Wirtshäuser. Ein Wirtshaus-Sterben gibt's bei uns sicher nicht. 

Und ein Leser meinte, Sie wären ein ziemlicher Schwammerl-Experte. Wohin gehen Sie denn in die Schwammerl?

(lacht) Also ein Experte bin ich nicht, aber ich weiß einiges über die Zubereitung. Aber dass ich jetzt jedes Schwammerl kenn', das stimmt auch wieder nicht. Und wenn ich ein Lieblingsgebiet hätte, würd' ich's natürlich nicht sagen.

---

Am 7. Oktober kommt Wolfgang Ambros im Rahmen seiner Tournee "Ambros pur! Vol. IV" ins Kulturhaus Chiemgau nach Traunstein, am 3. Dezember ist er mit dem "Watzmann"-Musical im Rosenheimer "KuKo".

xe

Zurück zur Übersicht: Traunstein

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser