Nach SEK-Einsatz in Rosenheim im Juli 2015

Drogen-Dealer: Ellenlanges Vorstrafenregister

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Der Angeklagte Michael E. am Montag vor dem Landgericht Traunstein. Von der Staatsanwaltschaft wurde er im Vorfeld als "Kopf der Bande" bezeichnet - doch der vorsitzende Richter Zenkel ist nicht der Meinung, dass es sich tatsächlich um eine Bande handelte.

Traunstein - Es war ein aufsehenerregender SEK-Einsatz gegen Rosenheimer Drogen-Gangster im Juli 2015: Nun wird drei von ihnen der Prozess vor dem Traunsteiner Landgericht gemacht.

Update 15.30 Uhr:

Richter Jürgen Zenkel hat entschieden: Eine "Bande" war nicht am Werk, die in Rosenheim mit Drogen gehandelt hat. Auch Waffen wurden in diesem Zusammenhang nicht verwendet. Daher wurden die Verfahren gegen die Angeklagten Michael E. (30), Alexandra G. (28) und Benjamin A. (32) getrennt. Gegen Benjamin A. wird nun separat verhandelt, wegen Drogenbesitzes. 

Das zweite Verfahren, gegen Michael E. und Alexandra G. wurde dagegen am Nachmittag vor dem Traunsteiner Landgericht fortgesetzt. Die junge Frau war in Rauschgiftverkäufe ihres Partners E. mit eingebunden - das hat sie bereits gestanden. An der Beschaffung der Drogen war sie dagegen nicht beteiligt. Sie führte lange Zeit ein geregeltes Leben, arbeitete als Bankkauffrau - kündigte schließlich aber den Job und wurde, wie die anderen Angeklagten, im Juli 2015 in Rosenheim verhaftet. 

Neben ihr auf der Anklagebank: Ihr Lebensgefährte Michael E. Dass er in "nicht geringen Mengen" mit Drogen gedealt hat, gibt er zu.Auch selbst hat er über Jahre täglich zum Kokain gegriffen, öfter auch zu Haschisch. Auch Dopingmittel der Bodybuilding-Szene wurden bei ihm gefunden. "Wie haben Sie sich den Drogenkonsum finanziert?", wollte der vorsitzende Richter wissen. Die Antwort von Michael E. war schlicht: "Keine Angabe." 

Sein Vorstrafenregister ist lang: Vom betrunkenen Fahren ohne Führerschein über Sachbeschädigung und Urkundenfälschung bis hin zur Körperverletzung. Auch beim Dealen mit Kokain wurde er in Rosenheim bereits erwischt, bekam immer wieder Bewährungsstrafen. Nun steht er wegen des selben Delikts erneut vor Gericht - zusätzlich auch wegen der Fälschung von 100-Euro-Scheinen. Kaum vorstellbar, dass Michael E. auch dieses Mal mit einer Bewährungsstrafe davon kommt: Mit drei bis dreieinhalb Jahren Haft hat er zu rechnen. 

Unser Artikel vom Montagmittag:

Polizei, Sondereinsatzkommando, Rauschgifteinsatzkommando - der Schlag gegen die Rosenheimer Drogen-Szene im Juli 2015 war erfolgreich und aufsehenerregend. Sechs Tatverdächtige wurden damals festgenommen, einer von ihnen wollte durch einen Sprung vom Balkon in der Schirmbeckstraße auch noch die Flucht ergreifen. Gefunden wurde Kokain, Marihuana, Falschgeld und Waffen. 

Drei der Angeklagten stehen nun vor dem Traunsteiner Landgericht: Michael E. (30), Alexandra G. (28) und Benjamin A. (32), alle stammen aus dem Landkreis Rosenheim. In der Anklage der Staatsanwaltschaft war noch die Rede von bandenmäßigem und bewaffneten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge - doch gleich zu Prozessbeginn am Montag machte der vorsitzende Richter Jürgen Zenkel klar: Nicht alle der Straftatbestände werden vom Gericht zugelassen

Gericht: Kein bandenmäßiger, bewaffneter Drogenhandel

Es könne weder nachgewiesen werden, dass es sich bei den drei Angeklagten um eine "Bande" handle, noch, dass die gefundenen Waffen im Zusammenhang mit den Drogengeschäften standen. Auch konnte im Vorfeld nicht zweifelsfrei belegt werden, wem welche Waffe gehört. Für "bandenmäßiges Handeltreiben mit Betäubungsmitteln" hätte den Angeklagten mindestens fünf Jahre Haft gedroht - drei Personen sind juristisch notwendig, um von einer "Bande" sprechen zu können.Doch das ist nun vom Tisch, da die Kontakte wohl nur zwischen Michael E. und Alexandra G. eng genug waren. 

111 Gramm Kokain, 60 Gramm Amphetamin und zwei Gramm Marihuana fand die Polizei in einer gemeinsam genutzten Wohnung der Angeklagten Michael E. und Alexandra G. Dazu wurde bei E. auch ein gefälschter 100-Euro-Schein gefunden, hergestellt mit einem Offsetdrucker. Bei Benjamin A. wurden die Fahnder in der Tiefgarage fündig: Über 1,1 Kilogramm Marihuana und 234 Gramm Kokain.

Niedrigere Strafrahmen stehen im Raum

Für die Angeklagten ergeben sich nun neue, mögliche Strafrahme n: Drei bis dreieinhalb Jahre Haft für Michael E., der zusätzlich unter Bewährung stand. Anderthalb bis zwei Jahre Haft, ausgesetzt zur Bewährung, für Alexandra G., die beim Rauschgifthandel wohl "nur" Beihilfe leistete. Zwei bis drei Jahre Haft für Benjamin A., der ebenfalls vorbestraft ist. 

Am Nachmittag wird das Gericht entscheiden, wie weiter vorgegangen wird. Weil juristisch nicht mehr von einer "Bande" gesprochen werden kann, wird der Prozess wohl geteilt, die Angeklagten unabhängig voneinander verurteilt. Geständig sind sie allesamt. Wir werden wieder aus dem Gerichtssaal berichten.

xe

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