Verurteilt wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung

Urteil gegen Issa: Er will Revision einlegen

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Der Richter am Landgericht Traunstein hat das Urteil verkündet.

Traunstein/Wasserburg - Der vorsitzende Richter am Landgericht in Traunstein hat das Urteil verkündet: Flüchtling Issa T. muss für lange Zeit hinter Gitter, will aber Revision einlegen.

UPDATE Freitag 6.15 Uhr

Sieben Jahre und 6 Monate Freiheitsstrafe wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung - so lautete das Urteil, das das Gericht am Donnerstag über Issa T. gefällt hat. Das letzte Wort ist aber offenbar noch nicht gefallen, denn der Angeklagte wolle Revision einlegen. Über die Frage, ob versuchter Mord oder Totschlagversuch, müsse dann wohl der Bundesgerichtshof entscheiden, so der Verteidiger des Angeklagten Walter Holderle gegenüber Radio Charivari.

UPDATE 14.55 Uhr:

Das Urteil wird verkündet: Issa T. ist schuldig des versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung - er habe hinterlistig gehandelt, so der Richter. Issa T. wird die nächsten sieben Jahre und sechs Monate in Haft verbringen.

"Ich kann mich bei der Urteilsbegründung sehr weit auf die Staatsanwaltschaft beziehen", so Richter Fuchs: "Der Angeklagte hat sich wohl Hoffnungen auf eine Beziehung mit Maria P. (Name von der Redaktion geändert) gemacht - er hat sie als seine 'kleine Freundin' bezeichnet und wollte sie wohl in Zugzwang bringen."

Urteil im Issa-Prozess

Der Richter setzt den Messerangriff klar damit in Zusammenhang: "Issa T. hatte das Messer dabei um eine Entscheidung herbeizuführen. Sein Motiv war enttäuschte Liebe."

Die Stiche seien in Tötungsabsicht erfolgt. Er habe die Wehrlosigkeit des Opfers ausgenutzt: "Das war bewusst ausgeführt. Er wusste, dass sie nicht damit rechnet. Unter dem Deckmantel der Umarmung hat er diese Tat begangen."

Außerdem stellt der vorsitzende Richter fest: "Der Angeklagte stand nicht unter Alkoholeinfluss. Das glauben wir ihm nicht." Auch zu Issas Verhalten vor Gericht will Erich Fuchs noch etwas loswerden: "So unbedarft, wie sich der Angeklagt hier präsentiert hat, ist er nicht: Auf den Handyauswertungen haben wir gesehen, dass er nicht nur etwas Deutsch, sondern auch Spanisch und Englisch kann."

Vermindert Schuldfähig war Issa T. am Tattag nicht, so sieht es das Gericht. Auch seine epileptischen Anfälle und die "schwarzen Schatten", die der Angeklagte gesehen haben mag, lässt das Gericht nicht gelten. Er hat die Tat zwar nicht gestanden, aber er hat sich selbst gestellt - das wiegt positiv für Issa T: "Daher sind wir im Strafrahmen etwas unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft geblieben." Ein Mitverschulden will der vorsitzende Richter Fuchs dem Opfer Maria P. nicht geben - "sie hat es nur gut gemeint."

Das Verfahren gegen Issa T. ist damit nun abgeschlossen. Die Messerattacke wird Maria P. wohl ihr Leben lang begleiten. Issa T. wandert hinter Gitter - für sieben Jahre und sechs Monate.

UPDATE 13 Uhr:

Nun tritt eine Psychologin vor Gericht - sie hat den Angeklagten im Vorfeld befragt: Issa sei Epileptiker "und er sagte mir, er hat nie Drogen genommen, getrunken oder geraucht". Zur Beziehung zum Opfer sagte ihr Issa, dass er sie "sehr gerne habe, und das Maria (Name von der Redaktion geändert) auch gesagt habe." Am Tattag habe er nur Schatten auf sich zukommen sehen - um sich zu verteidigen habe er zugestochen. "Diese Schatten kenne er seit seiner Kindheit. Sie verfolgen ihn." Einen der epileptischen Anfälle habe sie selbst bei Issa miterlebt, bestätigt die Psychologin. Aber: "Die Epilepsie kann nicht der Auslöser für die Tat gewesen sein." All die Taten im August 2014 hätten sonst nicht so zielgerichtet ausgeführt werden können.

Die Plädoyers werden verkündet: Die Staatsanwältin glaubt dem Opfer und sieht Eifersucht als Auslöser für die Tat. Aber ein wirklich nachvollziehbares Motiv kann auch sie nicht erkennen: "Das bleibt völlig schleierhaft." Nur durch Glück habe Issa das Opfer nicht lebensgefährlich verletzt. Bei Issas Erzählungen vom Alkoholkonsum handle es sich um Schutzbehauptungen - auch seine möglichen Vorerkrankungen seien kein Grund für verminderte Schuldfähigkeit. Bei der Tat handle es sich schlicht um einen versuchten Mord mit massiver Gefährlichkeit: "Seine Worte 'I will kill you' zeigen doch seine Tötungsabsicht. Und das versteckte Messer hinter seinem Rücken zeigt die Heimtücke", so die Staatsanwältin. Neun Jahre Haft fordert sie für Issa, die Nebenklage schließt sich an.

Der Anwalt von Issa sieht den Tathergang "bedauerlicherweise" genauso wie die Staatsanwältin - Heimtücke kann er aber keine erkennen: Von "emotionaler Explosion" spricht der Anwalt. Und sogar er sieht den angeblichen Alkoholkonsum Issas nur als Schutzbehauptung. Issas Anwalt geht demnach von versuchtem Totschlag in Tateinheit mit Körperverletzung und Bedrohung aus - sechs Jahre Freiheitsstrafe wären in seinen Augen angemessen.

Bei den letzten Worten von Issa T. schwingt Eifersucht mit: Er hat sich Hoffnungen auf eine Beziehung zu seinem Opfer Maria P. gemacht. Issa betont erneut, dass er nach seinem Alkoholkonsum am Tattag nicht wusste, was passiert ist. Später habe er erfahren, dass Maria P. etwas zugestoßen sein: "Man hat gesagt, ich hätte sie umgebracht. Dann bin ich wieder zurück nach Wasserburg. Wenn das gestimmt hätte, hätte ich mich auch umgebracht." Nun bricht es aus ihm heraus: "Sie soll mir verzeihen. Alles was ich will, ist, dass sie mir verzeiht." Maria P. hört Issas Worte nicht. Als der Angeklagte diese Worte spricht, hat sie den Gerichtssaal unter Tränen längst verlassen. Nun warten alle Beteiligten nur noch auf die Urteilsverkündung.

UPDATE 11.15 Uhr:

"Damit wissen wir jetzt, dass das Verfahren nicht an die Jugendkammer gegeben wird", fährt der vorsitzende Richter Fuchs fort. Issa T. gilt für ihn nun endgültig als Erwachsener. Jetzt kommt die Zeugin vor Gericht, die sich als erste um Opfer Maria P. (Name von der Redaktion geändert) kümmerte - eine gute Freundin von ihr: "Komm' schnell zum Parkplatz", rief Maria P. ihr ins Telefon. Als die Zeugin fünf Minuten später bei Maria P. ankommt, sitzt das Opfer in ihrem Auto - die Zeugin sieht die Spuren der Attacke: Blut überall im Bauchbereich. "Issa hat mir ein Messer in den Bauch gehauen", so Maria P. Erklären konnte sie sich die Attacke aber nicht. Dann langes Warten: Nach dem Notruf dauerte es 20 bis 30 Minuten, bis Rettungsdienst und Polizei eintrafen.

Nun wird Issas Krankengeschichte genauer beleuchtet: Als Asylbewerber suchte er in Wasserburg Ärzte auf - posttraumatische Depressionen und Schlafstörungen wurden ihm attestiert. Außerdem klagte Issa über Schmerzen an Rücken und Brust: Damals in Mali seien ihm Mangos auf den Körper gefallen, auch von einem Baumstamm sei er einmal getroffen worden.

Richter Fuchs macht ein skeptisches Gesicht. Wie so vieles in diesem Prozess ist ihm wohl auch dieser Aspekt ein Rätsel: Das Alter des Angeklagten, sein Alkoholkonsum, sein Weg nach Europa - bei all diesen Punkten durfte sich der Richter schon widersprüchliche Aussagen anhören.

UPDATE 9.45 Uhr: Rechtsmediziner sagt aus

Wie alt ist Issa T.? Die Frage war bereits beim ersten Verhandlungstag nicht ganz klar. Bei seiner Ankunft in Europa behauptete er, er sei Jahrgang 1984. Als er seinen Asylantrag in Deutschland stellte, gab er als Geburtsdatum den 1. Januar 1993 an.

Doch das Gericht wollte es genauer wissen und schickte den Angeklagten zu einer rechtsmedizinischen Untersuchung: Zähne und Knochen wurden dort unter die Lupe genommen. Issas Weisheitszähne fehlen zwar, aber wegen anderen Zahnverschiebungen schätzt ihn der Gutachter älter als seine selbst angegebenen 22 Jahre. Auch das Wachstum der Schlüsselbeine spricht dafür: "Ich denke, dass der Angeklagte zwischen 25 und 30 Jahre alt ist", so der Gutachter.

Vorbericht:

Er hat die Tat bisher nicht geleugnet - aber auch ein Geständnis war von Issa T. noch nicht zu hören. Fünf Zentimeter tief soll der Asylbewerber aus Mali einer Asylpatin in Wasserburg ein Messer in den Bauch gerammt haben. Als sie flüchtete, sollen wilde Drohungen gefallen sein: "I will kill you!"  Die Tat im August 2014 hat das Leben des damals 21-jährigen Opfers Maria P. (Name von der Redaktion geändert)verändert: Therapie, ein neuer Job, eine langjährige Beziehung, die in die Brüche ging. Am ersten Verhandlungstag sagte der Angeklagte noch aus, er habe an jenem Tag viel Alkohol getrunken, könne sich an nichts erinnern. Doch Issa verstrickte sich teils in Widersprüche: "Er hat nie Alkohol getrunken", meinte nicht nur Maria P., die sich in den Sommermonaten um den Asylbewerber kümmerte, ihm bei Behördengängen zur Seite stand und versuchte, ihm Deutsch beizubringen. Möglich ist auch, dass bei Issa T. enttäuschte Hoffnungen auf eine Beziehung mit der Asylpatin im Spiel waren.

Messerangriff: Prozess gegen den Asylbewerber Issa

Am heutigen zweiten Verhandlungstag hat sich das Gericht viel vorgenommen: Eine Ärztin wird über mögliche Vorerkrankungen von Issa T. aussagen, die ins Urteil einfließen könnten. Erwartet werden außerdem nicht nur die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung sondern auch das Urteil des vorsitzenden Richters Erich Fuchs.

Ab 9 Uhr wird der Prozess vor dem Traunsteiner Landgericht fortgesetzt.

+++ Wir berichten aktuell von den Ereignissen im Gerichtssaal +++

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