Walch zur geplatzten Fusion der Tourismusverbände

"Rosenheim hat alles einseitig weggeschmissen"

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Landrat Siegfried Walch und die Leiterin des Bereichs "Regionale Entwicklung" am Landratsamt, Alexandra Wolf, am Montag in Traunstein.

Traunstein - Ein Tourismusverband für die Landkreise um den Chiemsee - doch die Idee wurde nun von Rosenheimer Seite aufgekündigt. Landrat Walch zeigt sich schwer enttäuscht: "Noch nie waren wir so weit."

Eigentlich war alles schon in trockenen Tüchern: "Die Gremien hätten nur noch die Hand heben müssen - und dann lässt man alles wegen einer Person scheitern." Landrat Siegfried Walch war am Montag sichtlich angefressen, als er zur geplatzten Fusion der Tourismusverbände von Rosenheim und Traunstein Stellung bezog. Die Emotionen sind noch frisch, erst am Freitag erfuhr er davon.

Die Person, von der er spricht, ist Stephan Semmelmayr. Seit Jahren leitet er den Chiemgauer Tourismusverband. Als vor rund zwei Jahren die ersten Schritte zur Fusion gemacht wurden, kam man in Rosenheim und Traunstein schnell überein, dass Semmelmayr auch Geschäftsführer des gemeinsamen Tourismusverbandes werden sollte: "Aber gegen ihn wurden Stille-Post-Spielchen gespielt. Es wurden ihm persönliche Schwächen vorgeworfen, es hieß, er sei arrogant", so Walch.

Geschäftsführer, Sitz, Budget, Zeitplan und Name waren schon gefunden - eigentlich

Stephan Semmelmayr, Geschäftsführer vom Tourismusverband Chiemgau in Traunstein.

In Sachen Fusion der Tourismusverbände ging es nach der Landratswahl ziemlich schnell: Im Gegensatz zu ihren Vorgängern legten Walch und sein Rosenheimer Amtskollege Wolfgang Berthaler ein gutes Tempo vor. Man einigte sich neben einem künftigen Geschäftsführer auch auf den Sitz des Tourismusverbandes (im Hatzhof bei Felden), das Budget (jeweils 1,25 Millionen Euro), einen Zeitplan (Start am 1. Januar 2018) und einen Namen (Chiemsee-Chiemgau-Alpenland). Erst am 20. Januar wurden die letzten Beschlüsse einstimmig gefasst.

Trotzdem gab es immer wieder Schwierigkeiten zwischen den Verhandlungspartnern: Bereits im August 2015 habe die Rosenheimer Seite das erste Mal einseitig die Gespräche aufgekündigt. "Dann haben wir die Hand ausgestreckt um das Ganze nicht scheitern zu lassen", so Walch: Stephan Semmelmayr sollte nur einen Zwei-Jahres-Vertrag als künftiger Geschäftsführer bekommen und nicht, wie ursprünglich vereinbart, einen Vertrag auf fünf Jahre. Auch dabei einigte man sich einstimmig.

Als Gründe wieder die "alten Argumente" gegen Semmelmayr

Am vergangenen Freitag dann plötzlich ein Anruf im Vorzimmer von Siegfried Walch: "Mir wurde nur ausgerichtet, dass die Fusion geplatzt sei und ich doch zurückrufen soll", so Traunsteins Landrat. Als Gründe wurden ihm wieder die "alten Argumente" vorgelegt, die sich um die Person Semmelmayr drehen. "Wir waren beim Tourismus noch nie so weit und jetzt ist es das zweite Mal, dass Rosenheim einseitig die Gespräche aufkündigt. Dieses Vorgehen tut weh", so Walch. Woher Walch das Störfeuer genau vermutet, will er nicht sagen - am Rosenheimer Landrat Berthaler habe es aber gewiss nicht gelegen.

"Wir hätten europaweit schlagkräftiger auftreten können. Dem Gast ist es nicht zu vermitteln, warum es links und rechts vom Chiemsee zwei verschiedene Verbände gibt", meint Walch. Auch von kleineren Regionen wie dem Inntal oder dem Rupertiwinkel hätte es keine Gegnerschaft zur Fusion gegeben. Darüber hinaus wäre es auch touristisch interessant gewesen, die Stadt Rosenheim mit in den Verband einzubinden. Doch aus dem gemeinsamen Tourismusprojekt von Feldkirchen-Westerham bis nach Tittmoning wird wohl erstmal nichts: "Der Ball liegt jetzt auf Rosenheimer Seite", so Walch.

xe

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