Wegen Kinderpornos:

Kinderpornos: 17-jähriger "Mr. Backup" verurteilt

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Traunstein - Der 17-Jährige "Mr. Backup" aus dem Landkreis Rosenheim wurde jetzt für den Besitz von Kinderpornos verurteilt. Die Missbrauchsfälle hingegen wurden fallengelassen:

In der zweiten Verhandlung räumte der 17-jährige Angeschuldigte weitgehend alle Vorwürfe gegen sich ein: So habe er - im Alter von 14 Jahren - einen damals 13-Jährigen mehrfach zum Oralverkehr genötigt und knapp 300 kinderpornografische Bilder besessen. Allerdings bestritt er - wie auch schon im ersten Verfahren - bis zuletzt den Umfang seiner Pornosammlung: "Das meiste war nur ein Backup", so der Angeschuldigte immer wieder zum vorsitzenden Richter, bis dieser irgendwann meinte: "Wenn sie in die Geschichte des Landgerichts Traunstein eingehen, dann als 'Mr. Backup'".

Angeklagt war der 17-Jährige allerdings auch noch wegen eines anderen Missbrauchsfalls: Einem damals Neunjährigen soll er im August 2014 Geld dafür geboten haben, seinen Intimbereich anfassen und Fotos von ihm machen zu dürfen. Im ersten Prozess gab der Neunjährige allerdings an, der Angeschuldigte habe nur ein Bild von seinem Intimbereich geschossen. Erst nach mehrmaligem Nachhaken des vorsitzenden Richters korrigierte der Junge dann: "Er hat mich ein bisschen angefasst. Das war unangenehm."

Verteidiger Johannes Helber beantragte daher, ein Glaubwürdigkeits-Gutachten für die Aussage des neunjährigen Jungens einzuholen. Das Gericht folgte dem Antrag, woraufhin das erste Verfahren abgebrochen wurde. "Das geforderte Gutachten hat sich als berechtigt herausgestellt", so Richter Dr. Weidmann. "Es kam heraus, dass die Angaben des Geschädigten aus verschiedenen Gründen nicht ganz glaubwürdig waren." Daher wurde die Anklage in diesem Falle auch fallengelassen.

Das Urteil:

Von den insgesamt zwölf Anklagepunkten konnten am Ende nur noch vier aufrechterhalten werden, wegen derer der 17-Jährige zu einer Jugendstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt wurde. Die übrigen Fälle von sexuellem Missbrauch eines damals 13-Jährigen, sowie dem Verschaffen und Besitz von Kinderpornografischen Bildern, wurden fallengelassen, weil "der Angeklagte zu dem Zeitpunkt gerade einmal 14 Jahre alt war und erst kurz zuvor aus einem Jugendheim gekommen war". Daher sei seine Entwicklungsreife, nach Ansicht des Gerichts, stark beeinträchtigt gewesen. "Zu diesem Zeitpunkt war er nicht in der Lage, das Unrecht seiner Handlungen zu erkennen", so der vorsitzende Richter Dr. Weidmann.

Alles änderte sich allerdings ab dem Zeitpunkt, als die Polizei im März 2013 zum ersten Mal seinen Computer beschlagnahmte: "Das hat unfreiwillig bei ihm für eine Weiterentwicklung gesorgt. Ab diesem Zeitpunkt muss er eingesehen haben, dass sein Handeln falsch war." Allerdings blieben so lediglich noch drei Fälle des Besitzes von kinderpornografischen Bildern und ein Fall des Verschaffens solcher Fotos übrig. "Eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik konnten wir nicht anordnen, weil eine Gefährlichkeitsprognose nicht mit hinreichender Sicherheit festgestellt werden konnte." Heißt: Es kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass er sich wieder Kindern unter 14 Jahren nähert, aber sicher ist es nicht.

Doch ganz ohne Auflagen kam der 17-Jährige dann doch nicht davon: Er muss nun 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, hat drei Jahre Bewährungszeit - von denen er zwei Jahre unter der Beobachtung eines Bewährungshelfers steht - und darf alleine keinen Kontakt zu Personen unter 14 Jahren aufnehmen. "Wir hoffen jetzt, dass dieses Experiment gut geht", so Dr. Weidmann zum Ende.

Rubriklistenbild: © dpa

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