Urteil gegen das Mühldorfer Diebesduo am Mittwoch!

Juwelenraub: Hohe Strafe trotz Kronzeugen-Regelung?

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Mutmaßliche Mühldorfer Juwelendiebe vor dem Landgericht in Traunstein

Traunstein/Mühldorf - Bereits am dritten Verhandlungstag hielten die Prozessbeteiligten Plädoyers. Welches Strafmaß Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung für das Diebesduo forderten:

An den ersten beiden Verhandlungstagen vor der Jugendkammer am Traunsteiner Amtsgericht war die Präsenz der Polizei groß. Viel stand für die Staatsanwaltschaft auf dem Spiel, machten doch die beiden Angeklagten aus Litauen als erste Mitglieder der europaweit agierenden Diebesbande detaillierte Angaben zu den Hintergründen der Organisation.  

Bereits am ersten Verhandlungstag ließ Staatsanwalt Dr. Martin Freudling daher auch durchklingen, dass im Fall der beiden 21 und 35-jährigen Angeklagten von der sogenannten "Kronzeugen-Regelung" Gebrauch gemacht werden könne. Der vorsitzende Richter, Dr. Klaus Weidmann, hatte dazu angemerkt, dass bereits Gespräche zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung stattgefunden hätten.

Neben dem Juwelier in Mühldorf haben die beiden Männer, zusammen mit einem Komplizen, auch einen Schmuckhändler in Bad Oeynhausen um Beute im Wert von insgesamt rund 600.000 Euro erleichtert.

Die Plädoyers der Prozessbeteiligten am Dienstag

Besonders eine Angestellte des Mühldorfer Juweliers, den die beiden Angestellten 2015 ausgeraubt hatten, litt auch am dritten Verhandlungstag noch sichtlich unter den Folgen der Tat. Nach dem Raubüberfall musste sich die Verkäuferin mehrmals in psychologische Behandlung begeben. Eine persönliche Entschuldigung der beiden Angeklagten lehnte die Frau unter Tränen ab.

"Ich war mit meiner Frau beim Einkaufen, wir haben vor dem Juwelier geparkt", berichtete ein 51-Jähriger, der während des Vorfalls in Mühldorf zufällig anwesend war. "Ich bin auf den zugegangen, der am Eingang stand und hab gesagt: Schleich Dich!" so der Zeuge weiter.

Kurze Zeit später seien zwei weitere vermummte Personen aus dem Geschäft herausgelaufen, um eine Häuserecke herum. Der Zeuge hinterher. Als er auf der Verfolgung ebenfalls die Ecke passiert hatte, habe sich der ältere der beiden Angeklagten umgedreht und auf ihn geschossen.

Körperliche Verletzungen hatte der Zeuge durch den Vorgang nicht erlitten, bei der Waffe handelte es sich um eine Schreckschusspistole. Trotzdem habe die Szene einen bleibenden Eindruck hinterlassen, so der Zeuge. Im Moment der gezielten Schussabgabe sei ja nicht bekannt gewesen, ob es sich nicht auch um eine scharfe Waffe handeln könnte. Nachdem am Dienstag auch der Mühldorfer Juwelier teilweise unter starken Emotionen Angaben zur Sache gemacht hatte und die umfangreichen Vorstrafen der Angeklagten verlesen wurden, richteten sich die Prozessbeteiligten mit ihren Plädoyers an die Jugendkammer.

Staatsanwalt Dr. Freudling summierte dabei, dass die Täter eigens für die Taten nach Deutschland eingereist seien. Unter den Folgen der verschiedenen Taten litten die Beteiligten, Zeugen und die Eigentümer der Schmuckgeschäfte noch heute. Trotzdem sicherte die Staatsanwaltschaft den beiden Angeklagten "deutliche Strafmilderung" zu, die auf die sogenannte "Kronzeugenregelung" zurückzuführen sei.

Sieben Jahre Haft für den älteren Angeklagten, sechseinhalb Jahre Jugendstrafe für den 21-Jährigen aus Litauen, so die Forderung seitens des Anklägers. Ein Strafmaß, dass die Nebenklage für zu gering erachtete, im Angesicht der Brutalität der Angriffe forderte der Vertreter der Geschädigten mindestens, auch den jüngeren der beiden Angeklagten nach Erwachsenen-Strafrecht zu verurteilen.

Fünf Jahre Haft beziehungsweise vier Jahre Jugendstrafe für die beiden Angeklagten forderten hingegen die beiden Verteidiger der Männer aus Litauen. Die geständigen Täter seien schließlich massiv bedroht worden und bei der Aussage vor Gericht ein massives Risiko eingegangen.

Bilder: Im Gerichtssaal beim Juwelenraub-Prozess

Hintergründe und Umfang der Diebesbande liegen noch im Dunkeln

Am zweiten Prozesstag hatte der ermittelnde Kripo-Beamte der Polizei in Mühldorf Angaben zur Diebesbande gemacht. In Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt hätten sich nach den Aussagen der Angeklagten weitere Spuren ergeben. So gehen die Ermittler derzeit davon aus, dass hinter den Überfällen auf Juweliere in Mühldorf, Bad Oeynhausen, Kiel, München, Düsseldorf, Detmold, Bad Homburg, Saarbrücken und Friedrichshafen, aber auch in anderen Länder wie der Schweiz, Italien, Norwegen, Dänemark, Finnland und Österreich eine über hundert-köpfige Bande stecke.

Urteil gegen das Diebesduo am Mittwoch

Nach den Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und den beiden Verteidigern der Angeklagten, zog sich die Kammer um Richter Dr. Klaus Weidmann zur Beratung zurück. Die Verhandlung wurde unterbrochen und soll am Mittwoch fortgesetzt werden. Ab 9 Uhr kann dann mit einem Urteil gegen die beiden Angeklagten aus Litauen gerechnet werden.

Bilder und Video aus dem Archiv

Bewaffneter Raubüberfall auf Juwelier

Fluchtauto nach Raubüberfall sichergestellt

Der Tatort: Überfall auf Juweliergeschäft in Mühldorf

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