Aus dem Gerichtssaal:

Psychisch kranker "Ninja" flippt völlig aus

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Verteidiger Harald Baumgärtl (Links) im Gespräch mit dem Beschuldigten.

Traunstein - Gegen Heiligenfiguren gepinkelt, Autos zerkratzt und einen Polizisten geschlagen - das sind nur einige der Taten, die ein psychisch kranker "Ninja" im Landkreis Altötting begangen hat.

Der 51-jährige Metzger aus dem Landkreis Altötting ist im Dezember vergangenen Jahres völlig durchgedreht. Das Protokoll seiner Taten:

-gegen 9.45 Uhr zerkratzt er zuerst die Beifahrertür und dann die Motorhaube eines Audi A4 auf dem Parkplatz einer Bäckerei in Unterneukirchen (Schaden zirka 2000 Euro)

-anschließend zerkratzt er die Motorhaube eines Mercedes auf dem gleichen Parkplatz (Schaden rund 1000 Euro)

-danach begibt er sich in die Bäckerei, bestellt drei Zigarettenschachteln und einen Kakao. Als Zeugen in den Laden kommen und ihn bezichtigen, die Autos auf dem Parkplatz zerkratzt zu haben, steckt er die Zigaretten ein und flüchtet aus der Bäckerei (Schaden 16,50 Euro)

-gegen 9.50 Uhr fährt er auf den Parkplatz des Altöttinger Krankenhauses und rammt dort einen Begrenzungs-Pfosten (Schaden rund 600 Euro)

-gegen 15.45 Uhr kommt er nach Alzgern, wo er in eine Kapelle geht und gegen die Wände und die Heiligenfiguren uriniert (Schaden rund 150 Euro)

-als er von den Eigentümern angesprochen wird, dies zu unterlassen, schlägt er mit einem Ziegelstein auf ihr Auto ein (Schaden zirka 1000 Euro)

-danach beschimpft er den Geschädigten noch als "scheiß Grünen" - weil dieser seine Jägeruniform trägt - und wirft einen Ziegelstein nach ihm, wobei er den Mann aber verfehlte

-dann steigt er wieder in sein Auto ein und rammt mit Vollgas das Garagentor eines Nachbarn

-er fährt weiter in Richtung Autobahn, dort in entgegengesetzter Richtung auf die Autobahnausfahrt "Neuötting Ost" auf und stellt dann seinen Peugeot ab. Eine Polizeistreife kommt hinzu: Ein Beamte hindert ihn daran, als "Geisterfahrer" auf die Autobahn aufzufahren. Er greift den Beamten an und schlägt ihm zweimal mit der Faust ins Gesicht. Die Polizisten können ihn anschließend festnehmen.

Die Verhandlung

Der Beschuldigte räumte am Montag weitgehend die Vorwürfe ein, soweit er sich noch daran erinnern konnte. "Ich hatte an diesem Vormittag drei bis vier Gläser Whiskey-Cola getrunken und einen Joint geraucht", so der 51-Jährige vor Gericht. Als Grund für seinen Ausbruch gab er an: "Ich hatte einen schlechten Tag und streit mit meiner Freundin." Auch die Aussagen der insgesamt acht Zeugen deckten sich weitestgehend mit der Anklageschrift. So meinte der geschädigte Jäger, dass der Beschuldigte zu ihm gesagt habe: "Ein Jäger, geh her, dich bringe ich um." Danach sei er ihm hinterhergelaufen. Die Frau des Jägers ergänzte noch, dass er gesagt habe: "Ich bin ein Ninja, dich krieg ich schon." Als das aber nicht der Fall war, habe er einen Ziegelstein nach ihrem Mann geworfen, ihn aber verfehlt.

"Ich bin ein Ninja"

Der Polizeibeamte, der den Beschuldigten an der Autobahnausfahrt angetroffen hatte, beschrieb den 51-Jährigen ebenfalls als "verwirrt". Als er ihn darauf angesprochen habe, was los sei, habe der Beschuldigte zu ihm gesagt: "Die fahren alle falsch, die kommen mir alle entgegen." Danach habe der Mann wieder versucht, in sein Auto einzusteigen, woraufhin der Beamte die Tür zugehalten habe. "Er hat geschrien: 'Ich bin ein Ninja' und ist in Kampfposition gegangen. Ich habe ihn dann versucht, zu Boden zu ringen, wobei er mir zwei Faustschläge ins Gesicht verpasst hat." Mit Hilfe des zweiten Beamten gelang es ihm aber anschließend, den 51-Jährigen festzunehmen.

Das psychiatrische Gutachten

Bei dem psychiatrischen Gutachten von Facharzt Dr. Rainer Gerth wurde deutlich, dass der Beschuldigte unter einer schizomanischen Störung, im Rahmen einer schizoaffektiven Psychose, leidet. Anzeichen für diese manische Störung seien ein gesteigerter Gedankengang, mit vielen flüchtigen Ideen, die er in schneller Abfolge fasst und sofort wieder vergisst. Zudem gehobene Stimmung, die sich blitzschnell ins Gegenteil umkehren kann und eine Antriebssteigerung.

Zum Tatzeitpunkt sei seine Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit aufgehoben gewesen. Die Empfehlung des Facharztes: Die Unterbringung des Beschuldigten in einer psychiatrischen Klinik. "Wenn er seine Medikamente wieder absetzt, muss man davon ausgehen, dass sich solche Taten wiederholen könnten." Er gehe von einer Therapiezeit von ein bis zwei Jahren aus. "Es bedarf einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit seinen Problemen. Außerdem muss die Medikation - die bei ihm keine Nebenwirkungen zeigt - weitergeführt werden."

Das Urteil

Sowohl Verteidiger Harald Baumgärtl, als auch Staatsanwältin Ulrike Stehberger, sprachen sich für eine Unterbringung in eine psychiatrische Klinik aus. Dem folgte auch das Gericht. "Bei seinen Taten handelt es sich zwar nicht um Schwerkriminalität aber auch nicht um Bagatell-Delikte. Es muss von einer Gefährdung für die Allgemeinheit ausgegangen werden: Weitere rechtswidrige Taten sind - mit hoher Wahrscheinlichkeit - zu erwarten, sollte er seine Medikamente absetzen", erklärte der vorsitzende Richter Erich Fuchs in seiner Urteilsbegründung. Eine Krankheitseinsicht sei bei dem 51-Jährigen noch nicht vollständig vorhanden. "Dies kann aber - in einem überschaubaren Zeitraum - behandelt werden." Da beide Seiten anschließend auf Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil bereits rechtskräftig.

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