Angeklagter: "Opfer wollte Kind entführen"

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Der Beschuldigte.

Traunstein - Die Anklage wackelt! Ein 26-jähriger Niedersachse ist des Mordes an einem Traunreuter Rentner angeklagt. Und dieser soll laut Aussage des Angeklagten pädophil gewesen sein.

UPDATE, 17.10 Uhr:

Nachdem der Verteidiger nicht entbunden wurde, hat sich Kampf jetzt auf "Schadensbegrenzung" verlegt. Sein Mandant lässt sich derweil in seinem Redeschwall kaum noch stoppen. Hat er bislang noch zu allem geschwiegen, so sprudelt nun alles aus ihm heraus.

Und in erster Linie ging es ihm darum, das Andenken des Opfers mit Dreck zu bewerfen. So meinte er beispielsweise, der 61-Jährige habe einmal versucht, ein Kind zu entführen. "Als die Mutter dann kam, meinte er nur, er habe das Kind mit seiner Enkelin verwechselt."

Ungezügelt setzte er noch hinzu: "Wenn er einen unbewachten Kinderwagen gesehen hätte, dann hätte er sich das Kind gepackt und in seinen Rucksack gesteckt. So ein Typ war er."

Völlig in Rage ging es weiter: "Wenn ich ein Kind hätte und er würde dem was antun oder jemandem aus meiner Familie, dann hätte ich ihn platt gemacht." Sein Pflichtverteidiger versuchte anschließend noch, mit einem Antrag den Redeschwall des beschuldigten einzudämmen. Doch das Gericht wies den Antrag zurück, weil der 26-Jährige - trotz der Medikation gegen seine ADHS-Erkrankung - nicht in seinem freien Willen beeinträchtigt wäre. Dies bestätigte auch Psychiater Rainer Gerth.

Der Prozess ist für heute beendet.

UPDATE, 15.50 Uhr:

Das Gericht hat den Antrag von Axel Kampf, als Pflichtverteidiger entbunden zu werden, zurückgewiesen.

Das Vertauensverhältnis zwischen dem Beschuldigten und dem Anwalt sei nicht in einem Maße gestört, dass es eine Entbindung von der Pflichtverteidigung rechtfertigen würde.

UPDATE, 15.15 Uhr:

Axel Kampf hat nun beantragt, von seiner Position als Pflichtverteidiger entbunden zu werden. "Das Vertauensverhältnis ist augenscheinlich gestört."

Er habe eine Verteidigungsstrategie mit seinem Mandanten abgesprochen, die der 26-jährige durch seine Einwürfe bei Gericht immer wieder durchkreuze. Das Gericht wird nun über den Antrag beraten.

UPDATE, 15.10 Uhr:

Gutachter Rainer Gerth, Facharzt für Psychiatrie, machte am Nachmittag Angaben zu seinen Gesprächen mit dem Beschuldigten - ohne seinem psychiatrischen Gutachten vorwegzugreifen.

Demnach habe ihm der 26-Jährige erzählt, er habe den Rentner - nach seiner Haftentlassung im Frühling 2014 - in Traunreut zufällig wieder getroffen. Der 61-Jährige habe ihn dabei zu sich eingeladen, damit er dort duschen könne. Anschließend seien beide zum Supermarkt gegangen, um Bier zu holen. Das hätten sie dann vor der Traunpassage getrunken. Danach sei der 26-Jährige mit dem Taxi nach Traunstein gefahren. "Er hat betont, dass er mit der Straftat nichts zu tun hat", so Gerth.

Über den Rentner habe der Beschuldigte abwertend gesprochen, seine Bleibe als "Pennerwohnung" bezeichnet. Zudem habe er behauptet, dass Opfer habe Kinderpornos besessen. Auch habe der 61-jährige pädophile Züge gehabt. Der vorsitzende Richter Erich Fuchs wollte anschließend von dem Psychiater wissen, ob dass eine Wahnvorstellung des Beschuldigten sein könnte. Gerth: "das kann nicht ausgeschlossen werden."

In diesem Moment platzte es wieder aus dem 26-Jährigen heraus: "es war eine gebrannte CD, die habe ich bei dem Rentner zu hause gefunden. Darauf zu sehen war er mit kleinen kindern und erigiertem Glied." Sein Verteidiger Kampf ließ daraufhin die Verhandlung unterbrechen, um seinen Mandanten wieder zur Räson zu bringen.

UPDATE, 14.50 Uhr:

Verteidiger Axel Kampf hatte am Vormittag beantragt, mehrere Gegenstände in der Wohnung noch auf DNA-Spuren untersuchen zu lassen, falls noch nicht geschehen.

Dabei handelt es sich unter anderem um zwei leere Dosen, einen Aschenbecher und zwei Feuerzeuge, die auf dem Couchtisch des Opfers gelegen haben. Einer der ermittelnden Beamten erklärte mittlerweile schriftlich, dass die Gegenstände nicht gesichert und auch nicht auf Spuren untersucht worden sind.

Der Verteidiger wollte deshalb auch den Beweisantrag aufrecht erhalten, um die Gegenstände noch prüfen zu lassen. Das Gericht nahm dies zur Kenntnis. Nun muss erst mal geprüft werden, wo sich die genannten Gegenstände befinden und ob sie noch untersucht werden können.

UPDATE, 11.45 Uhr:

Eine weitere Bekannte gab bei Gericht an, dass sie das Opfer rund zwei Wochen vor dem Mord getroffen habe. "Er hat mir erzählt, er werde massiv bedroht von irgendjemanden." Einen Namen habe der Rentner nicht erwähnt. "Er wollte mich nicht mit reinziehen. Aber ich hatte schon den Eindruck, als wenn ihn jemand töten wollte. Und zwei Wochen später ist es ja dann auch passiert." Sie habe ihm auch vorgeschlagen, zur Polizei zu gehen, wenn er bedroht würde: "Doch das wollte er nicht. Mit der Polizei hatte er es nicht so."

UPDATE, 11.30 Uhr:

Ein weiterer Nachbar des Opfers machte am Vormittag seine Aussage. Er habe früher mit dem Rentner etwas zu tun gehabt. Bei der Polizei hatte er angegeben, er sei der Leibwächter des 61-Jährigen gewesen, während dessen vermeintlicher Dealerzeit. "Das stimmt nicht. Vielleicht war ich bei der Aussage besoffen", meinte der Zeuge heute.

Darauf angesprochen, warum er sich nach dem Mord bei der Polizei über den Fall erkundigt habe, meinte er: "Da wurde jemand im gleichen Haus umgebracht. Ich habe mir deshalb Sorgen gemacht. Vielleicht bin ich ja der nächste." Dem wollte der vorsitzende Richter Erich Fuchs aber nicht so recht Glauben schenken: "Sie wurden in dem Haus schon mal mit einem Messer angegriffen, waren hier vor Gericht auch schon als Geschädigter und jetzt machen sie sich Sorgen und haben Angst, weil jemand ermordet wurde. Das Aussageverhalten ist seltsam." Die Verteidigung fragte ihn daraufhin, wo er sich zum Todeszeitpunkt des Rentners aufgehalten habe. Der Zeuge reagierte darauf abweisend: "Warum wollen sie das wissen? Ich weiß nicht mehr, wo ich da war. Zu Hause, wahrscheinlich."

UPDATE, 10.40 Uhr:

Am Vormittag wurden mehrere Zeugen vernommen - darunter einige bekannte des Opfers. Übereinstimmend sagten sie aus, dass der 61-Jährige desöfteren mit jungen Frauen gesprochen hätte. Anzüglich sei er dabei aber nicht geworden. Zudem brachten zwei Zeugen einen anderen Tatverdächtigen ins Spiel, den auch schon Verteidiger Axel Kampf als möglichen Täter in einem Antrag genannt hatte. So sagte einer der Zeugen aus, dass er den Mann zum Tod des Rentners befragt habe: "Er hat mich nur komisch angeschaut und ist dann plötzlich weggegangen."

Ein weiterer Zeuge sagte zudem aus, dass er ihm davon erzählt habe, das Opfer sei tot in der Badewanne, blutüberströmt und mit mehreren Messerstichen, gefunden wurde. "Als ich ihn fragte, woher er das wisse, hat er nichts mehr gesagt." Auch sei ihm eine Schnittverletzung an der Hand des Mannes aufgefallen.

Vorbericht:

Bislang deuten nicht viele Beweise darauf hin, dass der mittlerweile 26-jährige Niedersachse den Traunreuter Rentner im Mai 2014 ermordet hat. Die Tatwaffe - ein Küchenmesser - wies keine Spuren des Beschuldigten auf, da sie nach dem Mord bei 60 Grad in der Waschmaschine gewaschen wurde. Fehlanzeige auch in der Wohnung, in der gewischt und anschließend Kaffeepulver, Mehl, Zucker und Essigessenz verteilt wurde. Einzig die Essigflasche wies DNA-Spuren des 26-Jährigen auf. Um Staatsanwalt Björn Pfeifer die Beweisführung zusätzlich zu erschweren, brachte die Verteidigung am fünften Verhandlungstag eine ganze Reihe anderer Tatverdächtige ins Spiel. Diese werden nun am Montag ihre Zeugenaussage bei Gericht machen.

Doch obwohl die Beweise gegen den 26-Jährigen bislang ausgesprochen dünn sind, wirkt er doch zunehmend nervöser. Am sechsten Verhandlungstag konnte sich der Beschuldigte in einer kurzen Pause nicht verkneifen, den Staatsanwalt nach einer Einschätzung der Lage zu fragen. Dieser wiegelte aber sofort ab und gab ihm keine Antwort darauf. Gerade die Essigflasche scheint ihm Sorgen zu machen. Bereits in der polizeilichen Vernehmung, so eine Beamtin, sei er nervös geworden, als man ihm von seinen DNA-Spuren an der Flasche erzählt habe. Ob das am Ende der entscheidende Beweis sein könnte, bleibt abzuwarten.

Chiemgau24.de berichtet an diesem Montag wieder aus dem Gerichtssaal

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