Nach Präsentation der Stadt zur Güterhalle

Bürgerinitiative kontert: "Mehr als unverständlich"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
So könnte die Güterhalle ab Sommer 2018 von außen aussehen.

Traunstein - Der Bürgerentscheid steht an: Abriss oder Sanierung? Die Stadt wirbt nun für ihre Pläne wie es mit der Güterhalle weitergehen soll. Nun hat sich ein Sprecher des Bürgerbegehrens gemeldet.

UPDATE, 19.10 Uhr

In einem Schreiben an chiemgau24.de bezog nun Konrad Baur vom Bürgerbegehren "Neubau Jugendzentrum statt Sanierung Güterhalle" zu der Werbeaktion Stellung. 

"Für uns Initiatoren ist die Haltung der Stadt mehr als Unverständlich", schreibt Baur. Zum einen würden auf diese Weise Stadtangestellte gegen das Neutralitätsgebot verstoßen, indem sie öffentlich die Werbetrommel rühren. Zum anderen würden in mehreren Punkten Unwahrheiten verbreitet. "Diese können wir auch schriftlich belegen", so schreibt er.

Weder der Stadtrat noch der jetzige OB hätten sich ernsthaft mit der Alternative "Neubau" beschäftigt. Dies zeige sich schon dadurch, dass die zuständige Delegation des Stadtrates hierfür nicht Arbeitsgruppe "Jugendtreff", sondern eben "Güterhalle" hieße. "Wie ergebnisoffen kann hier dann eine Standortsuche sein?", fragt Baur in seinem Schreiben.

Er weise zudem darauf hin, dass das Bürgerbegehren nichts mit der Jungen Union zu tun habe. Seit Beginn des Begehrens hätten sich weder die JU im Allgemeinen noch die Initiatoren als Parteimitglieder zu diesem Thema geäußert oder gar in ihrer jeweiligen Funktion Stellung genommen. "Bis zum heutigen Tag ist auch kein einziger Cent einer Partei an uns Initiatoren geflossen. Auch das wird gerne behauptet.", so Baur.

Erstmeldung, 15.15 Uhr

"Dieses Gebäude hat Charme und Geschichte. Die Güterhalle kennt jeder" - Bauamtsleiter Klaus Hechfellner wird enthusiastisch, wenn es um die Pläne der Stadt für die Güterhalle geht: "Das war ein Glücksgriff und ist genau der richtige Ort für ein Jugendzentrum." Die Stadt will - und muss - die Werbetrommel rühren: Ein Bürgerentscheid, angeführt von der Jungen Union, könnte die Pläne zunichte machen. Hechfellner, sowie Oberbürgermeister Kegel und Hauptamtsleiter Gerhard Spiegelsberger legten daher am Mittwoch im Rathaus ihre Ideen offen.

Stadtbauamtsleiter Hechfellner, Hauptamtsleiter Spiegelsberger und Oberbürgermeister Kegel am Mittwoch in Traunstein.

Insgesamt 410.000 Euro hat die Stadt bereits in Kauf und Vorplanung für die Güterhalle investiert. Zentral soll künftig bekanntermaßen ein Jugendtreff werden. Kostenpunkt 3,8 Millionen für die Sanierung des gesamten Gebäudes - 60 Prozent davon würden der Freistaat über die Städtebauförderung zuschießen. Für den Jugendtreff allein fielen für die Stadt etwa 700.000 Euro an. Geht es nach Stadtrat und Verwaltung wird im kommenden Jahr mit der Sanierung begonnen, im Sommer 2018 könnte der Jugendtreff dann eröffnen.

Viele Interessenten an der Restfläche

Falls der Bürgerentscheid der Güterhallen-Gegner scheitert und das Projekt umgesetzt werden kann, könnte auch die "Schule der Fantasie" einziehen. Knapp 40 Prozent der 1500 Quadratmeter in der Güterhalle würde der Jugentreff bekommen - der Rest scheint sehr gefragt zu sein: "In dieser Lage bringt man alles an", so Hauptamtsleiter Spiegelsberger. Es gab bereits konkrete Anfragen eines Fitnessstudios und eines Raumausstatters. Auch die Bücherei könnte man sich gut in der Güterhalle vorstellen.

Ein Querschnitt durch die Güterhalle, wie sie künftig genutzt werden könnte.

Würde die Stadt die Restfläche an einen privaten Nutzer vermieten, würden allerdings die Zuschüsse der Regierung für die Sanierung wieder geringer - "durch die Mieteinnahmen käme das Geld aber dann wieder herein", so Kegel zuversichtlich. Bis November will man sich entschieden haben, wie der restliche Platz in der Güterhalle künftig genutzt werden könnte. Außen soll die Güterhalle komplett saniert werden, innen sollen die Restflächen im Rohbauzustand bleiben, um sie je nach künftigem Nutzer gestalten zu können.

Standort-Alternativen waren wohl kaum zu finden

Fast sechs Jahre ist die Stadt nun mit ihrem Versprechen, einen neuen Jugendtreff zu schaffen, in Verzug. Kegel befürchtet, dass bei einem erfolgreichen Bürgerentscheid zusätzliche Jahre verstreichen werden, in der die Traunsteiner Jugend mit der unglücklichen Übergangslösung in der Höllgasse leben muss. Allein, weil neu auf Standortsuche gegangen werden müsste, rechnet der Oberbürgermeister bei einem Neubau mit einer Fertigstellung erst um 2020.

So sieht es aktuell noch in der Güterhalle aus.

"Schon als das Jugendzentrum 2010 aus dem alten Kurhaus am Klosterberg ausziehen musste, haben wir den kompletten Immobilien-Markt abgeklappert. Aber entweder waren die Gebäude zu dezentral oder das Baurecht war schwer umzusetzen", so Spiegelsberger: "Und manche Eigentümer wollten einfach keinen Jugendtreff in ihren Häusern. Auch Angeboten wurde uns nichts - nicht mal das Schwarze unter den Fingernägeln." Grundstück, Gebäude, Planung und fixe Finanzierungszusagen - all die Schritte seien bei der Güterhalle dagegen nun schon getan.

"Ein Neubau kann nicht günstiger sein"

Auch Kegel meint: "Ein Neubau kann nicht günstiger sein." Außerdem wäre das bisher investierte Geld dann verbrannt - der Kauf der Güterhalle kostete die Stadt allein 230.000 Euro. Ein Jugendtreff-Neubau etwa am jetzigen Standort der Güterhalle, wie er von der Bürgerinitiative ins Spiel gebracht wurde, würde viele Folgekosten nach sich ziehen. Kegel nennt als Beispiel die Verlegung der Güterhallenstraße, weil ein Neubau direkt auf dem Güterhallen-Grund wegen der Abstandsflächenregelung zur Bahn nicht möglich wäre.

Die mögliche Gestaltung der Außenflächen.

Die Jugend selbst sieht der Oberbürgermeister auch auf seiner Seite: Kreisjugendring und der Traunsteiner Jugendbeirat hätten sich "klar" für ein Jugendzentrum in der Güterhalle ausgesprochen. Das letzte Wort werden aber die Traunsteiner beim Bürgerentscheid selbst haben. Am morgigen Donnerstag wird das Datum vom Stadtrat festgelegt.

xe/Pressemitteilung Bürgerbegehren Neubau Jugendzentrum statt Sanierung Güterhalle

Zurück zur Übersicht: Traunstein

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser