Projekte zur Neuordnung des Bahnhofareals

"Ein Glücksfall aus stadtplanerischer Sicht"

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Prof. Mark Michaeli (Mitte), Inhaber des Lehrstuhls "sustainable urbanism" an der TU München eröffnete die Ausstellung mit Projekten über die Neuordnung und Gestaltung des Traunsteiner Bahnareals in der „Alten Wache“ des Rathauses.

Traunstein - Über Chancen und Möglichkeiten für eine städtebauliche Neuordnung und Gestaltung des westlichen Bahnareals (ehemaliges Güterbahnhofs- und BayWa-Gelände) informiert bis zum 1. Dezember eine Ausstellung in der "Alten Wache" des Rathauses.

Sie zeigt zwölf Vorschläge, die Studierende und Wissenschaftler der Fakultät für Architektur der Technischen Universität München unter dem Titel "Stadtlabor Werkstadt Traunstein" erarbeitet haben.

Die Ausstellung wurde mit einem Kurzvortrag von Prof. Mark Michaeli, Inhaber des Lehrstuhls "sustainable urbanism" an der TU München, und Robert Mair vom Institut für Architektur und Raumentwicklung der Universität Liechtenstein eröffnet. Bei einer Informationsveranstaltung für geladene Gäste hatte Prof. Michaeli zuvor die Vorgehensweise bei der Projekterstellung vorgestellt.

"Ein Filetstück Traunsteins"

"Der Sinn der Ausstellung soll sein, dass wir uns des Werts des Bahnhofsviertels bewusst werden, dass wir aufpassen auf das, was mit einem der letzten großen Filetstücke Traunsteins, das zugleich eines der bedeutenden Eingangstore in die Stadt darstellt, passiert", sagte Oberbürgermeister Christian Kegel. Es gehe darum, ob die Stadt und seine Bürger für diesen zentralen Bereich, der Brückenschlag über die Bahnlinie zwischen der alten östlichen und neuen westlichen Stadt sei, in besonderer Qualität und zukunftsträchtig ermöglichen oder eine wesentlich einfachere Lösung verwirklichen wollten, für die sich eventuell etwas leichter Investoren finden würden.

Eine Stadtentwicklung an solch zentraler Stelle sei nicht nur aus stadtplanerischer Sicht als Glücksfall zu erachten. Das Bahnhofsquartier sei die letzte Brachfläche mit großartigem Entwicklungspotenzial. Als Beispiele nannte er das AlpAC mit Werkstätten, eine Jugendherberge und ein Boardinghouse. Dazu brauche es freilich potente Sponsoren, die imstande seien, dieses Großprojekt zu schultern. Auch Teile der Landesgartenschau ließen sich dort hervorragend bewerkstelligen.

Prof. Michaeli betonte, dass es sich bei den Projekten nicht um fertige Vorschläge handele. Die historische Altstadt habe eine hervorragende Verbindung zum Bahnhof, die aber nicht über die Bahnlinie nach Westen „schwappen“ wolle, wo die meisten Traunsteiner wohnten. Die Stadt Traunstein allein müsse wissen, was sie wolle. Er stellte die Herangehensweise der Studenten vor. Sie hätten zunächst Erkundungstouren gemacht, um am Ende die Fäden zusammenzufügen und zwölf unterschiedliche Projekte zu entwickeln. Dabei gebe es öffentliche, private und wirtschaftliche Räume mit teilweiser Nutzung von bestehenden Gebäuden. Vorgeschlagen werden beispielsweise Werkstätten entlang der Bahnlinie und Wohnhäuser im rückwärtigen Raum. In der Podiumsdiskussion stellte Prof. Dr. Joachim Vossen vom Institut für Stadt- und Regionalmanagement, der damit befasst ist, mögliche Investoren anzusprechen, noch einmal die Potenziale des Bahnareals heraus. Man solle diese Potenziale nicht verfallen lassen. Er riet dazu, lieber zu warten, als sie einer minderwertigen Nutzung zuzuführen.

Johannes Dragomir von der Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung wies auf die bedeutende Stellung Traunsteins zwischen den Metropolregionen München und Salzburg hin. Das Potenzial des Filetgrundstücks solle die Stadt aus dem eigenen Selbstbewusstsein ausschöpfen. Eberhard Freiherr von Richthofen von der Consens Immobilienfinanzierung sagte, für die Finanzierung müsse man klären, welcher Investor sich für welches Projekt eigne. Beim Bahnareal handele es sich um ein hochwertiges Grundstück, das nicht nur Potenzial für ein Stadthotel oder Handelsgeschäfte, sondern vor allem für Potenziale habe, die allen nutzten. Oberbürgermeister Kegel stellte fest, das Bahnareal könne der ganz große Schub für die Stadt werden. Man habe aber zu kämpfen, damit die Geduld nicht auf der Strecke bleibe. „Wir müssen auf den großen Wurf warten. Aber irgendwann muss eine Perspektive da sein“, unterstrich er. Was er bei der Vorstellung durch Professor Michaeli gesehen habe, begeistere ihn.

Prof. Michaeli erklärte, die Projekt seien dazu da, um positive Impulse zu geben. Es bestehe kein Druck, weil beispielsweise Betreiber von Jugendherbergen nicht Schlange ständen. Traunstein sei aber ein regionales Zentrum junger Leute. Die Studenten hätten daher das Gefühl gehabt, Projekte für die eigene Generation zu planen. Dragomir stellte die Frage, ob die Bebauung unbedingt so flach bleiben müssen, da der Bahnhof auf der anderen Seite vom hohen Postgebäude dominiert werde. Er konnte sich auch eine Bebauung vorstellen, „die von der anderen Seite aus zu sehen ist“.

Die anliegenden Bürger seien bereits beteiligt worden. Mit der Ausstellung würden nun alle Bürger aufgefordert, sich mit Konfliktsituationen auseinanderzusetzen. Auch müsse man die Eigentumsverhältnisse mit Sorgfalt behandeln. Mit weiteren Workshops mit den Bürgern sei zu prüfen, ob es auch noch andere Nutzungen gebe. Neben dem Verkehrsknotenpunkt mit Bahnhof und Busbahnhof sah er das Bahnareal als Funktionsknotenpunkt mit vielfältigen und unterschiedlichen Nutzungen, die sich gegenseitig befruchten.

Bjr

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