Bruckmühler soll Stieftochter mindestens 120 Mal missbraucht haben

"Ich war Vollblutmama und habe nichts gemerkt"

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Traunstein/Bruckmühl - Am dritten Verhandlungstag im Missbrauchsprozess gegen einen 49-jährigen Bruckmühler sagte die Exfrau des Angeklagten aus. Er soll sich an ihrer Tochter mehrfach sexuell vergangen haben.

Ab September 2011 soll der Angeklagte die Geschädigte, damals 10 Jahre alt, mehrmals die Woche sexuell missbraucht haben. Die Missbrauchsfälle zogen sich, nach Aussage der Geschädigten, über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren und steigerten sich in Intensität und Häufigkeit.

Am ersten Prozesstag wurden bereits die Aussagen des Angeklagten und der Geschädigten gehört. Vergangenen Freitag wurde dann die Aussageentwicklung des Angeklagten vom ersten polizeilichen Verhör bis zur Anhörung vor Gericht noch einmal durchgegangen. Hierbei zeigten sich Widersprüche in seiner Aussageentwicklung.

Mutter der Geschädigten: "Ich mache es für meine Kinder"

Am dritten Prozesstag war nun die Mutter als Zeugin geladen. Sie erschien im Beisein ihres Rechtsbeistandes, Rechtsanwalt Max van der Leeden. Bevor die Mutter den Gerichtssaal betrat wurde ein Sichtschutz aufgebaut, der der Mutter die Sicht auf den Angeklagten verwehren sollte. Dies wurde auf Wunsch des Rechtsbeistandes sowie der Mutter beantragt, um die Zeugin nicht unnötig zu belasten.

Die Mutter befindet sich aktuell in psychiatrischer Behandlung. Am 31. August sei sie, laut eigener Aussage, als suizidgefährdeter Notfall in die Klinik eingewiesen worden, werde derzeit dort psychisch stabilisiert und werde anschließend eine Traumatherapie beginnen. Sie nehme des Weiteren seit Jahren stimmungsaufhellende Serotoninwiederaufnahmehemmer ein.

Die 49-Jährige wirkte gefasst, sei laut eigener Aussage aufgeregt, aber voll konzentriert. Auf die Frage des vorsitzenden Richters Dr. Klaus Weidmann, wie es ihr ginge antwortete sie: "Wenn ich sagen würde, es ginge mir gut, wäre es gelogen und ich darf nicht lügen." Sie sei bei Gericht erschienen, um mit ihrer Aussage ihre Kinder zu unterstützen.

"Bei seinen Wutausbrüchen zerstörte er Einrichtungsgegenstände"

Zum Zusammenleben der Familie mit dem Angeklagten schildert sie, er habe sich sehr um die Kinder bemüht und an den Aktivitäten der Kinder teilgenommen, was die Mutter sehr überrascht habe. Jedoch habe sich im Herbst 2011 das Verhalten des Angeklagten schrittweise geändert. "Er war wie ein Kind mit ADHS, das ständig was Neues brauchte", schildert sie. Zudem habe es durch seine anhaltende Unzufriedenheit keine Ruhe mehr in der Beziehung des Ehepaares gegeben.

Nachdem sich die Probleme in der Ehe mehrten, habe die Mutter dem Angeklagten Mitte 2013 die Trennung vorgeschlagen, was dieser jedoch abgelehnt habe. Sie habe zudem vermutet, dass er sich nach anderen Frauen außerhalb den eigenen vier Wände umschaute.

Zum Gemütszustand des Angeklagten äußerte sie, er sei gegenüber allen Familienmitgliedern jähzornig und aggressiv gewesen, nicht nur im betrunkenen Zustand. Handgreiflichkeiten habe es nicht gegeben, allerdings habe er mehrere in der Wohnung befindliche Gegenstände beschädigt oder gar zerstört. 

Volltrunken gestand er der Mutter die Übergriffe

Im Herbst 2013 habe der Angeklagte der Mutter schließlich volltrunken gestanden, dass er ihre mittlere Tochter - die Geschädigte - liebe, allerdings nicht wie eine Tochter und dass er sie als weitere Frau neben ihr haben wolle. "Als ich das hörte bin ich davon gerannt und wollte mich in einen Kanal stürzen", berichtete die Mutter. Als tatsächliche Reaktion habe sie ihn gefragt, wie er ihr so etwas antun könne. Die Mutter äußerte, sie sei in der Vergangenheit selbst sexuell missbraucht worden. Auf Nachfrage des Richters sagte sie aus, sie habe dem Angeklagten, im Gegensatz zu dessen Aussage, in keinem Zeitpunkt signalisiert, sein Verhalten sei für sie in Ordnung.

Von den Vorfällen vor diesem Zeitpunkt habe sie nichts mitbekommen. Jedoch sei der Angeklagte nicht sofort nach diesem Geständnis ausgezogen. Auch danach soll noch eine sexuelle Handlung mit der Tochter im elterlichen Schlafzimmer stattgefunden haben. Die Mutter habe sich zum Zeitpunkt dieses Missbrauchvorfalls im Haus aufgehalten und das ungewöhnliche Verhalten der Geschädigten nach der Tat bemerkt. Sie habe ihre Tochter darauf angesprochen und von dieser zum ersten Mal erfahren, was passiert sei. Kurz darauf sei der Angeklagte ausgezogen.

Nachdem der Angeklagte aus dem Leben der Familie verschwunden war, habe die Familie angefangen offen über das Thema zu sprechen. Die Mutter habe ihre Töchter dazu ermutigt, Anzeige zu erstatten.

amj/jb

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