Geschichtsunterricht vor Ort

Chiemgau-Gymnasium: Wanderung auf dem Friedensweg

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Bergfriedhof am Hochgräntenjoch – höchstgelegener Kriegerfriedhof in Mitteleuropa – vier bestattete österreichische Soldaten – gefallen im Sommer 1915

Traunstein - Im Rahmen eines Projekt-Seminars wanderten Schülerinnen und Schüler des Chiemgau-Gymnasiums auf dem Friedensweg entlang der ehemaligen Gebirgsfront des Ersten Weltkriegs.

Im Rahmen eines Projekt-Seminars mit dem Titel "Sentiero della Pace" beschäftigten sich zehn Schülerinnen und Schüler des Chiemgau-Gymnasiums Traunstein seit Beginn des vergangenen Schuljahres mit dem Gebirgskrieg von 1915 bis 1918. Das Kernstück des P-Seminars bildete die Beschreitung eines Abschnitts des sogenannten "Friedenswegs", der zum großen Teil auf ehemals militärisch genutzten Pfaden und Wegen dem ehemaligen Frontverlauf vom Stilfser Joch bis zur Adria folgt.

Fünf Etappen in hochalpinem Gelände

Die Wahl fiel auf fünf Etappen am Karnischen Hauptkamm, der heute die Grenze zwischen Süd- und Osttirol bildet, sodass man dort im wörtlichen Sinne oft mit einem Bein in Österreich und mit dem anderen in Italien wandert - im Übrigen ohne jegliche Grenzkontrollen. Die Tour wurde von den Schülerinnen und Schülern sowohl inhaltlich als auch logistisch vorbereitet. Neben der Erschließung der historischen Hintergründe und der Organisation galt es durch entsprechende Übungstouren und individuelles Training die körperlichen Voraussetzungen zu schaffen, um die fünf mäßig anspruchsvollen Etappen in meist hochalpinem Gelände sicher bewältigen zu können. Zudem konnten mehrere Firmen aus der Region als Sponsoren gewonnen werden. Die Spenden in Höhe von insgesamt 1000 Euro kommen in voller Höhe der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" zugute.

Relikte aus der Zeit des Ersten Weltkriegs

Nach einem einführenden Vortrag in der Festung Mitterberg bei Sexten ging es am 24. Juli los in Richtung Sillianer Hütte. Der grandiose Blick auf die kühnen Felstürme der Sextener Dolomiten, der sich in seiner ganzen Pracht erstmals vom Gipfel des Helm bietet, begleitete die gesamte Exkursion. Immer wieder wurde jedoch die überwältigende Schönheit der Landschaft von den überall deutlich zu erkennenden Relikten aus der Zeit des Ersten Weltkriegs konterkariert. So mahnt zum Beispiel schon am zweiten Tag Mitteleuropas höchstgelegener Soldatenfriedhof in der Nähe des Hochgräntenjochs zum Innehalten, bevor man als nächstes Etappenziel die idyllisch gelegene Obstanserseehütte erreicht, deren Spiegelbild im gleichnamigen See bei Abendlicht fast ein wenig kitschig daherkommt. 

Auch auf der dritten Etappe zur Porzehütte sind für den aufmerksamen Beobachter inmitten herrlichster Landschaft immer wieder Laufgräben, Geschützstellungen und Reste von Mannschaftsunterkünften zu erkennen. Dies beeindruckt und bedrückt insbesondere dann, wenn man - wie die Schülerinnen und Schüler - durch eine inhaltliche Vorbereitung sehr konkrete Vorstellungen davon entwickelt, welche Schrecken dieser Krieg im Gebirge für Soldaten und Zivilbevölkerung mit sich brachte. Um hier nicht in einen effektorientierten "Gruseltourismus"“ bzw. in einen unangemessenen "Heroismus" abzugleiten, ist es notwendig, die damaligen Ereignisse unter fachkundiger Anleitung möglichst objektiv einzuordnen. In diesem Zusammenhang gilt es zu beachten, dass die ältere und auch eine umfangreiche semiprofessionelle Geschichtsschreibung oft dazu tendiert, den Gebirgskrieg als solchen bzw. seine Protagonisten mythologisch zu überhöhen. Insbesondere die Internetrecherche erfordert hier ein erhebliches Maß an Kritikfähigkeit. 

Auf der nächsten Etappe folgte die Schülergruppe nicht der "klassischen" Route zum Hochweißsteinhaus, sondern wählte die weniger anspruchsvolle Variante zur Malga Antola, einer einfachen italienischen Almhütte. Von dort führt ein einfacher Wanderweg durch das Val Visdende hinunter ins Tal. Zurück zum Ausgangspunkt in Sexten ging es per Bus über den in Kriegszeiten strategisch bedeutsamen Kreuzbergpass. Insgesamt zeichnete sich die Tour durch sehr widersprüchliche Eindrücke aus - Licht und Schatten waren nicht nur wetterbedingte Begleiter. 

Das P-Seminar (Projekt-Seminar zur Studien und Berufsorientierung) ist Teil der gymnasialen Oberstufe in Bayern. Es soll Schülerinnen und Schüler bei ihrer Studien- und Berufswahl unterstützen. Die Teilnehmer arbeiten dabei unter Einbeziehung außerschulischer Partner etwa ein Jahr lang an einem Projekt.

Pressemeldung Chiemgau Gymnasium Traunstein

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