Debatte zur Zukunft des Traunsteiner Nachtlebens

"Auch Ältere kamen nicht als Erwachsene auf die Welt"

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Rund um das Traunsteiner Nachtleben (von rechts): Moderator Thomas Maier, Christian Latzlsperger, Konrad Baur, Dr. Christian Hümmer.

Traunstein - Wie geht’s weiter im Traunsteiner Nachtleben? Geht der Betrieb des von der Schließung bedrohten Clubs Kafka weiter? Und hat die Kultur in ihrer ganzen Breite und Vielfalt in Traunstein einen ausreichenden Stellenwert und erfährt genügend Förderung?

Das wollten rund 70 – überwiegend junge – Kneipen- und Clubbesucher wissen und kamen am Donnerstag Abend in das Café-Lounge Festung.

Eingeladen zu der Informations- und Diskussionsveranstaltung hatte die Junge Union, die sich schon vor einigen Jahren dafür stark gemacht hatte, dass befürchtete vorverlegte Sperrstunden nicht die nächtlichen „Wegge-Freuden“ trübten. Konrad Baur JU-Kreisvorsitzender und Initiator der Kampagne „Rettet die Nacht“ betonte, dass man sich damals erfolgreich durchgesetzt habe. Nun drohe eine ähnliche Situation. Einige Betreiber seien aufgrund von neuen Genehmigungsrichtlinien auf ihn zugekommen, da ihnen möglicherweise die Schließung drohe. Exemplarisch nannte er das Café Festung aber auch beispielsweise das Kafka, über dessen Weiterbestand auch die kommende Sitzung des Traunsteiner Bauausschusses am 14. April Aufschluss gibt.

Realistische Einschätzung der Möglichkeiten

„Wir sitzen nicht hier um das Traunsteiner Nachtleben zu Grabe tragen, genauso wenig werden wir es retten.“ Man wolle gemeinsam miteinander ins Gespräch kommen, wolle Bewusstsein für die Betreiber schaffen aber auch die Situation der Nachbarn sehen. Er wolle die Aktion aber nicht als parteipolitisch motiviert sehen. Baur sagte er hoffe für die Zukunft, dass es die Vielfalt im Traunsteiner Nachtleben dauerhaft weiter gebe. Es gehe nicht darum, einzelne Betreiber zu retten. „Es geht nicht darum dass sich hier eine ‚feierwütige Meute‘ bis um sechs Uhr morgens „zuballern“ muss.“ Er wünsche sich auch für künftige heranwachsende junge Menschen, dass Traunstein eine Vielfalt im kulturellen Bereich biete.

Udo Henning von der Festung sagte: „Wir müssen uns mit der Nachbarschaft einigen. Da gehört ihr auch dazu, dass da etwas Rücksicht genommen wird“ sagte er zu den Anwesenden. Er wolle aber auch – genauso wie die Vertreter von Monta Music, den Betreibern unter anderem der Clubs Kafka und Metro , die an dem Abend nicht anwesend waren – derzeit zu dem Thema nichts sagen, da es sich auch um eine laufende, rechtliche Auseinandersetzungen handle.

Stadtrat Dr. Christian Hümmer nutzte die Gelegenheit um in kurzen Worten die Tätigkeit und Aufgaben eines Stadtrats zu erläutern, schränkte aber klar ein: „Aber ich bin nicht der Abgesandte der Stadt. Ich spreche für mich als Stadtrat und über das was ich für wichtig halte.“ Er identifizierte sich mit den Überzeugungen der „Nacht-Retter“: „Die Nacht muss in Traunstein gerettet werden. Und die Festung muss bleiben das ist für mich ganz klar.“ Das sei wohl auch Konsens unter den Stadträten, ohne dass das Thema schon auf das Tablett gekommen sei. „Leben und leben lassen“ erhoffe er sich gegenseitiges auch im Dialog zwischen den lärmgeplagten Nachbarn und den Betreibern. Alles andere sei für die Stadt Traunstein auch ein Armutszeugnis.

Speisewirtschaft oder Darbietung von „Tanz-Lustbarkeiten“

Dr. Hümmer erklärte nochmals, warum der Wirbel um das Kafka nach zehn Jahren entstanden sei. Man könne darüber streiten, ob das Kafka eine Diskothek sei oder nicht. „Nach meiner Auffassung ist es das nicht“ so der 34-jährige Rechtsanwalt. Letztlich müsse es für die überwiegend jungen Leute in Traunstein „Möglichkeiten zum Weggehen“ geben. Der „Anschubser“ mit der Kampagne sei gut und bringe das ganze einen vernünftigen Weg bevor es am Ende vor dem Verwaltungsgericht in einem Rechtsstreit ende. Es seien auch die Älteren nicht alle als Erwachsenen auf die Welt gekommen. „Eine gewisse Toleranz dass eine Jugend feiern und weggehen kann, dafür möchte ich auch werben.“ Kulturförderung einfordern

Gleichzeitig betonte er die gewünschte Kulturvielfalt in Traunstein: „Wir wollen eine Kulturszene haben, wo sich jeder raussuchen kann, was er will. Vom Nuts zu den Trachtenvereinen und weiteren Angebote wie eben auch in der Kneipenlandschaft das Kafka.“ Es gäbe in Traunstein gute öffentliche Kulturförderung. „Aber ich gebe zu, dass alternative Kultur nicht im Vordergrund in der Stadt Traunstein steht.“ Er ermutigte Förderung und Unterstützung aktiv einzufordern. Es brauche auch Signale in Richtung des Traunsteiner Stadtrat.

Lob für die Stadt vom Festungs-Vereinsvorsitzenden

Christian Latzlsperger stellte den von ihm vertretenen gemeinnützigen Förderverein Vereinsheim Festung Traunstein e.V. vor. Gerade in der Festung hätten junge unbekannte Bands ihre ersten Schritte gemacht, die heute deutschlandweit bekannt sein. „So etwas darf einfach nicht sterben.“ Es gehe um die Kulturlandschaft, Kleinkunst und die Themen die „weit weg vom Mainstream sind.“ Seit Januar diesen Jahres ist der Verein im Vereinsregister eingetragen, man sei inzwischen auch im Dialog mit der Stadt Traunstein. „Die sind uns gegenüber sehr freundlich eingestellt gewesen.“

Oberbürgermeister Christian Kegel habe signalisiert, dass man bei entsprechender Förderfähigkeit in Einzelfallprüfungen helfen wolle. Man wolle sich in dem Verein weiter für die Kultur in Traunstein einsetzen. Dazu habe man auch einen Kulturstammtisch ins Leben gerufen und Künstler vernetzen. Gleichzeitig versuche man aber auch eine Unterstützerschaft aufzubauen, um auch gegenüber öffentliche Stellen zu zeigen, dass die Festung eine große Anzahl an Freunden und Förderern habe: „Da stehen ein paar hundert Leute dahinter und wollen dass es so weiter geht.“ Er rief zu ehrenamtlichem Engagement auf: „Engagiert euch für die Kultur, macht etwas.“

Kleines aber feines Stadtfest?

Moderator Thomas Maier von der Jugendwelle So!FM sammelte die Fragen der Anwesenden der rund zweistündigen Veranstaltung. Auf die Frage nach einem „Kleinen aber feinen Stadtfest“ ging Dr. Christian Hümmer auf die letztjährigen Versuche der Traunsteiner Brauereien ein. „Ich hoffe, dass das nicht tot ist. Ein 'kleines aber feines Stadtfest' würde Traunstein gut stehen.“ Er hoffe, dass sich das – auch mit städtischer Unterstützung – realisieren lasse und alle Altersschichten in Traunstein da ihren Platz fänden. Christian Latzlsperger sagte, man wolle ein Kulturfest in der unteren Stadt organisieren.

Dr. Christian Hümmer warb darum, dass sich junge Menschen politisch engagieren. Gerade im Traunsteiner Stadtrat würde „ein bisschen Bewegung gut tun“ so der jüngste Traunsteiner Stadtrat. Einige weitere Fragen drehten sich um das Gaststättenrecht und nochmals um die nicht zu beantwortenden Fragen, wie groß die Chancen auf ein Fortbestehen des Clubbetriebs im Kafka seien. Den lockeren Informations- und Diskussionsabend rahmten musikalisch gekonnt die beiden jungen Sängerinnen Lisa Insomnia und Amina Thiombane ein, die ein erstaunliches gesangliches Potenzial präsentierten.

awi

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