Bahn-Haltestelle Klinikum kommt frühestens 2016

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Dr. Lothar Seissiger (Links) bedankt sich bei Hans Pagatsch für dessen informativen Vortrag.

Traunstein - Bei der Fraktionssitzung der Freien Wähler wurde intensiv über das Nahverkehrskonzept diskutiert.

Die Kreistagsfraktion der Freien Wähler setzte sich bei ihrer letzten Fraktionssitzung intensiv mit dem Konzept der Nahverkehrsberatung Südwest für den Landkreis Traunstein auseinander. Als Experten hatten sie Hans Pagatsch eingeladen, der im Sachgebiet 3/17 für den ÖPNV zuständig ist.

Hans Pagatsch erläuterte der Fraktion das ÖPNV-Angebot des Landkreises. Es umfasse elf Linienverkehrsunternehmen, 63 Buslinien (über 80% davon RVO) und 110 km Schienenstrang. Ein Variobus bediene seit Mai 2014 im Probebetrieb bis Ende 2016 bedarfsorientiert den nordöstlichen Landkreis im Betriebskorridor Tittmoning, Fridolfing, Kirchanschöring und Taching. Der Variobus sei im Rahmen des Förderprojekts „Verbesserung der Mobilität im ländlichen Raum“ des Freistaats Bayern entstanden. „Wir waren überrascht von den Fahrgästen“, bilanzierte er die Zahlen für Mai bis Dezember 2014. Man habe über 4.200 Fahrgäste gehabt – viele davon allerdings Einzelfahrten – und über 9.600 Euro für Tickets eingenommen. Die Eigenleistung des Landkreises habe nach Abzug des Förderbetrags bei knapp über 14.500 Euro gelegen.

Ähnlich gut angenommen werde der Rufbus der Stadt Traunstein, der seit 15. Dezember 2014 in Betrieb sei und 58 Haltestellen im Stadtgebiet anfahre. Hier habe man in den ersten fünf Monaten im Schnitt fast 500 Fahrgäste verzeichnet. Die Fahrgeldeinnahmen lagen bei ca. 3.100 Euro, die Kosten für die Stadt bei 16.000 Euro. Auch dieses Projekt werde zu 70% vom Freistaat gefördert. Bei Vario- wie Rufbus habe man Wert darauf gelegt, dass keine Konkurrenzsituation zum Linienverkehr entstehe. So seien beispielsweise Schülerfahrten ausgeschlossen.

Wunsch nach Verlängerung der N4 bis Reit im Winkl

Des Weiteren stellte Herr Pagatsch die fünf Nachtexpresslinien im Landkreis vor, die sukzessive seit 1992 eingerichtet worden seien. Hier entstehen dem Landkreis Kosten von 115.000 Euro im Jahr. Der Fraktionsvorsitzende Dr. Lothar Seissiger betonte, dass nicht zuletzt durch die Nachtbusse die alkoholbedingten Unfälle bei Jugendlichen in den letzten Jahren abgenommen hätten. Sandra Sonntag wies darauf hin, dass sie nach einer Unterschriftenaktion von Jugendlichen im Kreistag den Antrag eingebracht habe, die N4 bis Reit im Winkl zu verlängern und damit das Obere Achental besser anzubinden. Herr Pagatsch erwiderte, dass Reit im Winkl 2005/06 aus dem Angebot genommen worden sei, weil niemand mitgefahren sei. Die Möglichkeit, dieses wieder einzurichten, sei aber grundsätzlich gegeben. Es sei Sache des RVO, dies zu prüfen. Er wies darauf hin, dass man mit ähnlichen Unterschriftenaktionen schlechte Erfahrungen gemacht habe, weil man Linien eingerichtet habe, die dann niemand benutzt habe. Andreas Danzer, Kreisvorsitzender der Freien Wähler, schlug daraufhin einen Probetrieb von einem Jahr vor.

Thomas Kamm, Bürgermeister von Siegsdorf, erkundigte sich bei Herrn Pagatsch, ob die Lokale in die Finanzierung des Nachtbusses eingebunden seien. Dieser erwiderte, dass solche Gespräche nicht sehr erfolgreich verlaufen seien. Gut laufe es aber bei großen Veranstaltungen, bei denen die Eintrittskarten auch als Fahrkarten gelten. Die Kosten hierfür tragen dann die Veranstalter.

Als echte Erfolgsstory bezeichnete Pagatsch die Chiemseeringlinie. Sie gehe in die neunte Saison und habe letztes Jahr pro Tag im Schnitt 119 Fahrgäste und 22 Fahrräder transportiert. Ein Großteil der Fahrgäste sei mit Kurkarte unterwegs. „Etwas ganz Besonderes ist auch der Bürgerbus“, so Pagatsch weiter. Dieser werde nur von Ehrenamtlichen mit Personenbeförderungsschein gefahren und transportiere seit 2003 jährlich über 5.500 Fahrgäste. Im Landkreis bediene er u. a. die Orte Pittenhart und Obing.

Weniger gut laufe die Mitfahrzentrale (www.mifaz.de/TS), eine internetgebundene Plattform, die der Landkreis vorhalte. Hier sei die private Konkurrenz im Internet sehr stark. Es entstünden dem Kreis Kosten in Höhe von 5.000 Euro. In Planung sei ein Rufbussystem für den nordwestlichen Landkreis. „Die Gespräche sind bereits weit gediehen“, so Pagatsch. Das Konzept sei an den Variobus angelehnt und bereits bei der Regierung angemeldet.

Einführung eines "Chiemgau-Tagestickets"

Zum 1. Mai 2015 eingeführt wurde das 12 Euro teure „Chiemgau-Tagesticket“, mit dem man ab 8 Uhr alle Buslinien im Landkreis und alle Schienenstrecken der Südostbayernbahn benutzen kann. Das Ticket läuft im Probebetrieb bis 30. April 2016. „Wir sind einer der ersten Landkreise, die so etwas haben“, betonte Pagatsch. Er legte zudem dar, dass sämtliche, auch privaten Fahrpläne seit Neuestem unter www.bayern-fahrplan.de abrufbar seien. Nachdem er das ÖPNV-Gesamtkonzept erläutert hatte, erkundigte sich Dr. Seissiger nach dem Stand bei der geplanten Haltestelle der Südostbayernbahn am Traunsteiner Klinikum. „Diese sollte zum Fahrplanwechsel 2015 realisiert werden, das ist aber nun nicht der Fall“, antwortete Hans Pagatsch. Es sei der Einwand gekommen, dass die Schranke zu lange geschlossen bleiben müsste, wenn der Zug am geplanten Ort halte. Das sei ein Problem bei Notarzteinsätzen, bei denen es um Sekunden gehen könne. „Der Halt ist nun an anderer Stelle für September 2016 geplant – vielleicht wird es auch später“, resümierte er.

Am Ende des Vortrags von Herrn Pagatsch erkundigte sich Dr. Seissiger nach der Anbindung von Traunreut in den Abendstunden. „Diese mussten wir auf Anweisung der Regierung einstellen“, antwortete Hans Pagatsch. „Man überlegt momentan Lösungen hierfür.“ Sepp Wimmer, Bürgermeister von Surberg, beschwerte sich: „Wir sind 5 km von Traunstein weg und haben die schlechteste Anbindung.“ Hans Pagatsch erläuterte, dass es hier Probleme mit den Konzessionen gebe. Benno Graf, Bürgermeister von Chieming, ist zufrieden mit der Anbindung von Chieming. Nur ein Schulbusverkehr nach Ising bestünde nicht, monierte er. Dies sei völlig unverständlich. Hans Pagatsch versprach, das Thema überprüfen zu lassen. Vitus Pichler, Altbürgermeister von Schnaitsee, mahnte: „Man sollte im Auge behalten, dass sich der Freistaat aus den Förderungen zurückziehen kann.“ Dr. Seissiger schloss sich an: „Man muss aufpassen, dass nicht zu viele Projekte wegen der anfänglich großzügigen Förderung des Staates verwirklicht werden.“ Es passiere sonst, wie bereits in anderen Förderbereichen geschehen, dass die Landkreise, Städte und Gemeinden sinnvolle Maßnahmen eigenfinanzieren müssten, wenn sich der Staat aus der Finanzierung zurückziehe. Am Ende der sehr lebhaften und informativen Veranstaltung galt der Dank aller Teilnehmer Hans Pagatsch für seine sachlichen und hochkompetenten Ausführungen.

Pressemitteilung der Freien Wähler Traunstein

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