Zweite Sitzung des Traunsteiner Jugendparlaments

Zu wenig Ausgehmöglichkeiten für Minderjährige?

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Traunstein - Die Jugend unter 18 Jahren hat immer weniger Möglichkeiten sich zu treffen oder abends etwas zu unternehmen. Das war eines der Themen bei der Sitzung des Traunsteiner Jugendparlamentes:

Mit den Themen „Ausgehmöglichkeiten für Jugendliche“ und „Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)“ befasste sich das Jugendparlament des Landkreises unter der Leitung von Regierungsdirektor Florian Amann, der Landrat Siegfried Walch vertrat. Günter Wimmer, der mit seiner Event-Agentur Veranstaltungen wie die „Wirtshausroas“ in Traunstein, das Zirkusfestival „Zelt'n“ in Waging oder die Waginger Filmtage organisiert, machte anhand des „Im Grünen“-Festivals in Kirchanschöring deutlich, dass „Event-Agentur“ zwar „cool“ klinge, aber ein hartes Stück Arbeit sei. 

Jährlich besuchen rund 2500 Personen ab 16 Jahre das Festival. Einfacher wäre es, wenn Besucher erst ab 18 Jahre reingelassen würden, meinte Wimmer. Denn viele Vereine machten nichts mehr, weil der Vorstand unter Umständen mit seinem Privatvermögen haftbar sei. „Die Auflagen sind hoch, teilweise sinnvoll, teilweise nur schwer zu verstehen“, meinte Wimmer. Diplom-Sozialpädagogin Francis Kuckuk von der Jugendhilfe Oberbayern – Diakonisches Werk Traunstein, die Beitreiber, Träger oder Kooperationspartner von Jugendtreffs in 15 Gemeinde ist, sagte, es werde immer schwieriger die Jugendtreffs in der Region mit hauptamtlichen Betreuern zu besetzen, weil in den Sozialberufen ebenfalls Fachkräftemangel herrsche. 

Schwierige Unterstützung für die Jugend

Veränderungen könne man nur mit Menschen erreichen, die sich für etwas einsetzen. Die Zahl der Jugendlichen nehme ab, wodurch auch ihre Lobby kleiner und die Konkurrenz durch andere, ältere Gruppen größer werde. Deshalb sei es wichtig, innovative Ideen zu haben, gemeinsame Ziele zu formulieren und dann als Gruppe zielorientiert gegenüber dem Bürgermeister, Gemeinderat, hauptamtlichen Jugendpfleger oder sonstigen Ansprechpartnern aufzutreten. Dies erfordere oft Geduld, Hartnäckigkeit und einen langen Atem, gab Kuckuk zu. Bürgermeister Martin Lackner aus Engelsberg meinte, die Gemeinden unterstützten die Jugendarbeit. 

Bei Veranstaltungen sei dies jedoch nicht einfach, weil es so viele Vorschriften gebe. Kreisrätin Burgi Mörtl-Körner sah das große Problem darin, dass Jugendliche ab 16 Jahre nicht fortgehen könnten, weil die meisten Wirte von Nachtlokalen oder Veranstalter von Festen wegen des Jugendschutzgesetzes Jugendliche erst ab 18 Jahre einließen. „Immer mehr Jugendliche fahren deshalb nach Salzburg, weil es dort laschere Regelungen gibt“, so Mörtl-Körner. Die Jugendzentren könnten daher etwas für die 16-Jährigen tun. Der Leiter des Amts für Kinder, Jugend und Familie, Franz Feil, meinte ebenfalls, es werde für die Betreiber von Diskotheken und Lokalen wegen des Jugendschutzes immer schwieriger. Jugendliche bis 16 Jahre dürften gar keinen Alkohol trinken. Im Alter bis 18 Jahre dürften sie keinen Schnaps bzw. Branntwein erhalten. Ebenso sei der Immissionsschutz zu beachten, wobei der Nachbarschutz keine hohen Lärmwerte zulasse. „Viele Veranstalter lassen es daher lieber bleiben“, so Feil. 

ÖPNV sollen weitere Routen bekommen

Eine ausführliche Einleitung zum ÖPNV gab Hans Pagatsch vom Amt für Raumordnung und Kreisentwicklung bezüglich Zuständigkeiten bei Bahn- und Busverkehr. Er stellte den Unterschied zwischen eigenwirtschaftlich und gemeinwirtschaftlich betriebenen Buslinien dar. Als Ergänzung zum ÖPNV würden auch bedarfsorientierte Buslinien fahren, wie der Variobus im östlichen Landkreis, der Rufbus in der Stadt Traunstein sowie das Rufbussystem im nordwestlichen Landkreis. Der Nachtexpress befahre von Traunstein aus Linien nach Engelsberg, Tittmoning, Obing und Ruhpolding sowie ins Achental. Ferner nannte Pagatsch noch die Cheimseeringlinie, den ehrenamtlichen Bürgerbus und die Mitfahrzentrale in der Region 18. Amann meinte, es gebe viele Interessen, die der Landkreis bündeln und finanzieren müsse. 

Deshalb sei immer auch die Akzeptanz einer Buslinie oder Haltestelle wichtig. „Der Landkreis versucht im Rahmen seiner Möglichkeiten und Finanzen Lösungen zu finden“, sagte Amann. Zu diesem Tagesordnungspunkt gab es einige Wortmeldungen der Jugendparlamentarier. Gewünscht wurde eine bessere Verbindung zwischen Übersee und Reit im Winkl. Pagatsch sah hier das Problem in der schlechten Annahme. Der RVO fahre auch nur bedarfsbedingt. Moniert wurde die Schulbusverbindung nach Mühlen bzw. Hingsdorf in der Gemeinde Vachendorf. Kreisrätin Sandra Sonntag hob hervor, wie wichtig es sei, dass die Jugend die Angebote des ÖPNV auch nutzten, damit die Linien bestehen blieben. 

Dem pflichtete Pagatsch bei: „Oft ist der Wunsch da, aber wenn man die Linie einrichtet, wird sie nicht genutzt.“ Zum Schluss wurde noch der Wunsch geäußert, dass über Preiserhöhungen frühzeitig und besser informiert werde. Von Seiten der Jugend wurde der Vorschlag gemacht, Preiserhöhungen in den Bussen anzukündigen.

bjn

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