Ist der Homöopathie-Bachelor illegal?

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Traunstein - Im März werden die ersten Kurse an der neuen Homöo-Akademie in Traunstein starten. Ein Kritiker behauptet aber, die Akademie dürfe keinen Bachelor vergeben.

Norbert Aust von der "Gesellschaft zu wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP) erhebt schwere Vorwürfe gegen die neue Homöo-Akademie in Traunstein. An der Homöo-Akademie des Steinbeis-Transfer-Instituts EUH wird ab dem kommenden Jahr ein Hochschulstudium der Fachrichtung Homöopathie angeboten, das zu einem Bachelor-Abschluss führt. Die Akademie habe aber kein Recht dazu, überhaupt einen akademischen Grad zu verleihen, behauptet Norbert Aust. Er hat sich mit einem Brief an Landrat Steinmaßl sowie Traunsteins Bürgermeister Kösterke gewandt. Darin behauptet er, für die Verleihung akademischer Grade fehle die staatliche Anerkennung. Noch dazu gebe es kein qualifiziertes Lehrpersonal.

Nur ein "Jodel-Diplom"

Auf der Website der GWUP stichelt Bernd Harder unter Anspielung auf einen Loriot-Sketch gegen die Homöopathie: "Das Jodel-Diplom bleibt auch dann Nonsens, wenn „Dö dudl dö” im Binnenkonsens das zweite Futur bei Sonnenaufgang ist." Viel ernster als das Jodel-Diplom nimmt die GWUP die Fachrichtung nicht.

Homöopathie gehöre ins Reich der Fantasy-Rollenspiele, lässt sich die Meinung von Bernd Harder zusammenfassen. Andere Stimmen gehen in eine ähnliche Richtung. Was man an der Homöo-Akademie erwerben könne, sei nichts weiter als ein “Master of Esoterics”, meint der Blog Chiemgau Gemseneier.

Mit dem neuen Vorwurf haben die Anschludigungen jedoch die Ebene des Zweifels an der Heilmethode verlassen. Statt den üblichen Fragen, die Homöopathie aufwirft, geht es jetzt um juristische Anschuldigungen. Um herauszufinden, was der Sachstand ist, hat chiemgau24 mit Anja Wilhelm, Leiterin der Homöo-Akademie, gesprochen.

Studiengang ist anerkannt

Lesen Sie hier den Brief der Steinbeis-Instituts an Landrat und Bürgermeister.

Die Vorwürfe sind Anja Wilhelm bekannt. Der Brief, den Norbert Aust an Bürgermeister und Landrat verschickte, hat auch sie erhalten. Mit einem eigenen Brief hatte sich die Hochschule bereits direkt an die Politik gewandt, um mögliche Missverständnisse aufzuklären.

Die Behauptung, dass die Akademie keine akademischen Grade verleihen dürfe, wies deren Leiterin zurück. In Traunstein entsteht ein Transfer-Institut der Steinbeis-Hochschule Berlin, wie es weltweit bereits über 900 gebe. Daher erfolgt die Anerkennung nicht in Bayern, wie sie erklärte. Ein Studiengang wird dort anerkannt, wo die Hochschule ihren Sitz hat: in diesem Fall in Berlin. Der Senat habe den Studiengang bereits anerkannt, die Akkreditierung laufe derzeit, da sie in Bayern noch vor dem Start des Studiengangs abgeschlossen sein muss.

Anja Wilhelm ging auch auf die Vorwürfe zum angeblich fehlenden Fachpersonal ein. Die zwei Professoren für die Homöo-Akademie seien bereits gefunden, doch bis deren Berufung im Verwaltungsprozess abgeschlossen ist, werden die Namen nicht veröffentlicht.

Die Leiterin der Homöo-Akademie verwies außerdem auf die enge Zusammenarbeit mit der Politik. So bestehe neben den Verantwortlichen vor Ort auch Kontakt zum Kultusministerium. Herr Professor Löhn, Leiter der Steinbeis-Hochschule Berlin, habe für den Studiengang "grünes Licht" erhalten.

So geht es an der Homöo-Akademie weiter

Im März beginnt in Traunstein der erste "Vorkurs" für Abiturienten. Diese Vorbereitung ist für Bewerber ohne Berufserfahrung erforderlich, um in den Bachelor-Studiengang einsteigen zu können. Der Studiengang selbst wird im Wintersemester 2014/2015 beginnen. Der Studiengang führt in einer Regelstudienzeit von drei Jahren zum Bachelor-Abschluss. Die Gebühren betragn 7200 Euro pro Jahr.

Zu den Inhalten gehören neben den medizinischen und speziell homöopathischen Schwerpunkten auch Grundlagen in Management und Forschung.

Rubriklistenbild: © dpa/re

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