Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

ISEK: Vorschläge die Traunstein voranbringen

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Traunstein - Seit Monaten engagieren sich die Bürger und brachten ihre Anregungen und Ideen rund um das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) ein, mit dem die Stadt die Weichen für die Zukunft stellen will.

Seit mehreren Monaten engagierten sich Bürger in verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen und brachten ihre Ideen und Vorstellungen rund um das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) ein, mit dem die Stadt Traunstein die Weichen für eine langfristige erfolgreiche Weiterentwicklung der Stadt stellen will. Stärken und Schwächen wurden analysiert, Fachleute nahmen die Bürgerideen auf und bündelten diese zu einem Gesamtvorschlag und einem Konzept, das am Freitag Abend den knapp 100 anwesenden Bürgern im Saal des Brauereiausschanks Schnitzlbaumer öffentlich vorgestellt wurde. 

Der ISEK-Prozess

Oberbürgermeister Christian Kegel machte deutlich, dass man vor gewachsenen Herausforderungen stehe, die passgenaue Lösungen erforderten. Dabei gehe es nicht nur darum, was kurzfristig realisiert werde, der ISEK-Prozess sehe vielmehr Projekte in einem zeitlichen Rahmen mehrerer Jahrzehnte vor. Er würdigte das bürgerschaftliche Engagement in den Werkstätten der vergangenen Monate: "Dass es funktionieren kann haben wir ihnen zu verdanken. Sie haben ihre Ideen eingebracht." 

Auch der in Klausur gegangene Stadtrat habe sich intensiv mit den Vorschlägen und Ideen beschäftigt. Herausgekommen sei nun ein Leitfaden, an dem man sich entlanghangeln sollte. "Ich glaube wir haben sehr vorzeigbare Ergebnisse" zeigte er sich von den ISEK-Resulatat überzeugt. Er würdigte die konstruktive Zusammenarbeit mit den externen Büros Schirmer Architekten und Stadtplaner und der CIMA Beratung und Management, die den ISEK-Prozess nun seit Mitte 2015 begleiten. Lob bekam auch die Regierung von Oberbayern, die den Beratungsprozess gefördert hatte. Die Vorstellung der Ergebnisse bedeute aber nicht das Ende des städtebaulichen Gesamtkonzepts: "Heute ist erst der Anfang" machte das Stadtoberhaupt deutlich. Man müsse sich nun - auch unter der Initiierung einer Lenkungsgruppe und einem fortwährenden Bürgerdialog - an die Realisierung der Projekte machen. 

Der von der Stadt Traunstein mit dem ISEK-Prozess beauftragte Professor Martin Schirmer hinterfragte in seiner Ergebnisvorstellung: "Wie will sich Traunstein in den nächsten Jahren entwickeln?" Die Ergebnisse seien eine Momentaufnahme der Projekte, die man als derzeit prioritär sehe. "Zügige Planung für so ein komplexes Thema" betonte der Stadtplaner, der nochmals die zurückliegenden Arbeitsschritte beschrieb. Es seien Daten erhoben worden, Stärken und Schwächen formuliert worden, daraus Ziele abgeleitet worden. "Das sind nicht alles Projekte die heute oder morgen realisiert werden müssen, das wäre auch gar nicht finanzierbar."

Vieles dürfte Wunschdenken bleiben 

Schirmer definierte Handlungsfelder wie die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, den man schwerpunktmäßig im Westen der Stadt angesiedelt sehe."Wohnen und arbeiten gehören zusammen." Eines der Handlungsfelder sei die Stärkung der Identität der Stadt. Auch der geschichtliche und landschaftliche Reichtum solle erlebbar gemacht werden.Im Handlungsfeld Mobilität und Verkehr gehe es darum, die Mobilität nachhaltig zu gestalten, den Radverkehr und das Parkraumangebot zu optimieren. Hier solle die Fahrradfreundlichkeit gestärkt werden. Viel Arbeit wartet auf die Mitwirkenden auch im Handlungsfeld Freizeit, Kultur und Tourismus. Chancen in Sachen Kultur sehe man am Karl-Theodor-Platz und der Bahnhofstraße.Für den Tourismus gelte es ein Alleinstellungsmerkmal Traunsteins zu entwickeln. Auch die Weiterentwicklung des Gewerbestandorts Traunstein sei eine der primären Aufgaben. Der Stadtplaner betonte, dass man sich auch über die eigenen Stadtgrenzen hinaus Gedanken um interkommunale Gewerbegebiete machen müsse. Die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und Städten eröffne Chancen.Als klares Handlungsfeld kristallisierte sich aus den vorangegangenen Bürgerwerkstätten auch die Thematik Energie und Klimaschutz heraus. Hier gäbe es Zielkonflikte. Eine historische Altstadt mit Sonnenkollektoren zugepflastert sei schwer vorstellbar. Es gehe um "stadtbildgerechte energetische Sanierung."

Viele Bürger aus Kammer und Rettenbach hatten ISEK als Chance für ihre Region gesehen. Entsprechen groß war die Präsenz in den Bürgerwerkstätten und auch bei der jetzigen Ergebnisvorstellung waren überdurchschnittlich viele Kammerer und Rettenbacher vertreten. Zielprojekte wurden hier mit einem Konzept für die Nahversorgung oder auch dem Bau einer Mehrzweckhalle definiert. 

Die vorgestellten Maßnahmen seien auf der Zeitachse zum Teil im Jahrzehntebereich zu finden. Und wenn diese dann "dran" seinen, gäbe es möglicherweise auch andere Prioritäten. Er machte deutlich, dass vieles wohl langfristig oder überhaupt nicht realisiert werden könne. "Wenn-dann" sei oft die Thematik. Man müsse beispielsweise für den Festplatz einen Alternativstandort finden. Dann gäbe es auch dort beispielsweise Entwicklungsmöglichkeiten zur Bebauung. Die ISEK-Aufarbeitung ziehe rund 70 Projekte nach sich. Aus der Prioritätenliste der Bürger und derer, die von den Stadträten ("ein sehr positives Zeichen, dass zwischen den Bürgern und den gewählten Vertretern eine hohe Schnittmenge besteht") als vorrangig definiert wurden, habe man für das kommende Jahr drei als vorrangig fixiert. Die Impulsprojekte seien die Entwicklung des Bahnhofsareal West, die Entwicklung Traunsteins zur Fahrradstadt und das Ortsteilentwicklungskonzept für Kammer-Rettenbach. 

Diskussionsrunde: "Aus Utopien entstehen Ideen"

Eine längere Diskussion war zwar nicht vorgesehen, trotzdem wollte man von Seiten der Stadt Traunstein die Bürger noch zu Wort kommen lassen. Nicht alle zeigten sich von den gezeigten Vorschlägen begeistert, mehrheitlich zeigte man sich aber sehr zufrieden mit den Ausarbeitungen und Projektideen. Dagmar Haid attestierte der Stadtverwaltung, dass gemachte Vorschläge immer "weggewischt" worden seien, was Oberbürgermeister Kegel so nicht gelten lassen wollte. Gerade in der Thematik rund um das Radfahren in Traunstein bemühe man sich sehr. "Die Situation in Traunstein ist keine leichte, aber ‚mit einem Wisch‘ wird bei uns nichts weggetan" machte das Stadtoberhaupt deutlich. Helga Mandl kritisierte, dass der Stadtrat die Jugend in ihrer Prioritätenliste nur auf Platz Vier eingestellt habe. "Die sollte bei uns auf Platz Eins sein." Auch die Transparenz und die Kommunikation der Ergebnisse der Arbeitsgruppe rund um das Jugendhaus sei ihrer Überzeugung nach verbesserungswürdig. Ernst Holl sagte: "Ich kann das Wort ‚Jugendzentrum‘ schon nicht mehr hören." Er kritisierte die fehlenden Übernachtungsmöglichkeiten in Traunstein. Auch die frühere Thematik Fußgängerzone am Stadtplatz und ihren Entscheidungsprozess brachte er auf das Tablett. "Man muss hartnäckig in Traunstein sein, dass man irgend etwas erreicht."

"Viele hätten ein bisschen mehr erwartet." 

Wolfgang Wörner konnte mit der ISEK-Präsentation wenig anfangen: "Ích bin von der Veranstaltung ziemlich enttäuscht." Er habe erwartet, dass man ein Ergebnis sehe. "Viele hätten ein bisschen mehr erwartet." Es seien Vorschläge gekommen, die zum Teil schon klar abgelehnt wurden, wie er am Beispiel der möglichen Bebauung des Festplatzes deutlich machte. "Ihre Ideen sind zu sehr aus der Luft gegriffen." Die Kritik brachte Tobias Spörlein auf: Man müsse ISEK als Chance sehen. Es werde immer zuerst geschaut, was man schlecht macht. "Es wird gestritten miteinander und es kommt nichts heraus." Er finde es gut, wenn eine neutrale Stelle die Chancen aufzeige, die auch Parteigrenzen sprengen könne. „Aus Utopien entstehen Ideen.“ 

Konrad Baur zeigte sich beeindruckt hinterfrage aber bei der Idee "Fahrradstadt Traunstein" was dann mit dem motorisierten Verkehr geschehe. Der Aktionismus und Tatendrang der vielerorts in Traunstein gezeigt werde, sei wichtig. Jürgen Pieperhoff führte nochmals die von Professor Schirmer gemachten Aussagen aus, dass ISEK eine Stoffsammlung sei. Es sei gut, dass die Stadt drei Projekte herausgegriffen habe, "um einfach mal anzufangen." Oberbürgermeister Christian Kegel machte abschließend deutlich, dass die Arbeit jetzt erst richtig los geht: "Das ist nicht das Ende eines Prozesses, sondern der Anfang." Es gäbe eine ganze Latte von Vorschlägen, mit drei Projekten starte man jetzt. Letztlich seien alle Ideen mit und von den Bürgern entwickelt worden. ISEK in Traunstein sei zu einem Erfolgsprozess geworden.

awi

Rubriklistenbild: © dpa

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