Stadtrat mit knapper Mehrheit dagegen

Kein Alkoholausschank im Jugendtreff

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Der Jugendtreff soll bis auf Weiteres in wenig geliebten Räumlichkeiten am Stadtplatz Traunstein bleiben. Dazu sollen angrenzend weitere Räume genutzt werden. Diskussionen gibt es um die Frage nach einem Ausschank alkoholhaltiger Getränke. Der Stadtrat schob der Idee des pädagogischen Fachpersonals jetzt aber mit Mehrheit einen Riegel vor.

Traunstein - „Wir wollen nicht eine zusätzliche Gaststätte einrichten“ sagte der Traunsteiner Oberbürgermeister Christian Kegel in der öffentlichen Sitzung des Stadtrats am Donnerstag Nachmittag.

Der Rat musste über die in der letzten Sitzung von Jugendreferent Thomas Stadler eingebrachten Idee beraten, kontrolliert Alkohol an Jugendliche im Traunsteiner Jugendtreff auszuschenken. Der Gedanke dabei, den auch Stadtjugendpflegerin Petra Breutel im Hauptausschuss mit einem eigenen Konzept dargelegt hatte sah vor, zeitlich begrenzt jeweils am Freitag von 19.00 Uhr bis 22.00 Uhr in der künftigen Jugendtreff-Erweiterung, im „CappuVino“, der angrenzenden ehemaligen Gaststätte im Brunnenhof des Rathaus, Alkohol auszuschenken. Die Überlegung dabei: Einen sinnvollen Umgang mit Alkohol pädagogisch begleiten. Außerdem erhoffte man sich damit an bestimmte Altersgruppen heranzukommen, die dieser Einrichtung sonst fern bleiben würden. Wie auch der Hauptausschuss, der mit 6:3 zwar für die Erweiterung aber gegen den Alkoholausschank stimmte, mochte sich auch der Stadtrat nicht recht für das Experiment erwärmen. Mit 14:11 gab’s in der Abstimmung ein „Nein“ für die Idee. Vorangegangen war eine zeitintensive (Grundsatz)-diskussion, ob Alkoholausschank und eine städtische Jugendeinrichtung miteinander vereinbar sind.

Kinderarzt Dr. Thomas Graf (Traunsteiner Liste) sagte, man dürfe nicht nur über Alkohol reden. Er regte an, „den Jugendlichen so viel Vertrauen entgegen bringen, Bier auszuschenken.“ Vorausgehen müsse natürlich die Prüfung des Alters der jungen Konsumenten. „Die bayerische Lebenskultur umfasst halt auch das Getränk Bier.“ Er gebe den Jugendlichen einen Vertrauensvorschuss, dass Diese Bier in Maßen trinken würden. SPD-Fraktionsvorsitzende Ingrid Boedecker sagte, es würden mehr Argumente dafür sprechen, „Jugendlichen einen kontrollierten und begrenzten Zugang ermöglichen.“ Junge Leute müssten lernen mit Alkohol richtig umzugehen. Daneben sei die Stadtjugendpflegerin mit ihrem Konzept dafür und auch ein Vertreter der Fachambulanz für Suchtkranke und der Jugendbeirat habe sich ebenfalls dafür ausgesprochen. Tatsache sei, dass Jugendliche auch rechtlich gesehen, ab 16 Jahren Alkohol im öffentlichen Raum trinken dürften. Alkohol solle im Jugendtreff, nur am Freitag, und nur ab 16 Jahren ausgeschenkt werden war ihr Fazit. Die sei auch früher im Traunsteiner Haus der Jugend so gewesen.

Walburga Mörtl-Körner (Grüne) vertrat den Standpunkt „Alkohol zu verbieten ist die einfachste Weise, damit zieht sich die Stadt aus der Verantwortung zurück. Damit lösen wir aber das Problem nicht.“ Jugendliche müssten lernen, Verantwortung zu übernehmen, man müsse ihnen vertrauen. „Das Verbieten bringt überhaupt nichts. Wir sehen überall das Vorglühen in der Stadt.“ Man müsse dem pädagogischen Personal des Jugendtreffs Vertrauen entgegen bringen. „Wir haben nichts verloren, wenn wir dem Jugendzentrum eine Probezeit geben.“ Parteikollege Thomas Stadler (Jugendreferent) betonte dass es viele Gründe für und gegen den Alkoholausschank gäbe. Er stelle sich auch die Frage der Haftung für die Stadt. Wenn Jugendliche selbst die Verantwortung für den Ausschank übernehmen, und auch lernten „nein“ zu sagen, lerne man Verantwortung. „Geben wir den Jugendlichen Verantwortung“ war sein Appell an die Räte.

Ursula Lay (UW) betonte hingegen ihr klares Nein. Ich sehe es nicht als unsere Verantwortung an, an Jugendliche Alkohol auszuschenken.“ In den Schulen gäbe es bereits ab der 1. Klasse Prävention gegen Alkohol. „ Sind unsere Gelder für den Jugendtreff nicht an der falschen Stelle eingesetzt, wenn ich Jugendliche nun in den Treff bekomme, wenn wir Alkohol ausschenke“ hinterfragte die Pädagogin. Sie sei absolut gegen das „Vorglühen im Jugendtreff.“ Neu-Stadträtin Isabelle Thaler (CSU) sagte man rede von zwei halben Bier. „Es ist nicht zielführend wenn man Jugendliche übermäßig geißelt und gängelt. Deshalb stimme ich ausdrücklich dafür.“ Parteikollege Karl Schulz sagte: „Niemand missgönnt der Jugend etwas, die etwas ausprobieren will. Die Frage ist, wo das stattfindet?“ Man übernehme als Stadt eine Art Garantenstellung. „Wenn was ist, dann steht’s o“ führte Schulz aus. „Wir als Stadt Traunstein müssen nicht alles machen, nicht unter der Garantenstellung der Stadt Traunstein.“

„Dann können wir auch das Frühlingsfest einstellen“

Dass Alkoholangebot unter städtischer Trägerschaft im Jugendtreff kein Einzelfall sei, machte Oberbürgermeister Christian Kegel deutlich: „Dann können wir auch das Frühlingsfest einstellen, die Stadt Traunstein ist Veranstalter.“ Christa Fuchs (CSU) hatte im Internet recherchiert und brachte verschiedene Beispiele anderer Jugendzentren im deutschsprachigen Raum auf das Tablett: „Ich kann nicht dem Alkoholkonsum im Jugendhaus zustimmen“ war ihr Fazit. Robert Sattler (SPD) sagte zum Vorglühen und möglicher Haftungen der Stadt Traunstein: „Da wird bereits mittags begonnen. Man kann nicht feststellen, wo der herkommt.“ Er stimme dafür, dass man im Jugendzentrum ausschenkt. Stephan Hadulla (Grüne) ging auf Feiern des Stadtrats ein, aber auch im Allgemeinen auf öffentliche, oft auch städtische Veranstaltungen und der Frage nach Autofahrten unter Alkoholeinfluss: „Bei uns ist es üblich, mit ein bis zwei Hoibe zu fahren.“ Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner (SPD) hinterfragte: „Trauen wir das der Frau Breutel zu oder nicht? Um das geht es. Wenn es nicht funktioniert, wird es sofort wieder abgeschafft.“ Ernst Harrecker (CSU) sagte, man könne den Kindern den Umgang mit Alkohol auch zu Hause lernen. „Ich bin dagegen, ich habe aber nichts gegen das Bier.“ Eltern und Erziehungsberechtigte würden möglicherweise mit der Stadt Traunstein streiten, wenn die Jugendlichen nach übermäßigem Alkoholkonsum einen Unfall bauen würden.

Foto/Text: Andreas Wittenzellner

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