Kliniken Südostbayern sind sich einig:

Krankenhaus-Reform eine "Themaverfehlung"

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Kliniken-Vorstand Elisabeth Ulmer, Aufsichtsratsvorsitzender Georg Grabner, Vorstandsvorsitzender Uwe Gretscher, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Siegfried Walch.

Traunstein - "Themaverfehlung": Die geplante Krankenhaus-Reform wird von den Kliniken Südostbayern rundweg abgelehnt - man befürchtet Budgetkürzungen und eine Bestrafung für bessere Versorgung.

Eigentlich will man in Berlin mit der Krankenhaus-Reform die Patientenversorgung stabilisieren und die Qualität der Krankenhausbehandlung nachhaltig verbessern - "aber dem wird man mit dem geplanten Krankenhausstrukturgesetz nicht gerecht", so Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Südostbayern am Mittwoch in Traunstein. Ganz im Gegenteil steige der Kostendruck weiter: "Wir müssten schlagartig eine Budgetkürzung von 0,8 Prozent hinnehmen, das wären 1,6 Millionen Euro die dann fehlen würden", so Gretscher. Ab Januar 2016 könnte die Reform wirksam werden.

"Zwang zum Personalabbau"

Seit Jahren kämpft man bei den Kliniken Südostbayern mit einem dicken Defizit. 2014 konnte man das Minus erstmals seit 2010 wieder verkleinern, auf nun 6,8 Millionen Euro - trotzdem wolle man an der schwarzen Null im operativen Geschäft 2016 festhalten. Das Patientenaufkommen werde auch in den nächsten Jahren steigen, mit einem Wachstum von 1000 Patienten jährlich rechnet man bei den Kliniken Südostbayern: "Aber ein mehr an Leistungen wird durch die Reform verhindert. Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Mitarbeiter, die sich in einer ohnehin schwierigen Lage rund um die Uhr für die Patienten einsetzen", so Uwe Gretscher. Durch den Entzug finanzieller Mittel entstehe dagegen ein "Zwang zum Personalabbau".

Krankenkassen-Lobby habe sich durchgesetzt

"Ein Frontalangriff auf den ländlichen Raum" nannte es Landrat Siegfried Walch. Größere Kliniken in den Zentren könnten leichter über die "Hürde Krankenhaus-Reform" springen als ländliche Kliniken - vor allem die Standorte Freilassing und Ruhpolding könnten dadurch Probleme bekommen. "Die Last wird noch mehr zunehmen, weil der Ärztemangel am Land auch bei uns kommen wird", so Georg Grabner, Landrat im Berchtesgadener Land. Der Altersschnitt der niedergelassenen Ärzte liege dort heute schon bei 58.

Profiteure der Reform seien nach einhelliger Meinung die Krankenkassen: "Die Kosten im Gesundheitswesen sollen vermindert werden. Die Kassen suchen nach Möglichkeiten, weniger Geld auszugeben und haben sich mit ihrer Lobby in Berlin durchgesetzt", so Walch. Dabei wurden in den letzten Jahren auch die Tarifsteigerungen von den Kassen nicht refinanziert und mussten von den Kliniken alleine getragen werden. Traunsteins Landrat hofft aber noch immer auf die Berliner Abgeordneten, das Gesetz zu stoppen: "Bei vielen herrscht dort große Skepsis." In Berlin wird heute eine zentrale Protestveranstaltung abgehalten, eine Kundgebung gegen die Reform gibt es auch in Wasserburg.

xe

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