Entwicklung des Einzelhandels

Traunstein überzeugt durch gute Noten!

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Traunstein - Laut einer Umfrage über die Entwicklung des Einzelhandels überzeugt die Kreisstadt Traunstein überwiegend durch gute Noten:

Mit der Entwicklung des Einzelhandels in der Stadt und im Landkreis Traunstein befasste sich das IHK-Gremium Traunstein, das rund 14.000 Unternehmen repräsentiert, unter der Leitung von Sparkassendirektor Werner Linhardt. Anhand der Studie „Vitale Innenstädte“, mit der das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) die Verbrauchermeinung über die Innenstädte erkundete, zeigte der Traunsteiner Stadtmarketingkoordinator Jürgen Pieperhoff auf, dass die Zentralität der Einkaufsstadt Traunstein vor allem vom Umland profitiert. „Drei Viertel der Kunden komme aus der Region“, sagte er. Bei der Umfrage überzeugt die Große Kreisstadt überwiegend durch gute Noten, beispielsweise bei der Gestaltung der Innenstadt, bei Ambiente und Atmosphäre, Sauberkeit und Gastronomieangebot.

Die „rote Karte“ erhielt Traunstein jedoch bei der Barrierefreiheit. Während das Wachstum im Einzelhandel seit 2006 stagniert, nimmt der Online-Handel mit zweistelligen Zuwachsraten weiter zu. Nicht so in Traunstein. Das Internet spiele für die Kunden keine Rolle, so Pieperhoff. 52 Prozent der Bevölkerung seien traditionelle Handelskäufer, die Geschäfte bevorzugten, in denen sie die Produkte anschauen und sich beraten lassen könnten. Sein Rat an die Einzelhändler war deshalb: „Machen sie etwas, was sie können, eine sympathische Einkaufsstadt sein. Im Internet können sie viel machen, aber wenig richtig.“

Die Händler würden bitteres Lehrgeld zahlen. Das Internet zu forcieren, wäre falsch. Man müsse den Kunden nur erklären, dass sie im Internet nicht billiger einkaufen. „Die Einzelhändler müssen ihrerseits zurück zum Verkaufen. Dazu brauche es Fachverkäufer und keine Regaleinräumer“, so Pieperhoff. Widerspruch erntete er jedoch von Dr. Robert Obermeier von der IHK für München und Oberbayern. Traunstein sei keine „Insel der Seilgen“, meinte er. Der mittelständische Einzelhandel sollte den E-Commerce in die Hand nehmen, bevor es andere täten. „Nutzen sie die Chancen, solange sie sie noch selbst nutzen können“, so Obermeier.

Ein weitere Punkt, den die Umfrage ergeben hat: Die Besucher Traunsteins sind treu. Die Stadt hat über 73 Prozent treue Kundschaft und hebt sich dadurch von anderen Städten deutlich ab. Sie kommen täglich oder mehrmals in der Woche. Dadurch produziert die Stadt einen Einzelhandelsumsatz, der einer Stadt mit 40. 000 Einwohnern entspricht. Den Druck des demografischen Wandels werde Traunstein mit 800 bis 1000 Neubürgern weniger spüren als Traunreut, wo die Jungen weggingen. Auswirkungen sah die Studie durch eine alternde Kundestruktur, einen Rückgang bei den Fachkräften und eine zunehmende kulturelle Vielfalt.

Druck spüre der Einzelhandel auch durch die Industrie, die immer mehr Waren auf den Markt bringe, und durch den Verbraucher, die im Geschäft alles finden wolle. Und das auf gleicher Verkaufsfläche. Auf eine erfreuliche Kaufkraftentwicklung im Landkreis Traunstein, die etwas über den Bundesdurchschnitt liegt, wies der Einhandelsexperte der IHK für München und Oberbayern, Georg Osterhammer, hin. Beim Kaufkraftindex pro Kopf hatte im Vorjahr die Stadt Tittmoning mit 126,7 die Nase vorn, erfolgt von Kirchanschöring (115,9) und Traunstein (110,5). Allerdings gehe der Anteil des Einzelhandelsumsatzes an den Konsumausgaben der Privathaushalte in Deutschland stetig zurück.

Mit der Kennziffer 282,8 beim Einzelhandelsumsatz liege Traunstein deutlich über dem Bundesdurchschnitt (=100). Seine Schlussfolgerungen lauteten: Traunstein verfügt bereits jetzt über einen hohen Kaufkraftzufluss. Die Innenstadt wird durch die Konversion der ehemaligen Kaserne im Norden und die Ansiedlung von Einzelhandelsflächen im Süden immer mehr in die Zange genommen. Die Stärkung der Innenstadt mit Magnetbetrieben ist daher notwendig. Ein Einzelhandelskonzept für Traunstein sollte erstellt werden, um die Handelsstruktur zu erhalten und die verbrauchernahe Versorgung zu sichern.

Die Stadt Traunstein habe ein „Integriertes Stadtentwicklungskonzept“ (ISEK), um die Stärken und Schwächen aufzudecken, erklärte dazu Oberbürgermeister Christian Kegel. Als zweiten Punkt nannte er die Landesgartenschau 2023. Jeder ausgegebene Euro komme doppelt zurück, war er überzeugt. Die Stadt habe darüber hinaus sehr viel zu bieten, nicht nur eine große Kaufkraft, sondern auch viele Dienstleistungen. „Wir haben alle Ämter und Behörden, die man sich vorstellen kann.“ In der Stadt gebe es über 14.000 Arbeitsplätze. Außerdem habe die Stadt ein Handelsangebot, um das Traunstein von vielen beneidet werde. Dies gelte es maßvoll weiterzuentwickeln. Die Ansiedlung von Einzelhandel im Werbepark Kaserne sei per se nicht schlecht, weil sonst die Menschen in Haidforst weite Wege für ihren Einkauf hätten. Auch das Gewerbegebiet in Haslach sei vernünftig, denn er versorge rund 4000 Menschen. Grundsätzlich sollte jedoch der Handel in der Stadt und das Gewerbe in der Peripherie angesiedelt sein.

Zudem würden aktuell zum Beispiel in der Bahnhofstraße und der Maxstraße Anstrengungen unternommen, um Leute zu animieren, wieder in der Innenstadt zu wohnen. Zur Barrierefrei meinte Kegel, es gebe einige Aufzüge von der unteren zur oberen Stadt. Der Nachteil sei Kopfsteinpflaster in der Innenstadt. „Leider wird der Stadtplatz immer als Synonym für fehlende Barrierefrei genommen“, bedauerte der Oberbürgermeister.

Pressemitteilung Günter Buthke

Rubriklistenbild: © dpa

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