Große Hilfsbereitschaft in Traunstein

SPD informiert zur Situation der Flüchtlinge

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Traunstein - „Wie sieht es bei uns in Traunstein mit der Flüchtlingssituation aus?“ Um das zu erfahren, waren zahlreiche Mitglieder und Gäste zum Informationsabend der Traunsteiner SPD in den Gasthof Haidforst gekommen.

Die Asyl-Sozialbetreuerin der Stadt Traunstein Barbara Kaulfuß sowie Natalia Wolf als Betreuerin der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer für die Arbeiterwohlfahrt sollten die Anwesenden über ihre Arbeit informieren. 

„Traunsteiner Netz“

Die dritte Bürgermeisterin Traudl Wiesholler-Niederlöhner berichtete zunächst vom „Traunsteiner Netz“,  wo Bürgerinnen und Bürger sich zusammen mit Sozialverbänden und Kirchen schon seit zwei Jahren ehrenamtlich um Flüchtlinge kümmern, aktiv begleitet von der Stadt Traunstein mit Peter Forster, dem Stadtratsreferenten für Soziales, Migration und Asyl. Das „Traunsteiner Netz“ unterstützt das „Cafe International“, wo sich Helfer und Asylbewerber unter Leitung von Monika Stockinger im evangelischen Gemeindesaal monatlich zum zwanglosen Informationsaustausch bei Kaffee und Kuchen treffen und Kontakte geknüpft werden können, die häufig zu weiteren Hilfsangeboten führen. Hinweise gibt es auf der Homepage www.traunsteiner-netz.de. Das nächste „Cafe International“ findet am kommenden Sonntag um 15 Uhr im Großen Saal hinter der evangelischen Kirche statt. 

Asyl-Sozialbetreuerin

In dieser Zeit seien noch weitere Flüchtlinge hinzugekommen. Deshalb habe sich die Stadt Traunstein schon frühzeitig entschlossen, mit Barbara Kaulfuß eine hauptamtliche Kraft als Asyl-Sozialbetreuerin einzustellen. Kaulfuß berichtete, dass derzeit in der Traunsteiner Innenstadt knapp 90 Personen dezentral in 13 Unterkünften, also Wohnungen, untergebracht seien, weitere zehn Personen seien angekündigt. Es wohnen hier zum Beispiel fünf Familien aus Afghanistan mit insgesamt 12 Kindern von zwei bis 15 Jahren, eine Familie aus Pakistan sowie eine Familie aus Syrien Diese Familie ist bereits anerkannt, müsste aus ihrer Unterkunft ausziehen, findet aber keine Wohnung. Die anderen warten schon längere Zeit auf ihren Bescheid. Weitere Einzelpersonen stammen aus dem Senegal, aus Mali, Tansania, Eritrea und Afghanistan. Dazu kommen die angekündigten 165 Flüchtlinge, die im Dezember im ehemaligen Telekom-Gebäude in der Seuffertstraße untergebracht werden sollen. Diese Einrichtung werde die Regierung von Oberbayern betreiben. Sicherlich würden auch dort ehrenamtliche Helfer gebraucht werden.

Für die Familien mit Kindern ist das größte Problem zunächst die Schulbildung. Dringend notwendig seien Übergangsklassen, aber dafür müsste der Freistaat Lehrer einstellen. Der Kinderschutzbund hilft mit Ehrenamtlichen bei der Hausaufgabenbetreuung. Die Voraussetzungen seien sehr unterschiedlich, so gebe es etwa in Afghanistan keine Schulpflicht, die Kinder könnten oft nicht einmal rechnen. Auch seien die Eltern zum Teil Analphabeten. 

Viele Flüchtlinge seien traumatisiert, haben Kinder und weitere Familienangehörige verloren. Dazu kommt die Angst vor bevorstehenden Abschiebungen, weil diese nach dem Beschleunigungsgesetz für Asylverfahren künftig schneller möglich sind. Außerdem seien Senegal und Ghana zu sicheren Herkunftsländern erklärt worden, so dass diese Flüchtlinge bald abgeschoben werden sollen. Auch nach Afghanistan kann offenbar jetzt abgeschoben werden, wobei das Land keinesfalls als sicher gelten könne, solange immer mehr Bundeswehrsoldaten nach Afghanistan entsandt werden müssen. 

Besserer Zugang zum Arbeitsmarkt

Der Zugang zum Arbeitsmarkt sei jetzt leichter, Praktika seien erlaubt, Leiharbeit sei seit kurzem möglich, wenn Asylsuchende länger als fünfzehn Monate hier sind. Gesundheitsvorsorge geht über die Sozialkasse des Landratsamtes, aber nur bei dringender Notwendigkeit oder akuten Schmerzen, so die Asyl-Sozialberaterin. 

Ehrenamtliche unterstützen

In der Kontaktstelle für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer im Selbsthilfezentrum der Arbeiterwohlfahrt in der Crailsheimstraße ist die Sozialpädagogin Natalia Wolf Ansprechpartnerin für alle Menschen im Landkreis, die sich ehrenamtlich als Flüchtlingshelfer einsetzen wollen (www.fluechtlingshelfer@selbsthilfe-traunstein.de) „Im individuellen Gespräch wird abgeklärt, wo und in welcher Weise sich der Bewerber einbringen kann. Was muss er beachten, wo kann er Hilfe bekommen?“ Für Natalia Wolf ist das ganz wichtig, um Enttäuschungen bei Helfern und Betreuten vorzubeugen. Zur Zeit habe sie achtzig Personen im Verteiler für ehrenamtliche Hilfe, vermittelt auch Paten. Außerdem unterrichtet sie unbegleitete minderjährige Flüchtlinge als Schüler in der Staatlichen Berufsschule 1. Es sei auch schon gelungen, einigen eine Lehrstelle zu vermitteln, so die Beraterin. 

Oberbürgermeister Christian Kegel lobte die geleistete Arbeit in der Asyl-Sozialberatung. Er wies darauf hin, dass Traunstein die einzige Stadt im Landkreis mit einer hauptamtlichen Asylberaterin sei. Auch er halte es für wichtig, dass die ehrenamtliche Hilfe gut koordiniert wird. Ein schwieriger Punkt sei die Wohnungssuche, wenn die Flüchtlinge als Asylbewerber anerkannt sind; auch Einheimische stünden schon auf den Wartelisten. Entlastung könne hier nur durch öffentliche Förderung von Neubauten erreicht werden. 

„Mia“ - Migranten in Arbeit

Bei der Volkshochschule gibt es vermehrt Kurse „Deutsch als Fremdsprache“ und mittlerweile auch Alphabetisierungskurse, das erläuterte Altoberbürgermeister Fritz Stahl als 1. Vorsitzender des VHS-Vorstands. Die Volkshochschule Traunstein habe ihr Programm dazu in letzter Zeit erweitert, manche Kurse müssten auch durch Spenden finanziert werden. Auch mit der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter Traunstein gebe es eine gute Zusammenarbeit, so beim Projekt „Mia“ (Migranten in Arbeit).

Abschließend zog Traudl Wiesholler das Fazit, dass das Wichtigste sei, die Kinder der Asylbewerber in Kindertageseinrichtungen und Schulen sowie Jugendliche und Erwachsene in Arbeit zu bringen. Zumindest sollte es ihnen möglich sein, sich zu beschäftigen. In Traunstein habe man schon gute Erfahrungen mit Hilfstätigkeiten am Friedhof oder beim Wertstoffhof gemacht. Die meisten Flüchtlinge hätten gute Arbeit geleistet und sich mit dem Personal angefreundet. „Es ist noch viel zu tun, aber so kann Integration funktionieren“, schloss die dritte Bürgermeisterin.

Pressemitteilung SPD Traunstein

Rubriklistenbild: © pa

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