Verschiedene Meinungen bei Infoveranstaltung

Landesgartenschau bleibt heißes Eisen

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Traunstein - Die Stadt stellte den aktuellen Planungsstand und die aktuellen Maßnahmen für die Landesgartenschau bei einer Infoveranstaltung vor. Dabei trafen viele verschiedene Meinungen aufeinander:

„Ich darf Ihnen versichern, dass eine Landesgartenschau und die damit verbundenen städtebaulichen Vorhaben uns alle zwar sehr herausfordern, aber ganz sicher nicht überfordern werden. Schließlich werden die Gelder nicht in einen Haushalt gesteckt, sondern auf alle Haushalte bis zur Landesgartenschau verteilt.“ Mit dieser Feststellung trat Oberbürgermeister Christian Kegel bei einer Informationsveranstaltung der Stadt über den aktuellen Planungsstand beziehungsweise die aktuellen Maßnahmen den Bedenken von Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat bezüglich der Finanzierbarkeit der Landesgartenschau 2022 in Traunstein entgegen.

Er könne diese durchaus verstehen, da man über nicht alltägliche Summen rede. „Diese haben wir aber schon einmal gestemmt, als es um den Neubau unseres Rathauses ging. Eine megawichtige Investition, die die Stadt ganz entscheidend vorangebracht hat“, betonte der Oberbürgermeister. Er erinnerte auch an die große Aufbauleistung der Traunsteiner Bürger nach dem Stadtbrand von 1851. Er sehe jetzt eine ganz große Chance für die Stadtentwicklung, denn etliche Projekte, die irgendwann ohnehin angepackt werden müssten, könnten jetzt unter Zuhilfenahme großer finanzieller Zuschüsse verwirklicht werden.

Bei Miteinrechnung der gewaltigen Fördersummen ergebe sich eine Mehrbelastung pro Jahr, die der Leistungskraft der Stadt absolut entspreche. Im Hinblick auf die geplante Tiefgarage auf dem Karl-Theodor-Platz meinte er, eine Tiefgarage müsse nicht automatisch von der Stadt gebaut und finanziert werden. Auch ohne die Landesgartenschau müsse der Platz saniert werden. Mit einer siebenstelligen Summe, die ohne Förderung zu schultern wäre. Wie bei einem Hausbau vergingen für die Landesgartenschau Monate der Vorplanung, der Angebotsvergleiche und der Abwägung.

„In der Öffentlichkeit wirkt dies auf den ersten Blick unbefriedigend, es ist aber nicht zuletzt aus vergaberechtlichen Gründen nicht anders zu machen. Daher bitten wir um etwas Geduld und viel Verständnis, dass eine sichtbare Veränderung, seien es ausgefertigte Pläne oder gar erste Baumaßnahmen, erst in einem zweiten Schritt vorgelegt werden können“, so Kegel. Die Erfahrungen aus allen Landesgartenschauen zeigten, dass sehr viele profitieren würden, denn eine große Anzahl an heimischen Firmen werde an den sehr großen Auftragsumfängen partizipieren.

Der heimische Handel, die Gastronomie und die Wirtschaft allgemein würden in nicht bekanntem Ausmaß zusätzliches Potenzial wecken. Traunstein werde seine Attraktivität als Wohn- und Arbeitsstandort weiter ausbauen können. Und am Ende profitiere die Stadt von ganz sicher erheblichen Steuerzuwächsen. Die Erfahrung aus den bisherigen Ausrichterstädten zeige, dass es nach dem Zuschlag überall eine ähnliche Unsicherheit, teilweise fehlende Akzeptanz und Bedenken wegen der Finanzierbarkeit gegeben habe. „Aber überall war man hochdankbar für das Ergebnis. Die Auswirkungen waren überall äußerst positiv und werden auch heute so von der Bevölkerung empfunden“, stellte der Oberbürgermeister fest.

Die Landesgartenschau sei eine einmalige Chance gerade auch für zukünftige Generationen. Sie ernteten eben nicht unkalkulierbare Schulden, sondern extreme Werte. Dem Ratsbegehren der Grünen konnte er nichts abgewinnen, nachdem bereits mehrere Jahre vergangen seien, in denen man intensiv über die Bewerbung diskutiert und abgewogen, man sich zweimal beworben und den Zuschlag bekommen habe. „Wenn dann hätte ein Bürgerentscheid, der aber vom Grundsatz von den Bürgern auszugehen hätte, vor der ersten Bewerbung um die Landesgartenschau Sinn machen können“, sagte Kegel. Er wies zudem auf den gewaltigen, nicht wieder gutzumachenden Imageverlust und die finanziellen Auswirkungen für Traunstein im Falle einer Rückgabe der Landesgartenschau hin.

Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard stellte das Konzept „Salz, Wasser, Landschaft“ mit den verschiedenen Bereichen Auwald, Triftweg, Sparzer Graben, Festplatz und Salzmanninsel vor, mit dem sich Traunstein um die Landesgartenschau beworben hat. Aber auch innerstädtische Projekte wie den Karl-Theodor-Platz, den Maxplatz, und das Bahnhofsquartier. Man wolle die Aufenthaltsqualität gemeinsam mit den Bürgern verbessern, damit diese sagen könnten, das sind unsere Ideen und Planungen. Mit der Saline wolle man die Geschichte Traunsteins aufleben lassen.

Wie schaut die Energieversorgung der Zukunft aus, könnte ein weiteres Thema sein. Wichtig seien auch eine gute Erreichbarkeit, Feste und Veranstaltungen. Diskussionen darüber sollten nicht von Vorurteilen geprägt sein. Die Geschäftsführerin der Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen, Dagmar Voß, erzählte Grundsätzliches darüber. Seit 1980 seien bei 31 Großveranstaltungen 336 Millionen Euro für Investitionen und 235 Millionen für die Durchführung ausgegeben worden. Gekommen seien 36,4 Millionen Gäste. Sie legte die einzelnen Zahlen der Landesgartenschauen in Deggendorf, Rosenheim und Würzburg vor. 80 Prozent der Aufträge seien in der Region vergeben worden. Dies sei ein Anschub für Handel, Gewerbe, Tourismus und Freizeitwert. 40 Prozent der Gäste seien über Nacht geblieben. Die ideellen Werte wie Image- und Prestigegewinn seien in Euro nicht aufzuwiegen.

Zudem sei die Landesgartenschau ein sommerlanges Fest mit zahlreichen Veranstaltungen. In der Diskussion hielt es Stadt Wilfried Schott für sinnvoll, die Bürger zu fragen. Der Oberbürgermeister hatte dazu seine Haltung bereits verdeutlicht. Wolfgang Wörner meinte, eine Vielzahl der Maßnahmen könne man auch über das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) verwirklichen. Bezüglich der Chiemgauhalle sei man mit dem Rinderzuchtverband im Austausch, sagte Kegel auf die Frage von Peter Perseis. Die Stadt werde nicht über die Köpfe hinweg entscheiden. Fördergelder seien Steuergelder, meinte eine Frau. Dazu sagte Kegel, die Fördergelder würden auf jeden Fall ausgegeben. „Wir möchten aber, dass sie bei uns ausgegeben werden.“ Ein anderer hatte Sorge bezüglich des Bahnhofsgebäudes.

Ob die Stadt denn schon mit der Deutschen Bahn wegen eines Ausbaus gesprochen habe. Der Bahnhof werde bis dahin barrierefrei sein, so der Oberbürgermeister. „Was bleiben will, muss sich wandeln“, sagte die Dritte Bürgermeisterin Traudl Wiesholler-Niederlöhner. Die meisten Bedenken könne sie nicht nachvollziehen. Der Stadtrat gehe mit dem Geld seiner Bürger verantwortungsvoll um.

Robert Gastager fragte nach den Risiken. Bei Projekten wisse man oft nicht, was herauskomme. Als Beispiele nannte er die Klosterkirche und die Güterhalle. Was sei, wenn man einige Flächen nicht bekomme? Gebhard sagte, die notwendige Flächen gehörten der Stadt. Die Tiefgarage werde untersucht, erst dann könne man sagen, wie es weitergehe. „Bei der Landesgartenschau geht es nicht um drei Blumen, sondern um eine große Chance für die Stadt, die wir ergreifen sollten“, betonte sie. „Wir müssen wegkommen von parteipolitischen Bedenken.

Die Befürworter haben kein Interesse an Schulden“, erklärte Thomas Miller, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Traunstein. Man sollte die große Chance ergreifen, um nicht in 15 Jahren sagen zu müssen, hätten wir doch etwas gemacht. Miller sprach sich für Informationsveranstaltungen aus, damit sich jeder einbringen könne. Für Jürgen Pieperhoff vom Deutschen Gewerbeverband waren Visionen ganz wichtig. „Wir müssen mit denen diskutieren, die Visionen haben. Die Kritiker gehören ins Controlling.“ Städte ohne Visionen seien zerfallende Städte. Städte, die nichts gemacht hätten, fehlten in den Geschichtsbüchern. Stadträtin Burgi Mörtl-Körner sagte, die Landesgartenschau sei eine Vision. Man müsse aber verantwortlich mit dem Geld der Bürger umgehen. „Die Landesgartenschau ist ein super Projekt, aber wir dürfen nicht unvorbereitet hineingehen“, unterstrich sie.

bjr

Rubriklistenbild: © xe

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