Traunsteiner Kreistag und Touristiker beraten

"Heiratsschwindel": Wie weiter nach geplatzter Fusion?

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Traunsteins Landrat Siegfried Walch.

Traunstein - Der Schmerz nach den gescheiterten Verhandlungen zur Fusion der Tourismusverbände sitzt auf Traunsteiner Seite noch immer tief: Wie soll man umgehen mit dem "Heiratsschwindel"?

"Ich habe einige Tage gebraucht, um das Ergebnis der Rosenheimer zu verarbeiten. Das war wie wenn einem kurz vor dem Ziel ein Bein gestellt wird." Tittmonings Bürgermeister Konrad Schupfner ist nicht der Einzige, der noch immer schwer enttäuscht ist über das einseitige Aufkündigen der Verhandlungen zur Fusion der Tourismusverbände. Schupfner war einer der Verhandlungsführer. Der plötzliche Rückzug der Rosenheimer - trotz einstimmiger Beschlüsse beider Seiten - wirft die Frage auf: Wie macht der Chiemgau-Tourismusverband nun weiter?

Offensive für Chiemsee und Achental

Am 8. März setzte sich der Vorstand vom Tourismusverband und sein Marketingbeirat zusammen. Es gilt nun bestmöglich alleine weiter zu arbeiten. Die Taktik: Eine Offensive für den Chiemsee und das Achental. "Wir müssen den Chiemsee jetzt in unserer Vermarktung in den Mittelpunkt rücken und die Kooperation mit den Chiemsee-Gemeinden, auch auf Rosenheimer Seite, suchen", berichtete Landrat Siegfried Walch auf der Kreisausschusssitzung am Dienstag in Traunstein.

Darüber hinaus will man die Marke "Chiemgau" auf den Prüfstand stellen und "schauen, wo man was verbessern kann". Auch für eine mögliche künftige Kooperation mit den Rosenheimer Touristikern will man die Hand weiter ausstrecken. Landrat Walch schlägt nun zumindest eine gemeinsame Dachmarke der beiden Landkreise vor - unter weiterhin getrennter Vermarktung: "Teils wird ja schon konstruktiv zusammengearbeitet, zum Beispiel der gemeinsame Stand auf der Tourismus-Messe ITB in Berlin, zusammen mit dem Berchtesgadener Land."

Rosenheim die Rechnung für den "Heiratsschwindel" schicken?

Befürchtet wird vor allem im Weltmarkt den Anschluss zu verpassen: "Im Tourismus gibt es weltweit jährlich ein Plus von fünf Prozent - wir machen aber nur ein Plus von 1,5 Prozent. Das heißt, wir verlieren jährlich an Marktanteilen", so Kreisrat Sepp Hohlweger (Grüne). Er schlug vor "ohne Emotionen" zu versuchen, die Rosenheimer Seite wieder an den Verhandlungstisch zu bekommen. Viele, aber nicht alle Kreisräte waren seiner Meinung:

"Welche Kosten und welchen Zeitaufwand hatten wir? Wir sollten prüfen, ob wir das den Rosenheimern nicht in Rechnung stellen könnten", so Heinrich Wallner (Bayernpartei), der das Ganze einen "Heiratsschwindel" nennt. Landrat Walch musste schmunzeln: "Ich hätte auch Lust, das zu tun, aber das machen wir nicht."

xe

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