Kostendebakel oder lohnendes Geschäft?

Dieses Fazit zogen die bisherigen LaGa-Städte

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Traunstein - Ausufernde Kosten und Konzepte ohne Nachhaltigkeit oder Imagegewinn und lohnendes Geschäft? Wir haben uns erkundigt, wie die Landesgartenschauen bei den vergangenen Ausrichterstädten liefen.

Gegner und Befürworter der Traunsteiner Landesgartenschau 2022 werfen mit Zahlen um sich, mobilisieren auf ihre Info-Veranstaltungen und werben für ein "Nein" bzw. ein "Ja" beim Bürgerentscheid am Sonntag. Vor allem mit drohenden ausufernden Kosten argumentierten die Kritiker von Anfang an.

Die Stadt will 16,5 Millionen Euro investieren und rechnet mit 9,5 Millionen Euro an Durchführungskosten. Auf der anderen Seite stehen mindestens 3,6 Millionen Euro an Förderungen in Aussicht. Man plant mit 800.000 Besuchern. Investitionen, Förderungen, Besucherzahlen, Planungs- und Durchführungskosten: Wir haben uns bei den vergangenen drei Ausrichterstädten Rosenheim, Bamberg und Deggendorf umgehört. Welches Fazit zog man dort?

Rosenheim 2010

Zwölf Millionen Euro plante man an Investitionen bei der Landesgartenschau 2010 in Rosenheim ein: "Die Planzahlen wurden dann auch eingehalten", so Pressesprecher Christian Schwalm gegenüber chiemgau24.de. Die Durchführung selbst kostete die Stadt 7,5 Millionen Euro. Zuschüsse vom Freistaat flossen mit insgesamt 3,6 Millionen Euro nach Rosenheim.

Eigentlich rechnete man bei der Stadt unterm Strich mit einem Minus von bis zu 1,5 Millionen Euro. Doch wider Erwarten kamen nicht die prognostizierten 800.000 Besucher nach Rosenheim, sondern 1,04 Millionen. So wurde die Landesgartenschau 2010 finanziell gesehen etwa ein Nullsummenspiel.

In Rosenheim stellt man aber auch die längerfristigen Folgen heraus: Schwalm spricht von einem "Jahrhundertereignis", das viel bewegt und angestoßen habe. Ein Beispiel ist das "Rosenheimer Sommerfestival", das jedes Jahr im Sommer im Gartenschau-Gelände des Mangfallparks stattfindet und bis 50.000 Musikfans in die Stadt lockt. Auch das durch die Landesgartenschau höhere Niveau an Übernachtungen 2010 konnte seitdem gehalten werden.

Bamberg 2012

In Bamberg, weit größer als Rosenheim, fielen die Investitionen 2012 höher aus: 17,7 Millionen Euro investierte die Stadt - gut drei Millionen Euro weniger als ursprünglich geplant. Die Durchführungskosten waren dagegen deutlich höher. Statt veranschlagten 12,7 Millionen kostete die Landesgartenschau in Bamberg gut 16 Millionen Euro.

Trotz Förderungen vom Freistaat in Höhe von 3,6 Millionen Euro machte Bamberginsgesamt ein Minus von 3,8 Millionen Euro - obwohl auch dort die Besucherzahlen höher waren, als ursprünglich angenommen: Statt den 750.000 kalkulierten, besuchten rund eine Millionen Gäste die Stadt.

"Eine Industriebrache konnte im Rahmen der Landesgartenschau zu einem neuen Stadtteil entwickelt werden", so Bambergs Pressesprecherin Stephanie Schirken-Gerster gegenüber chiemgau24.de. Öffentliche Parkanlagen, Wohnanlage, Spielplätze und ein Universitätscampus stehen nun auf dem alten Industriegebiet.

Deggendorf 2014

Für das Gartenschau-Gelände in Deggendorf wurden 2014 7,6 Millionen Euro investiert. Die geplanten Kosten konnten hier eingehalten werden. Darüber hinaus wurden im Zuge der Landesgartenschau aber auch weitere Städtebaumaßnahmen umgesetzt, etwa Stadthalle oder eine Parkgarage. Über 25 Millionen Euro wurden hier ausgegeben - jedoch mit deutlichen Kostensteigerungen im Vergleich zur Planung.

Ursprünglich rechnete man in Deggendorf mit einem Minus von 1,3 Millionen Euro in der Stadtkasse durch die Landesgartenschau: Letztendlich waren es aber nur 200.000 Euro, die man zuschießen musste. Ein Grund waren auch in Deggendorf die höheren Besucherzahlen: 805.000 Menschen kamen zur Landesgartenschau, 100.000 mehr als angenommen.

"Insgesamt ist es ein hervorragendes Ergebnis. Wir sind sehr stolz", so Waltraud Tannerbauer, Geschäftsführerin der Deggendorfer Landesgartenschau im Gespräch. Alleine zu den neu errichteten Spielplätzen in der Stadt würden noch heute auch Besucher aus Österreich kommen: "Auf dem ganzen Gelände ist noch immer fast so viel los, wie damals."

Auch Burghausen kam mit seiner Landesgartenschau 2004 in die Schlagzeilen. Das ohnehin deutliche Minus wurde durch eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs vom heurigen Februar nochmal größer: Weil bestimmte Aufträge nicht europaweit ausgeschrieben wurden, muss Burghausen 1,6 Millionen Euro an Fördergeldern an den Freistaat zurückzahlen.

xe

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