Prozess nach viermaligem Missbrauch in Mühldorf

So lautet das Urteil im Vergewaltigungs-Prozess

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Traunstein/Mühldorf - Anfang September wurde eine junge Frau nachts an der Innlände in Mühldorf brutal vergewaltigt. Am Donnerstagnachmittag fiel das Urteil gegen den Angeklagten.

Update 13.20 Uhr: Urteilsverkündung

Acht Jahre Haft für den Angeklagten - Mit diesem Urteil ist der Prozess gegen den 25-jährigen Senegalesen zu Ende gegangen. Das Gericht folgte in seinen Ausführungen der Staatsanwältin, dass der Angeklagte die Befragung der Geschädigten mit einem Geständnis hätte verhindern und ihr damit diese unangenehme Situation bei all den seelischen Wunden hätte ersparen können.

Weiter sieht es das Gericht neben der eigentlichen Tat als schwerwiegend an, dass der Angeklagte so lange die Tat abgestritten hatte. "Da haben sie uns angelogen", sagte der Richter. Erst nach einer "Bedenkzeit" in der JVA wäre er mit der Wahrheit herausgekommen.

Dass er sich am ersten Prozesstag bei der Geschädigten entschuldigte, könne das Gericht wie auch das Opfer selbst allenfalls zur Kenntnis nehmen. Das Strafmaß sei durchaus im unteren Bereich anzusiedeln, so der Vorsitzende Richter.

Update 12.24 Uhr: Plädoyers von Staatsanwältin und Verteidigung

In ihrem Plädoyer beschrieb die Staatsanwältin die Tat des Angeklagten als "schlimmsten Albtraum" und trug die Fakten noch einmal vor. Demnach habe der Angeklagte der Geschädigten das Handy entrissen, sie ins Gebüsch gezerrt und sie mehrfach vergewaltigt. Sie forderte ein Freiheitsstrafe von neun Jahren. Das Mindestmaß liege hier bei zwei Jahren. Die Nebenklägerin schloss sich dieser Forderung an.

Der Verteidiger hingegen forderte, hier nicht auf Biegen und Brechen ein abschreckendes Exempel statuieren zu wollen, wenngleich er die Schwere der hier vorliegenden Tat auch sehe. Zum Strafmaß sagte der Verteidiger lediglich, dass die Forderung der Staatsanwältin zu hoch sei.

Das Gericht hat sich nun zur Beratung zurückgezogen. Das Urteil wird gegen 12.30 Uhr erwartet.

Update 11.45 Uhr: Opfer soll geschrien haben

Im weiteren Verlauf des heutigen Prozesstages beschrieben mehrere Zeugen, wie sie in den frühen Morgenstunden das Opfer aufgefunden und erlebt haben. Ihren Aussagen zufolge soll die Frau verzweifelt geschrien haben. Zudem habe sie keine Hose angehabt oder sie erst kurz zuvor hochgezogen - in diesem Detail gehen die Zeugenaussagen auseinander.

Nach diesen Zeugen wurde ein Bewohner der Mühldorfer Asylunterkunft angehört. Er und der Angeklagte kennen sich aus der Asylunterkunft. Er wurde hauptsächlich zum Thema Alkohol befragt. Bei den Mengenangaben und welcher Asylbewerber am Abend noch dabei war, differierten die Angaben des Zeugen jedoch. Noch vor einer kurzen Unterbrechung sprach der psychiatrische Gutachter. Dieser beschreibt den Senegalesen in allen wesentlichen Anamnesepunkten als unauffällig. Was den Alkoholkonsum betrifft, sei der Angeklagte aber deutlich mehr als leicht betroffen. 

Anschließend werden die Plädoyers gehalten.

Update 10.30 Uhr: Erste Zeugenaussagen

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger wurden weitere Zeugen gehört. Ein Diensthundeführer der Polizei sagte aus, dass Flipflops am Tatort gefunden wurden. Der Geruch dieser Flipflops haben den Polizeihund eindeutig in die Asylbewerberunterkunft in Mühldorf geführt. Dort verlor sich jedoch die Spur. Das sei allerdings nicht ungewöhnlich, da sich in der Unterkunft viele Personen aufgehalten hätten. 

Daraufhin sagte eine Kriminalhauptkommissarin aus. Sie beschreibt den 25-Jährigen als sehr aggressiv. Als Bespiel führt sie den Transport in die Landshuter JVA an. Außerdem habe er sich geweigert, mit ihr zu sprechen. Ihrer Vermutung nach akzeptiere er Frauen bei der Polizei nicht. "Sie können mich jetzt auch gleich töten", soll er laut Aussage der Kriminalhauptkommissarin bei der Überführung gesagt haben.

Nach diesen ersten beiden Zeugenaussagen meldete sich der Angeklagte zu Wort: "Darf ich auch mal was sagen?" Er sei nicht aggressiv, er habe sehr wohl auf die Fragen der Polizei geantwortet.

Der Vorsitzende Richter entgegnete: "Wenn das Ihr Problem ist, haben Sie die Problematik nicht erkannt."

Vorbericht

Anfang September wurde eine junge Frau nachts an der Innlände in Mühldorf brutal vergewaltigt. Die 19-Jährige war gerade von einem Besuch im "Sinners" in Mühldorf auf dem Weg nach Hause, als sie – ihren Angaben zufolge – von einem dunkelhäutigen Täter in ein Gebüsch gezogen wurde. Dann verging sich der Mann an ihr. Nur einen Tag später konnte der mutmaßliche Vergewaltiger festgenommen werden. Es handelte sich dabei um einen zum Tatzeitpunkt 24-jährigen Asylbewerber aus dem Senegal.

Die Aussagen von Dienstag

Bereits am Dienstag musste sich der jetzt 25-jährige Senegalese vor dem Traunsteiner Landgericht verantworten- wegen vierfacher Vergewaltigung jeweils mit vorsätzlicher Körperverletzung sowie Handyraubs.

Dramatisch waren die Schilderungen des 19-jährigen Opfers: Der Asylbewerber habe ihr das Handy entrissen, die junge Frau gepackt und in ein Gebüsch gezerrt. Dort soll der Senegalese sie viermal brutal vergewaltigt haben. Erst Stimmen von der Straße hätten ihn vertrieben.

In seiner Aussage stritt der Angeklagte die Vergewaltigung ab. Nach seinen Angaben hat es sich um einvernehmlichen Sex gehandelt. Da er sich immer wieder in Widersprüche verstrickte und die DNA-Spuren eindeutig ihn überführten, legte ihm der Vorsitzende Richter Dr. Jürgen Zenkel nahe, ein Geständnis abzulegen; diesem Vorschlag kam der Mann jedoch nicht nach.

Urteil am Donnerstag erwartet

Am heutigen Prozesstag sollen zunächst weitere Zeugen gehört werden. Anschließend folgen die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung, bevor vermutlich noch heute das Urteil verkündet wird.

Wir sind beim heutigen Prozesstag im Gerichtssaal und berichten live von den Geschehnissen.

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Raphael Weiß

Raphael Weiß

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