Graffiti in Traunstein

Zeuge erwischt Sprayer auf frischer Tat

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Traunstein - Die Sprayer treiben seit Wochen ihr Unwesen in Traunstein. Gerade rechtsradikale Sprüche und Zeichen haben dabei stark zugelegt. Jetzt gelang es einem Zeugen, einen der "Künstler" abzulichten:

Update: Sprayer von Zeugen fotografiert

Wie die Polizei jetzt berichtet, sei es nun einem Zeugen gelungen, ein Foto von einem der Sprayer zu machen. Hier die Pressemitteilung der Polizei: 

Schon länger verunstalten politische Graffiti und gegenseitige Schmäh-Schriften von angeblichen Fußballfans die Bahnunterführung zwischen dem Axdorfer Kreisel und dem Kreisel am Haslacher Feld. Begonnen hat das Geschmier mit dem Symbol für Hammer und Sichel, das die Bahn trotz Bitte der Polizei nicht beseitigt hat. Neben gut gemeinten Botschaften, wie „NO NAZIS“ prangt jetzt beispielsweise auch ein A.C.A.B. dem Verkehrsteilnehmer entgegen.

Das Brückenbauwerk entwickelte sich nach und nach zur Plakatwand überwiegend eher unbegabter „Künstler“. Das hat jetzt wohl einen Mann geärgert. Mit einer Spraydose bewaffnet veränderte er bereits am letzten Donnerstag, 01.10.15, am helllichten Tage einige politische Parolen. So veränderte er unter anderem das Symbol für Anarchie (A im Kreis) durch Hinzufügen weniger Buchstaben zum Wort ARS…

Der Mann wurde allerdings bei seiner Tat von einem aufmerksamen Zeugen fotografiert. Die Polizei sucht nun nach dem älteren Sprayer. Ein Bild des Mannes will sie aber vorerst nicht veröffentlichen. Denn die Beamten sind sich sicher, dass der etwa 60 bis 70 Jahre alte, etwa 180 cm große Mann aus der näheren Umgebung kommt. Er ist mit dem Radl zur Unterführung gefahren.

Graffiti in Traunstein: Rechte Propaganda nimmt zu

Auch im restlichen Traunstein hat in den vergangenen Wochen und Monaten die Zahl der Graffiti mit rechtem Hintergrund stark zugenommen. "Wir haben in den letzten drei Wochen rund zehn solcher Fälle aufgenommen", so der Traunsteiner Polizeiermittler Jens Bär. Bis vor kurzem war er noch mit den Graffiti-Fällen betraut. "Mittlerweile sind die Ermittlungen an die Kripo übergegangen. Dort kümmert sich nun die Abteilung 'Staatsschutzsicherheit' darum." Doch woran liegt es, dass in letzter Zeit vermehrt rechte Propaganda an die Wände der Kreisstadt geschmiert wird? "Das hängt wohl mit der allgemeinen Entwicklung der Asyl-Thematik zusammen", meint Bär. Die Facebook-Gruppe "Dokumentation Rechter Aktivitäten Chiemgau" hat eine Sammlung an rechten Aufklebern, Plakaten, Flyern und Graffiti auf ihrer Seite angelegt:

Rechte Schmierereien in Traunstein

Doch wie will die Polizei den Schmierfinken jetzt Einhalt gebieten? "Die Kripo wird nun die uns bekannten, rechtsgesinnten Personen im Auge behalten. Zum Glück ist die Liste nicht so lang", erklärt Andreas Guske vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd. "Zudem schauen die Streifenbeamten jetzt verstärkt darauf, was sich dort tut." Aber das wichtigste für die Polizei sei die Unterstützung aus der Bevölkerung : "Darauf sind wir ganz stark angewiesen." Auch der neue Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Robert Kopp, hat den Volksverhetzern den Kampf angesagt: "Wir werden fremdenfeindliche Aktivitäten, wie die Brandlegungen oder auch das Anbringen von Schmierschriften mit beleidigendem oder volksverhetzendem Inhalt nicht hinnehmen und mit allem Nachdruck verfolgen! Die Bevölkerung bitten wir dabei um Unterstützung. Niemand soll sich scheuen uns verdächtige Wahrnehmungen über 110 mitzuteilen."

Das Graffito am Rupertusbrunnen am Traunsteiner Maxplatz.

Und wie steht es mit den Kosten dafür, die Graffiti wieder zu entfernen? "Die müssen Gebäudebesitzer erst einmal selbst übernehmen. Wenn sich ein Täter ermitteln lässt, dann muss das Geld von ihm eingeklagt werden", erklärt Bär. Für die Beseitigung des Graffito am Rupertusbrunnen mussten beispielsweise dieMitarbeiter des Traunsteiner Bauhofs anrücken. "Da der Brunnen aus Naturstein besteht, musste das Bild mit einer Drahtbürste mühevoll entfernt werden", so Carola Westermeier, Pressesprecherin der Stadt Traunstein. Für ein durchschnittlich großes Graffito würden so Kosten von mindestens 100 bis 150 Euro anfallen. Kein Pappenstiel also, wenn man sich die Vielzahl an Schmierereien so ansieht.

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