In Schönauer Flüchtlingsheim

Vergewaltigung seiner Ehefrau: Afghane muss ins Gefängnis

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Der angeklagte 31-jährige Asylbewerber (rechts) und sein Verteidiger Josef Knoll.

Traunstein/Schönau - Drohungen, Faustschläge ins Gesicht, Vergewaltigung der eigenen Frau - hat ein afghanischer Flüchtling im Schönauer Asylheim das seiner Frau angetan? Das Gericht kam zu diesem Ergebnis. 

UPDATE 17.05 Uhr - Das Urteil

Der Richter verliest das Urteil: Vier Jahre und sechs Monate Haft für den angeklagten Afghanen wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit Körperverletzung. Richter Zenkel verhängt dabei genau die Strafe, die die Staatsanwältin forderte.

Zenkel meint, das Opfer hätte die Scheidung in Deutschland sowieso erreichen können. Die Anschuldigungen hätte sie sich also gar nicht Einfallen lassen müssen. "Und die Verletzungen passen genau zur Vorgehensweise des Angeklagten", so der vorsitzende Richter. Auch einen Belastungseifer konnte der Richter beim Opfer nicht erkennen.

UPDATE, 16.30 Uhr - die Plädoyers:

Die Staatsanwältin sieht ihre Anklage vollumfänglich bestätigt: Vergewaltigung in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung. "Absolut unglaubwürdig" ist für sie dagegen der Angeklagte: Zuerst hatte er überhaupt nichts zugegeben, dann gestand er zumindest Schubser. Außerdem habe der Angeklagte gesagt, dass er oft Spaziergänge mache, aus Angst, ansonsten seine Frau zu schlagen.

Auch das Motiv, das der Angeklagte dem Opfer unterstellt, sei nicht nachvollziehbar und habe sich nicht bestätigt: "Die Geschädigte weiß, dass es kein Urteil braucht, um sich scheiden zu lassen. Das Motiv geht nicht auf." Dass die Zimmernachbarn in der Unterkunft nichts gehört haben, gewichtet die Staatsanwältin nicht so hoch: "Einer hat schließlich gesagt, 'Niemand mischt sich in die Angelegenheiten des Anderen ein'." Geht es nach der Staatsanwältin soll der Angeklagte für vier Jahre und sechs Monate hinter Gitter.

Das Plädoyer des Verteidigers: "Es geht hier um eine innereheliche Vergewaltigung", betont Verteidiger Knoll am Anfang: "Und wir haben nichts anderes als die Aussagen der Frau des Angeklagten. Außerdem hat sie in mehreren Fällen gelogen." Verteidiger Josef Knoll zählt eine ganze Reihe an "eklatanten Widersprüchen" in der Aussage des mutmaßlichen Opfers auf. "Von Polizeivernehmung zu Polizeivernehmung haben sich die Vorwürfe gegen meinen Mandanten gehäuft. Das ist nicht mehr glaubwürdig."

Knoll betont außerdem die Scheidungsabsichten der Frau seines Mandanten: "Sie hat selbst vor Gericht gesagt, dass ihre Eltern eine Scheidung nicht akzeptieren würden." Doch durch eine Vergewaltigung könnte sich das ändern, daher die "Motivationslage" des mutmaßlichen Opfers, wie der Anwalt sagt. Was die Verletzungen betrifft, beruft sich der Anwalt auf die Aussage des Mediziners, dass sie nicht unbedingt von einer Vergewaltigung kommen müssten. Der Verteidiger beantragt eine Strafe von 60 Tagessätzen wegen der Körperverletzung, ansonsten sei sein Mandant von den Vorwürfen freizusprechen.

Nach einer Pause wird der vorsitzende Richter Zenkel das Urteil fällen.

UPDATE 16 Uhr:

Der erste Zeuge am Dienstagnachmittag: Ein junger Asylbewerber, der in der Schönauer Flüchtlingsunterkunft direkt neben dem Angeklagten 31-Jährigen wohnt. "Hatten er und seine Frau eine gute Ehe?", fragt ihn Richter Zenkel. Der Zeuge hat nichts Negatives wahrgenommen, auch keine Schreie des mutmaßlichen 21-jährigen Opfers.

Kaum verlässt der Zeuge den Gerichtssaal fließen beim Angeklagten wiederholt die Tränen. Der Prozess zehrt an seinen Nerven - er erstreckt sich heute schon über den vierten Verhandlungstag. Ursprünglich war nur einer angesetzt, doch die Wahrheitsfindung stellt sich in diesem Fall wohl nicht so einfach dar.

Die nächste Zeugin: "Sie hat mir berichtet, sie wurde zum Sex gezwungen." Auch die Würgemale und Abschürfungen an den Oberschenkeln habe das Opfer ihr anvertraut. Außerdem bestätigt die Zeugin dem Richter: "Die Rede war von mehreren Vergewaltigungen." Bei Afghanen sei häusliche Gewalt ohnehin häufiger der Fall: "Am liebsten wäre sie in eine andere Unterkunft verlegt worden", so die Zeugin.

Nun werden Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers halten.

Der Vorbericht:

Richter Jürgen Zenkel wurde laut: "Sie wären gut beraten, es zuzugeben, wenn es passiert ist, um ihrer Frau eine Aussage zu ersparen. Das wäre dann wahrscheinlich auch der einzige Strafmilderungsgrund für Sie." Doch der angeklagte Asylbewerber stritt an den bisherigen Prozesstagen am 14. und 29. Juli vor dem Traunsteiner Landgericht beinahe alles ab, was ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft.

Im November 2015 soll der 31-jährige Afghane seiner Frau, die ebenfalls in der Unterkunft in Schönau am Königssee wohnt, zum ersten Mal gedroht haben: "Schlaf jetzt mit mir, Du bist meine Frau!" Er habe ihr gedroht, ihr ansonsten die Hände zu brechen. Am 16. Januar 2016 dann der nächste Fall: "Der Angeschuldigte schlug ihr mindestens zwei Mal mit der Faust auf den Kopf", so die Staatsanwältin, ehe er gegen den Willen seiner 21-jährigen Frau Sex mit ihr gehabt habe. Auch am Tag darauf soll es wieder Faustschläge gesetzt haben.

"Das sind Lügen! Ich schwöre auf den Koran"

Beim Angeklagten flossen wiederholt die Tränen: "Das sind Lügen! Es gab Diskussionen mit meiner Frau wegen der Familie und ich habe sie geschubst. Aber wir hatten keinen Sex. Ich habe heute den Koran dabei und werde vor allen Zeugen darauf schwören, dass das nicht stimmt."

Der Hintergrund: Seine Frau will sich schon länger von ihm scheiden lassen. Damit die "Schuld" für die Scheidung gegenüber den Familien nicht auf sie, sondern auf den 31-Jährigen zurückfalle, habe sich seine Frau die Vergewaltigungen ausgedacht, argumentierte der Angeklagte. Das 21-jährige, mutmaßliche Opfer blieb vor Richter Zenkel jedoch bei ihrer Version. Sie trug Blutergüsse, Würgemale und eine geschwollene Nase davon.

Ein Rechtsmediziner, der am zweiten Prozesstag geladen war, glaubte nicht daran, dass sich die 21-Jährige die Verletzungen selbst zufügte um ihren Mann zu beschuldigen - auch weil Spuren am Körper des Angeklagten von Gegenwehr zeugten. Aber: Ob die Verletzungen unbedingt von einer Vergewaltigung kommen kann der Mediziner nicht sagen.

Am heutigen Dienstag will das Gericht noch weitere Zeugen vernehmen: Die Leiterin des Flüchtlingsheimes in der Schönau und Asylbewerber, die im Zimmer neben dem des Angeklagten und seiner Frau wohnen. .

+++ Der Prozess wird um 15 Uhr fortgesetzt - BGLand24.de berichtet aus dem Gerichtssaal +++

xe

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