Kämpfen für Breitband

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Das Versorgungsgebiet, das bei diesem Ausbau eingeschlossen wäre. Die Kunden könnten, falls gewünscht, nach ihrer Vertragszeit bei anderen Anbietern mit ihrer Rufnummer zu marktüblichen Preisen zum neuen Anbieter wechseln.

Frabertsham - Die Frabertshamer wollen sich nicht damit abfinden, dass der Gemeinderat den Breitbandausbau für die 140 Haushalte nicht für wirtschaftlich hielt.

Nach ihrem leidenschaftlichen Eintreten dafür soll das nun noch einmal überprüft werden.

Der schnelle Internetzugang wird heute im privaten wie auch im wirtschaftlichen Bereich immer wichtiger. Doch in vielen ländlichen Gebieten, beispielsweise auch in Frabertsham, blieb er bisher Wunschtraum. Hier stellen Übertragungsgeschwindigkeiten unter einem Mbit pro Sekunde die Geduld der Internetnutzers schon mal auf die Probe und ein Fotoupload von 30 MB dauert hier satte 100 Minuten, während der Mitbürger in Obing diese Aufgabe in sechs Minuten erledigt hat.

Hoffnung keimte, als die Politische Alternative Obing (PAO) Anfang des Jahres beantragt hatte, größere Anstrengungen zu unternehmen, damit alle Bürger im Gemeindebereich Zugang zu schnellen Internetanschüssen erhalten. Von der Gemeinde sollte die dazu erforderliche Erschließung bereitgestellt werden, um die wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten zu fördern. Damit sollte die kommunikationstechnische Chancengleichheit geschaffen werden, die bereits in einer Resolution des Bayrischen Gemeindetags im Mai 2006 verabschiedet wurde.

Ein von der Gemeinde gestartetes Auswahlverfahren ermittelte schließlich eine Versorgerfirma für die Bereitstellung von Breitband-Internetanschlüssen in den unterversorgten Ortsteilen Obings, insbesondere für Frabertsham. Die Kosten für den Breitbandausbau wurden mit 145 000 Euro ermittelt, wobei 70 Prozent der Bausumme, jedoch höchstens 100 000 Euro Fördermittel zugesagt wurden.

Umso überraschender kam für die Frabertshamer dann die einstimmige Ablehnung des Bauvorhabens durch den Gemeinderat Ende März. Die Begründung, dass die Kosten zu hoch seien und man mit dieser Maßnahme nur Frabertsham versorgen könne und nicht alle unterversorgten Gemeindeteile, wollten Bartholomäus Pfisterer und Thomas Auer so nicht gelten lassen, da das Versorgungsgebiet auch Schabing, Niederham, Allertsham, Albertaich, Kirchholz, Reiterberg, Wolfegg und Helm mit einbeziehe. Spontan gründeten sie eine Bürgerinitiative, die über 130 Unterschriften sammelte und mehr Informationen über die modernen Anforderungen an das Internet, das Bauvorhaben und die Ablehnungsgründe der Entscheidungsträger haben wollten.

So gab es jetzt eine Informationsveranstaltung. Zum besseren Verständnis, stellte Peter Witt von der Obinger Firma wittweb dabei relative Geschwindigkeiten am Vergleich mit Wasserversorgung plastisch dar. Während sich in Obing die Badewanne in 4,35 Minuten fülle, tröpfle der Hahn in Frabertsham für die gleiche Menge zwei Stunden und 20 Minuten. Internet werde sowohl auf privater wie auch auf kommerzieller Ebene immer stärker genutzt und sei auch in der Förderung des selbstständigen Lernens nicht mehr wegzudenken.

Werner Rades von der Firma ip-fabric stellte im Anschluss das Angebot genauer vor. Demnach gehörten 141 Häuser zum Erschließungsgebiet, die Kosten beliefen sich, überwiegend für Tiefbau, Netzumbau- und Inbetriebnahme, auf 155 000 Euro. Möglich werde das Ganze nur, weil die Firma BEC dringend größere Kapazitäten benötige und als Großkunde den Ausbau in diesem Bereich interessant mache. "Ohne BEC kein Breitband", war hier die klare Aussage. Zudem habe die Firma zugesichert, sich mit 10 000 Euro an den Erschließungskosten zu beteiligen.

Falls man diese Chance verstreichen lasse, wäre auch der Zuschuss in Höhe von 100 000 Euro verwirkt, da dieser nur für das beantragte Bauvorhaben fließe und nicht auf andere Maßnahmen umgenutzt werden könne. "Es hilft also den Honauern oder den Ilzhamer nicht, wenn in Frabertsham nicht gebaut wird", betonte Rades. Ganz im Gegenteil. Mit der Inbetriebnahme dieses Teilbereichs eröffneten sich weitere Möglichkeiten für andere Gemeindeteile, die kommende Fördermaßnahmen möglicherweise nutzen könnten. Beispielsweise wäre es denkbar, den Ortsteil Ilzham an das Gewerbegebiet Pittenhart anzuschließen.

Schlecht sah es dagegen für die Besucher aus Gallertsham aus. Mit ihrer Schnaitseeer Vorwahl im Obinger Gemeindegebiete müssten sie auf eine Schnaitseer Breitbandinitiative warten, erläuterte Rades.

Christian Schmid, der in der Verwaltungsgemeinschaft mit dem Thema Breitbandversorgung betraut ist, vertrat die Meinung, der Bedarf an Bandbreiten im Internet werde sich in den nächsten Jahren so verstärken, dass man irgendwann sowieso nicht mehr um das Einziehen von Glasfaserkabeln herumkomme. Im Moment könne man sich noch mit der Technik über Funk behelfen, für die jeder Einwohner selbst sorgen könne und auch bezahle. Doch werde diese Übertragungsart zukünftig an Grenzen stoßen.

Nach der Veranstaltung sicherte Bürgermeister Hans Thurner zu, im Gemeinderat ein weiteres Mal zu beraten. Werner Rades bot an, das Gremium dabei eingehend zu informieren, da das Thema doch sehr umfangreich sei. Bartholomäus Pfisterer dankte den vielen Besuchern und dem fast vollzählig erschienenen Gemeinderat und wünschte dem Gremium "eine weise Entscheidung".

ca/Wasserburger Zeitung

Zurück zur Übersicht: Trostberg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser