Familie Marchner aus Garching endlich im Elternglück

Gericht: Jugendamt muss positiv berichten

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Jana und Dominik Marchner haben viele Hürden überwinden müssen, jetzt steht dem Familienglück mit bald drei Adoptivkindern nichts mehr im Wege. Das Kreisjugendamt hatte sich zunächst verweigert, einen positiven Sozialbericht abzugeben.

Garching - Die Marchners sind eine ganz normale Familie. Zwei Jungs wuseln im Wohnzimmer herum, lachen und spielen. Doch für die Eltern, Jana und Dominik wäre es ein großer Wunsch, dass endlich Ruhe in den Alltag einkehrt und sie ein drittes Kind adoptieren dürfen.

Eigentlich könnte alles gut laufen: Jana und Dominik Marchner aus Garching an der Alz sind seit vielen Jahren Pflegeeltern, haben schon einige Kinder zu sich genommen, meist im Babyalter. Den mittlerweile 6-jährigen Jonas durften sie 2015 auch adoptieren, Justin, der aktuell noch Pflegekind der Marchners ist, wird ebenfalls bald ein „Marchner“ sein. Doch es gab viele Hürden zu bezwingen: Denn Familie Marchner hat sich darum bemüht, ein drittes Kind zu adoptieren.

Es scheiterte am notwendigen Sozialbericht vom Jugendamt. Darin müsste erklärt werden, ob die Marchners in der Lage seien, als Adotiveltern fungieren zu dürfen. Den mussten sich Jana und Dominik Marchner jetzt vor dem Verwaltungsgericht einklagen. Als Gegner fungierte das Kreisjugendamt aus Altötting. Vom Jugendamt wurde nämlich ein Ablehnungsbescheid hinausgeschickt, obwohl die Marchners ja bereits Jonas als Adoptivsohn haben und auch das zweite Pflegekind, Justin, im März 2016 adoptieren dürfen.

Der Wunsch auf ein drittes Adoptivkind wurde ihnen vom Jugendamt nicht nur verwehrt, das Jugendamt soll den Marchners sogar angedroht haben, wenn der weitere Adoptionswunsch nicht zurückgezogen werde, würde die Behörde Jana und Dominik Marchner das Pflegekind Justin sogar entziehen. „Unmenschliches Verhalten und eine nicht einwandfreie Methode mit Eltern umzugehen“, finden Jana und Dominik Marchner. Unterstützung gibt es von Rechtsanwältin Dr. Sabine Mayer aus Neuötting, die die Marchners vor Gericht und gegen das Kreisjugendamts vertritt.

Gericht fordert positiven Sozialbericht für die Eltern

Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts nach intensiver Prüfung aller Unterlagen: Das Jugendamt muss einen positiven Bericht ausstellen. Dagegen hatte das Jugendamt zunächst Einspruch eingelegt. Doch jetzt beugt sich die Behörde der gerichtlichen Entscheidung und gibt einen positiven Bericht – quasi ein „Eltern-Prüfsiegel“. Der Einspruch wurde im Februar 2016 zurückgenommen.

Was war passiert?

Das Jugendamt hatte einen Ablehnungsbescheid herausgeschickt. Jana und Dominik Marchner seien nicht geeignet, um ein weiteres Kind zu adoptieren.

Die Mutter sei egozentrisch, es sei eine übersteigernde Vorstellung vom Elterndasein vorhanden, weitere negative Charaktereigenschaften wurden aufgeführt, auf die sich der Ablehnungsbescheid stützte. Wohl infrage kämen sie für weitere Pflegekinder. „Das ist doch verrückt“, findet Jana Marchner, die sich traurig darüber zeigt, dass die Kommunikation mit dem Kreisjugendamt in letzter Zeit äußerst wenig geworden sei und die Belange der Familie nie wirklich im V ordergrund standen für die Behörde.

Eine zuständige Mitarbeiterin des Jugendamts sei im Fall eingebunden und habe bis zuletzt versucht, Jana und Dominik Marchner eine weitere Adoption eines Kindes zu untersagen. Laut der Anwältin von Familie Marchner, Dr. Sabine Mayer, grenze die Aussage des Jugendamts im Ablehnungsbescheid auch nach Meinung des Gerichts an einer Beleidigung. „Es passt doch nicht zusammen, dass Familie Marchner für Jonas als Adoptiveltern sehr wohl als geeignet eingestuft wurden und jetzt weiterhin aber nicht“, zeigt sich auch Anwältin Dr. Mayer verwundert. Dies fragte sich auch das Verwaltungsgericht, hat deshalb auf den positiven Sozialbericht gepocht. Jana und Dominik Marchner seien laut Gutachten gute Pflegeeltern und die Bindung zum Adoptivsohn Jonas sei hervorragend. „Die Ansichten des Kreisjugendamtes sind aktuell einfach nicht nachvollziehbar“, findet Rechtsanwältin Dr. Sabine Mayer. In einem Schreiben an das Verwaltungsgericht hieß es von Dr. Mayer, die Begründung des Bescheids durch das Landratsamt sei absurd.

Jana und Dominik Marchner würden einen hervorragenden Ruf als Pflegeeltern genießen. „Nicht allen Ernstes kann das Kreisjugendamt Altötting behaupten, dass Jana und Dominik Marchner gut genug seien, Pflegekinder zu betreuen, aber nicht gut genug, um ein Kind zu adoptieren“. Dies scheine widersprüchlich, so die Anwältin aus Neuötting.

Kämpfen für das Glück

Jana und Dominik Marchner haben sich nicht unterkriegen lassen und die abwertenden Aussagen über sich ergehen lassen. Es kostete viel Zeit und Kraft, sich dagegen weiter zu wehren. Doch nun scheint es zum Happy End zu kommen. „Das Jugendamt muss den positiven Sozialbericht erstellen“, betont Anwältin Dr. Mayer. „Dies wurde so vom Verwaltungsgericht entschieden“, so Mayer. Es sei jedoch unschön, festzustellen, dass das Jugendamt Altötting sich so vehement gegen den Adoptionswunsch gestellt hatte, wohl aber Pflegekinder zur Familie lassen würde. Adoptivsohn Jonas tollt derweil glücklich im Wohnzimmer herum, er wirkt absolut zufrieden und gut versorgt.

Das Haus der Marchners ist kindgerecht eingerichtet, zwei Katzen machen den Spaß perfekt. Jonas erzählt beim Besuch unserer Redaktion in seinem Zuhause, dass er sich so freue, wenn sein Bruder Justin nun auch bald ein „Adoptionsfest“ im Garten hat.

Im März dieses Jahres soll der Adoptionsvorgang von Justin abgeschlossen sein, auch nach der Adoption von Jonas haben die Marchners 2015 ein Fest gefeiert. „Das war so schön“, lächelt Jonas. Justin wird auf jeden Fall ein Marchner. Das Adoptionsverfahren läuft. Und auch der Adoption eines dritten Kindes steht nun nach der Entscheidung des Verwaltungsgerichts nichts mehr im Wege.

Das Jugendamt Altötting hat den Einspruch zurückgenommen, muss einen positiven Sozialbericht abliefern und so der Entscheidung des Verwaltungsgerichts folgen. Für Jana und Dominik Marchner ist somit die Zeit als Pflegeeltern vorbei und sie werden bald drei Adoptivkinder haben.

Das selbst kinderlose Ehepaar aus Garching an der Alz möchte andere Eltern ermutigen, sich nicht vom Jugendamt irritieren zu lassen und den Familiensinn und die Pläne, Kinder zu adoptieren, mit guten Menschen an der Seite, zu verfolgen. „Für uns ist es das Größte, wenn wir jetzt dann Eltern von drei Kindern sind. Unsere Familie ist dann komplett“, heißt es von Dominik Marchner.

Der gelernte Krankenpfleger und seine Frau Jana wirken glücklich, doch auch vom Thema und der unschönen Behandlung und Degradierung durch das Jugendamt enttäuscht. „Es war eine wirklich anstrengende Zeit und wir hätten gerne unsere Energie in unseren normalen Familienalltag gesteckt, als in das Verfahren mit dem Jugendamt“, zeigen sich die Eltern genervt. Ihrem Familienglück steht nichts mehr im Wege.

Quelle: innsalzach24.de

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