Wann sind Arbeitsbedinungen krankmachend?

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Neukirchen - Wo hört der Spaß an der Arbeit auf? Post-Mitarbeiter aus dem Landkreis trafen sich kürzlich mit Bärbel Kofler, um Arbeitsbedingungen zu besprechen und zu hinterfragen.

Beschäftigte der Postnachfolgeunternehmen Post AG und Postbank AG, Zusteller und Schaltermitarbeiter aus drei Landkreisen, trafen sich im Gasthaus zur Post mit Helmut Haigermoser, dem Traunsteiner Kreisvorsitzendem der Arbeitsgruppe für Arbeitnehmer in der SPD (AfA) und der SPD-Bundestagsabgeordneten Bärbel Kofler um Arbeitsbedingungen zu besprechen und zu hinterfragen. Anlass zu diesem Treffen waren Bürgerbeschwerden die schon seit Monaten immer wieder im SPD-Bürgerbüro ankommen und Probleme bei der Zustellung und Situationen am Postschalter beschreiben.

Zu Beginn der Gesprächsrunde, zu der die AfA und die ver.di Betriebsgruppe Post eingeladen hatte, verlas Haigermoser einige Bürgerbriefe um die Problematik verdeutlichen zu können. In ihnen wurde von nicht erfolgter Postzustellung gesprochen, die in einzelnen Fällen bis zu einer Woche Ausfall bedeutete, Tageszeitungen wurden nicht zugestellt und in einem Fall erreichte dadurch die Einladung zur Gemeinderatssitzung nicht fristgemäß ihren Empfänger. Anton Stockklausner, der ver.di-Betriebsgruppenvorsitzende aus Freilassing machte daraufhin vehement darauf aufmerksam, dass es nicht an den Beschäftigten läge, wenn notwendige Dienstleistungen nicht wie gewohnt erbracht würden. Es seinen meist die betrieblichen Vorgaben, die inzwischen sehr oft zu krankmachenden Arbeitsbedingungen führe. Laufend durchgeführte Bemessungen führten zu einer schon nicht mehr zumutbaren Arbeitsverdichtung,

Überstunden würden im hohem Maß erwartet, der Stundenabbau ist dann aber selten im erwünschtem Umfang möglich. Mit einem Anruf im Urlaub muss immer gerechnet werden, um personellen Ausfall offensichtlich kompensieren zu können. Haigermoser dazu: Es gibt Vorgesetzte, die es hervorragend beherrschen, den Beschäftigten immer ein schlechtes Gewissen einzureden, dabei dürfe der Krankenstand nicht immer als Ausrede gelten, Fakt ist, es werden aus Budgetgründen einfach zu wenig Mitarbeiter beschäftigt. Ein Beschäftigter äußerte sich, „wir arbeiten ja gerne und viel für unseren Betrieb, für unsere Post, aber die Umstände sind oft schon menschenverachtend“.

Angesprochen wurde auch, dass es wohl nicht richtig sei, wenn der Gesetzgeber erlaubt, dass eine Kraft in der Zustellung nun schon acht Jahre, immer nur mit einem befristeten Arbeitsvertrag beschäftigt würde und die jeweilige Verlängerung oft nur einzelne Tage vor dem Ablauf zugesagt wird. Die Abgeordnete Bärbel Kofler führte dazu aus, dass es klare Beschlüsse der SPD Fraktion gäbe, um solche Beschäftigungsverhältnisse zukünftig klar einzudämmen, ändern könne man das aber nur, wenn man Regierungsverantwortung übertragen bekommen hat. Ein Kollege berichtete, dass es in der Region immer wieder vorkomme, dass Postschalter aus Personalmangel geschlossen würden. Ihm fehle da ein Aufschrei der Bevölkerung, die sich solche Zustände nicht gefallen lassen sollten.

Als Problem bei den großen Postbankfilialen sahen gleich mehrere Anwesende, dass der Arbeitsdruck dort wohl extrem hoch sei, die Schalter aber fast durchgängig unterbesetzt sind.

Als Kunde werde man auch auf die abenteuerlichsten Produkte angesprochen, so ein Anwesender. Dabei spiele es keine Rolle, ob die Warteschlange bis zur Eingangstür steht, dass man täglich am Schalter stünde, oder dass man unter Zeitdruck nur eine Briefmarke kaufen wolle. Haigermoser: „Die älteren Beschäftigten hätten es halt noch gelernt, dass der Kunde als „König“ zu behandeln ist, heutzutage ist es aber nur noch wichtig, einen Verkaufserfolg erzielt zu haben, egal ob der Kunde dies ursprünglich auch so wollte“. Dass Beschwerden, wie Burnout oder Tinnitus daraus entstehen, wird selten in Erwägung gezogen, dies wird inzwischen von Vorgesetzten aber schon fast als positiver Leistungsnachweis angesehen. Der Bundestagsabgeordneten Kofler wurden von der Versammlung mehrere Fragen auf den Weg nach Bonn zur Lösung mitgegeben, die den Versorgungsauftrag durch die Postnachfolge-unternehmen, aber auch soziale Beschäftigungspflichten der Konzerne betreffen.

Pressemitteilung Postbank Filialvertrieb Tacherting

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