Naturstein stammt oft aus Indien

Grabsteine aus Kinderarbeit: So greift Obing jetzt durch

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Obing - Ein Großteil der Grabsteine in Deutschland wird importiert - viele davon stammen aus Indien, wo Kinder in Steinbrüchen schuften. Die Gemeinde will dieser Praxis nun den Riegel vorschieben.

Nach Schätzungen stammt mindestens die Hälfte der Grabsteine auf Deutschlands Friedhöfen aus Indien, wo der Abbau meist unreguliert erfolgt. In den indischen Steinbrüchen arbeiten tausende Kinder, viele sind keine zehn Jahre alt. Die Fraktion "Politische Alternative Obing" stellte in der Gemeinderatssitzung am Dienstag deshalb folgenden Antrag:

"Grabsteine und Grabeinfassungen aus Naturstein dürfen nur aufgestellt werden, wenn sie nachweislich ohne Kinderarbeit hergestellt worden sind. Die Herstellung umfasst sämtliche Bearbeitungsschritte von der Gewinnung des Natursteins bis zum Endprodukt." Der Antrag wurde einstimmig angenommen

Bundesverfassungsgericht kippte 2013 bereits ein Verbot

Grabsteine aus Kinderarbeit sind in den Kommunen schon länger umstritten, doch oft fehlten noch Gesetzesgrundlagen. Beispiel Nürnberg: Dort kippte das Bundesverfassungsgericht 2013 ein ähnliches Verbot wie in Obing. Ein Steinmetz sah sich in seiner Berufsausübungsfreiheit eingeschränkt, das Gericht argumentierte mit einer fehlenden Gesetzesgrundlage. 

Im Juli 2016 hat der Bayerische Landtag nun aber das Bestattungsgesetz dahingehend erweitert, dass eine Verwendung von Grabmalen aus "ausbeuterischer Kinderarbeit" ausgeschlossen werden kann. Auch die Nachweispflicht ist dort geregelt - so hofft man nun auch in Obing, das Gesetz möglichst einhalten zu können.

"Hundertprozentige Sicherheit wird es nicht geben"

"Das Ganze wird jetzt erstmal in unserer Friedhofssatzung festgeschrieben. Die Betriebe, die Grabsteine aufstellen, müssen schon im Vorfeld Nachweise erbringen, dass die Grabsteine frei von Kinderarbeit sind", so Thomas Breu von der "Politischen Alternative Obing". Er verweist auf bestehende Zertifikate von Grabsteinen: "Ich hoffe, es gibt dann keine Zuwiderhandlungen, aber hundertprozentige Sicherheit wird es nicht geben."

xe

Rubriklistenbild: © Fotomont age pa

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