Planfeststellungsbeschluss an Bauamt übergeben

Umfahrung bietet Obing beste Entwicklungschancen

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Obing - Am Dienstag hat die Regierung von Oberbayern den Planfeststellungsbeschluss für die Ortsumfahrung Obing im Rathaus an das Staatliche Bauamt Traunstein als Vorhabensträger übergeben.

Der Planfeststellungsbeschluss ist die "Baugenehmigung" für diese Maßnahme und ist rechtswirksam vollziehbar, wenn nicht innerhalb eines Monats nach seiner Bekanntgabe bzw. vor Ablauf der Auslegungsfrist schriftlich Klage erhoben wird. Der Planfeststellungsbeschluss liegt vom 18.05 bis 31.05.2016 im Rathaus von Obing aus.

Chancen für Obing

Übersichtslageplan der OU Obing

Die 4,7 km lange Ortsumgehung bietet der Gemeinde Obing beste Chancen für die zukünftige Entwicklung, da nicht nur der Verkehr aus der rund 1,3 km langen Ortsdurchfahrt mit einem durchschnittlichen täglichen Verkehr im Jahr 2010 von bis zu 7.910 Kfz/Tag (werktäglicher Verkehr) und mit einer anteiligen Schwerverkehrsbelastung von durchschnittlich bis zu 1.250 Kfz/Tag herausgenommen wird sondern auch der bisherige Schleichverkehr auf der Seeoner Straße (ehemalige St2094) wirksam gelöst werden kann. So hat es die Gemeinde Obing nach dem Bau der Ortsumgehung selbst in der Hand, durch städtebauliche Maßnahmen (Parkbuchten, Grüninseln, Fußgängerbereiche) auf der heutigen B304, die dann zu einer Ortsstraße herabgestuft wird, den überörtlichen Schleichverkehr in Richtung Chiemsee über die Seeoner Straße fernzuhalten. Der Bund wird der Gemeinde für diese Umbaumaßnahmen den Geldbetrag zur Verfügung stellen, der für die Sanierung der Bundesstraße notwendig gewesen wäre, nachdem es keinen Sinn macht, heute noch die B304 für den Bundesstraßenverkehr in den dafür erforderlichen Fahrbahnbreiten zu sanieren.

Verglichen mit anderen Planungen für eine Bundesstraßenumgehung kann die Ortsumgehung Obing als "Turboplanung" bezeichnet werden, die meh- rere optimale Voraussetzungen hatte: So können die verkehrlichen Prob- leme von Obing auf eigenem Gemeindegebiet ohne Tunnel und Großbrücken realisiert werden. Daneben greift die OU Obing in keine kartierten Biotope, Naturschutz- oder FFH Gebiete ein.

Initiativen von Bürgern, Gemeinde, Politik und Bauamt

Initiativen der Bürger

Für die Planung gab es eine mehrheitliche Unterstützung durch die Bürger und die Gemeinde, die mit dem Wahlkreisabgeordneten Dr. Peter Ramsauer als "Geburtshelfer und Katalysator" einen weiteren Schub erhielt. 

Initiativen der Politik

In seiner Funktion als Bundesverkehrsminister hat Dr. Ramsauer veranlasst, dass mit Schreiben vom 17.12.2009 einem vorgezogenen Planungsbeginn zugestimmt wurde. Er hat sich immer wieder über den Fortgang der Planung informiert.

Im Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen aus dem Jahr 2004 ist die Ortsumgehung Obing im "Weiteren Bedarf" eingestuft. Der aktuelle Entwurf für den neuen Bundesverkehrswegeplan enthält die OU Obing nun im Vordringlichen Bedarf mit einem "Nutzen-Kosten Verhältnis von 3,6".

Das Staatliche Bauamt Traunstein hat diese optimalen Rahmenbedingungen gerne aufgegriffen und es mit einer intensiven Öffentlichkeitsbeteiligung (5 Gemeinderatssitzungen, 1 große Bürgerversammlung, 2 Grundbetroffenenversammlungen und zahlreichen Einzelgespräche) gemeinsam und in intensiver Zusammenarbeit mit der Regierung von Oberbayern als Planfeststellungsbehörde geschafft, dass nun nach gut 6 Jahren ein Plan- feststellungsbeschluss vorliegt.

Situation für die Anwohner

Abstand der Wohngebäude

Die Umgehungsstraße wurde im Rahmen der technischen Möglichkeiten und naturschutzrechtlichen Maßgaben so trassiert, dass die bestehenden Gebäude einen möglichst großen Abstand zur Straße haben. Die Ortsumgehung Obing liegt außerhalb bebauter Gebiete. Nur wenige Einzelanwesen sind durch die Maßnahme unmittelbar betroffen. Die Immissionsgrenzwerte für Lärmvorsorge werden bei den nächstgelegenen Anwesen um mindestens 3 dB(A) bis zu 14 dB(A) unterschritten.

Während sich in einem 50 Meter Streifen zur heutigen B304 in Obing 93 Wohngebäude und in der Seeoner Straße 35 Wohngebäude befinden, liegt an der neuen Ortsumgehung kein Wohngebäude in 50 Meter Abstand.

In einem 100 Meter Streifen zur heutigen B304 gibt es in Obing 165 Wohn- gebäude und in der Seeoner Straße 67 Wohngebäude. An der neuen Orts- umgehung liegen im 100 Meter Abstand 5 Wohngebäude, die allerdings bereits heute schon diesen Abstand zur B304 haben.

Ablauf des Planfeststellungsverfahrens

Mit Schreiben vom 20.02.2013 beantragte das Staatliche Bauamt Traunstein für die B 304 Ortsumgehung Obing das Planfeststellungsverfahren durchzuführen. Die Planunterlagen lagen in der Zeit vom 08.04.2013 bis 07.05.2013 im Rathaus von Obing öffentlich aus.

1. Tektur

Insbesondere nach den Erkenntnissen aus dem "Jahrhunderthochwasser 2013" hat das Staatliche Bauamt Traunstein den Plan teilweise geändert.  Anstelle einer Unterführung der Kreisstraße TS 8 unter der B 304 neu wird nun die Verknüpfung der B 304 neu mit der TS 8 durch einen Kreisverkehr hergestellt.

Außerdem wurde auch die Verknüpfung der B 304 neu mit der St 2094 und der GVS Obing - Kleinornach neu konzipiert und entsprechend dem Grundsatz, dass aufeinander folgende Knotenpunkte wegen der besseren Begreifbarkeit für den Kraftfahrer möglichst gleich ausgebildet werden sollen, nun ebenfalls als höhengleicher Kreisverkehr geplant. Dadurch konnte auch die Gradiente noch weiter abgesenkt werden.

Damit bei Hochwasserereignissen keine neuen Betroffenheiten durch Überflutung entstehen, wird es außer den oben angeführten Änderungen notwendig, in den Damm der neuen B 304 fünf Durchlasse und in die Gemeindeverbindungsstraße Pfaffing - Schalkham eine Flutmulde mit Geländemodellierung und Leitdamm ein- zubauen. So werden die Abflussverhältnisse bei Hochwasser gegenüber dem heutigen Zustand nach dem Bau der Ortsumgehung nicht verändert.

Wegen der Vielzahl der von den Planänderungen neu oder anders Betroffenen hat die Regierung von Oberbayern die geänderten Planunterlagen in der Zeit vom 07.04.2014 bis 06.05.2014 im Rathaus Obing erneut auslegen lassen.

Erörterungstermin

Die Einwendungen und Stellungnahmen wurden an 3 Sitzungstagen (21., 22.,24.07.2014) im Gemeindesaal von Obing erörtert. Aufgrund der Ergebnisse des Erörterungstermins hat das Staatliche Bauamt Traunstein die Planunterlagen angepasst und die Planänderungen als 2. Tektur vom 25.02.2015 in die Planunterlagen eingearbeitet.

2. Tektur

Im Wesentlichen handelte es sich um folgende Änderungen:

• Querungsmöglichkeiten für landwirtschaftlichen Verkehr

• Erschließung von Restflächen

• Regelung des Hochwasserabflusses im Bereich der GVS Stöttwies

• Verlegung des Anschlusses der GVS Jepolding

• Verschiebung des Anschlusses der GVS Hochbruck

• Verlängerung des Geh- und Radweges entlang der St 2094 neu

• Verlegung der Heckenstruktur für Fledermäuse

• Verlegung der Entwässerungsleitung in die KrTS 8

Das staatliche Bauamt Traunstein legte die geänderten Planunterlagen mit

Schreiben vom 27.02.2015 bei der Regierung vom Oberbayern vor und beantrag- te, das Planfeststellungsverfahren mit den geänderten Unterlagen fortzusetzen.

Die Regierung von Oberbayern hat die geänderten Planunterlagen in der Zeit vom

13.04.2015 bis 12.05.2015 in Obing erneut auslegen lassen.

Grundinanspruchnahme

Das geplante Bauvorhaben beansprucht dauerhaft ca. 14,4 ha Grund. Zusätzlich sind ca. 5 ha für naturschutzfachliche Kompensationsmaßnahmen vorgesehen.

Um für die betroffenen Grundeigentümer Tauschflächen zur Verfügung zu haben, wurden bereits rd. 8,3 ha Grund aufgekauft.

Künftige Verkehrsverhältnisse

Nach dem Bau der Ortsumgehung Obing wird der Durchgangsverkehr den Kern- bereich der Gemeinde Obing umfahren. Dies wird vor allem zu einem deutlichen Rückgang des Schwerverkehrsanteils in der Ortsdurchfahrt führen. Auch der An- schluss der St 2094 am östlichen Ortsausgang von Obing wird durch einen übersichtlichen und gut zu befahrenden Knotenpunkt mit der B 304 neu verknüpft. So wird die Umgehungsstraße auch für diejenigen Verkehrsteilnehmer attraktiv gemacht, die in Obing Richtung Süden abbiegen wollen und heute zum Teil Ge- meindestraßen, insbesondere die Seeoner Straße, belasten.

Durch die Verkehrsverlagerung auf die B 304 neu verringert sich das Verkehrsaufkommen in der Ortsdurchfahrt Obing deutlich. In Obing findet dann nur noch Quell- und Zielverkehr statt. Auf der Umgehungsstraße kann der überört- liche Verkehr frei fliesen. Im Mittel nimmt der Verkehr in der Ortsdurchfahrt vom Prognose-Nullfall mit 8.000 Kfz/24h (1.400 Lkw) zum Prognose-Planfall mit 3.400 Kfz/24h (davon 400 Lkw) deutlich ab.

Durch die Ortsumgehung wird die Ortsdurchfahrt Obing hinsichtlich des Gesamtverkehrsaufkommens gegenüber dem Prognose-Nullfall 2025 um ca. 64 % entlastet. Die Entlastung der Ortsdurchfahrt hinsichtlich des besonders störenden

Schwerverkehrsanteils beträgt sogar etwa 72 % gegenüber dem Prognose- Nullfall. Ferner werden durch die Verminderung von Lärm und Abgasen im Ort auch die Lebens- und Umweltqualität der Bewohner von Obing erheblich verbessert. Die Schallemissionen verringern sich in der Ortsdurchfahrt um bis zu 8 dB(A).

Eine neue Straße greift zwangsläufig in widerstreitende öffentliche und pri- vate Belange und Rechte ein. Eine 100 %iger Konsens mit allen Interessen ist leider bei keiner Infrastrukturmaßnahme erreichbar. Ziel einer Planfest- stellung ist es daher immer, eine sachgerechte Abwägung aller Belange vorzunehmen. Dies ist in Obing durch die guten Rahmenbedingungen gelungen und bietet nun der Gemeinde und ihren Bürgern Chancen, die es zu nutzen gilt.

Pressemitteilung Staatliches Bauamt Traunstein

Rubriklistenbild: © Staatliches Bauamt Traunstein

Zurück zur Übersicht: Obing

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser