Startschuss für Geothermie in Schnaitsee rückt näher

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Schnaitsee - Im Gemeindegebiet soll Geothermie regenerativ, kostenbewusst und emissionsfrei Strom erzeugen. An fünf Standorten im Molassebecken werden Projekte geplant, diese schreiten zügig voran.

Die Forever Green Group möchte Schnaitsee als zweites Projekt ihrer Pipeline zum Netzanschluss bringen und die Bohrungen noch im Laufe dieses Jahres niederbringen. Geologisch sind die Verhältnisse in der Region optimal für Geothermieprojekte. Die Forever Green Group möchte sich mit dem bald beginnenden Vorhaben der Geothermie in Schnaitsee an dem Auftrag beteiligen, auf effizientem Weg Energie zu gewinnen.

Durch diesen Beitrag zur Energiewende setzt die Forever Green Group ein Zeichen dafür, dass mithilfe von Geothermie Energie vollkommen nachhaltig, witterungs- und tageszeitunabhängig gewonnen werden kann. Weil dies alles auch besonders landschaftsschonend passieren soll, gilt es im Vorfeld bis ins letzte Detail zu planen und die Projekte richtig umzusetzen.

Umgebung prädestiniert

Die Meilensteine des Geothermieprojektes für Schnaitsee starteten bereits vor einigen Jahren:

06/2012: Eintragung der Gesellschaft in das Handelsregister

03/2013: Fertigstellung der POS-Studie (Possibility of success / Machbarkeitsstudie)

11/2013: Kooperationsvereinbarung mit Kommune über Ausweisung Sondergebiet Geothermie (B-Plan-Verfahren)

10/2014: Aufstellungsbeschluss durch die Gemeinde zum Sonderbebauungsgebiet Geothermie

12/2014: Erwerb der Grundstücke zur Ansiedlung der Anlage

12/2014: Abgrabungsbeschluss der Gemeinde Schnaitsee

04/2015: Annahme des B-Plan-Verfahrens durch den Gemeinderat Schnaitsee mit 16:0 Stimmen

04/2015: Entwicklung Bürgerbeteiligungsmodell zur Errichtung eines Fernwärmenetzes

05/2015: Erteilung der Abgrabungsgenehmigung zum Beginn des Bohrplatzbaus

 

Die Bohrungen sollen noch bis zum Ende des Jahres erfolgen.

In einigen Teilen Oberbayerns finden sich absolut passende Voraussetzungen für Geothermieprojekte. Die Wärme im Erdinneren der geologisch ausgewählten Ortschaften erscheint ideal für die nachhaltige Energieform. „Wir möchten mit viel Transparenz und Schritt für Schritt gemeinsam mit Kommunen und Bürgern unsere Projekte realisieren“, erklärt der Geschäftsführer der Geo Kraftwerk FG Schnaitsee I GmbH, Johannes Falk. Vier Jahre sind seit dem ersten Gedanken, Schnaitsee als Projektstandort zu realisieren, vergangen. Seitdem wurde in Absprache mit der Bürgerschaft der Standort verschoben, Ideen und Ansprüche in Bezug auf Lärmschutz und Landschaftsbild gefestigt und die Kommunikation zwischen den Beteiligten und Betroffenen deutlich verbessert. „Die zunächst festgefahrene Situation hat sich insgesamt positiv entwickelt“, heißt es aus dem Rathaus Schnaitsee.

Zeitlich steht der Startschuss bevor

In den nächsten Jahren muss das erhaltene Bergrecht an den angedachten Standorten zur Energiegewinnung genutzt werden, sonst könnte die Forever Green Group die Bergrechte verlieren, ein anderer Investor käme ins Spiel. „Es liegt uns wirklich am Herzen, alle Beteiligten eng mit in die Planungen und Ausführungen einzubeziehen und die Geothermieprojekte sehr bürgerfreundlich zu gestalten“, erläutert Johannes Falk.

In Schnaitsee kam man vor einigen Monaten mit dem grundsätzlichen Ja des Gemeinderats zur Geothermie in Schnaitsee dem Beginn der Projektumsetzung ein großes Stück näher. „Das Verfahren kann aus unserer Sicht aufgrund des Aufstellungsbeschlusses zügig vorangetrieben werden“, erklärt Josef Pfenninger vom Bauamt der Gemeindeverwaltung Schnaitsee, „damit baurechtlich alles in trockenen Tüchern ist“. Derzeit läuft es mehrgleisig. Der Abgrabungsantrag für die Vorbereitung des Baugeländes wurde mittlerweile vom Landratsamt Traunstein baurechtlich genehmigt. Ein Abstimmungstermin mit allen Behörden brachte Klärungen in Bezug auf die Ausgleichsflächen, die untere Naturschutzbehörde ist hier in besonderem Maße involviert. „Es kann nur gemeinsam funktionieren, aber genau das ist uns auch wichtig, um die Geothermie in Schnaitsee zu einem für alle erfolgreichen Projekt zu machen“, so Johannes Falk.

Der zuständige Planer der Firma Logo verde hat Vorschläge diesbezüglich unterbreitet, darüber wurde erst kürzlich erneut beraten. Parallel dazu läuft das Aufstellungsverfahren für die baurechtlichen Belange. „Wir sind in ständigem Kontakt zum Geschäftsführer der Geo Kraftwerk FG Schnaitsee I und dem Planer. Der Beginn ist nun absehbar, da die Genehmigung für die Abgrabung und somit die Möglichkeit des Bohrplatzbaus vorliegt “, erklärt Josef Pfenninger. Derzeit befindet sich die Forever Green Group auf allen Ebenen in den notwendigen Genehmigungs-verfahren. Beim Bauleitplan-Verfahren wird aufgrund des vom Gemeinderat gefassten Aufstellungs-beschlusses demnächst die Beteiligung der Fachstellen in Abstimmung mit den Bürgern in Angriff genommen. Dieses Verfahren stellt derzeit die zeitlich größte Unwägbarkeit dar, da mehr als 30 wichtige Träger beteiligt, Stellungnahmen eingeholt werden und die Genehmigungsreife umfängliche Vorarbeiten erfordert. Aktuell gebe es für die Gemeinde Schnaitsee lediglich den verwaltungstechnischen Aufwand, heißt es aus dem Rathaus. Geld in die Hand nehmen müsste die Kommune derzeit nicht. Auch die Infrastruktur müsse durch die Forever Green Group getragen werden. Die Erschließung der Zufahrt von der Gemeindestraße bis hin zum geplanten Standort gelte als wichtiger Punkt und Auftrag für die Forever Green Group. „Wir freuen uns darauf, das Projekt weiter zu erarbeiten und dann starten zu lassen“, betont Geschäftsführer Johannes Falk.

Sobald die notwendigen Erdarbeiten erfolgt sind, kann mit dem Bohrplatzbau begonnen werden, worauf in direkt zeitlichem Anschluss der Bohrturm errichtet wird. Es sollen drei Bohrungen mit je ca. 100 Tagen Durchführungsdauer niedergebracht werden, bevor das Equipment den Bohrplatz wieder verlässt. Im Anschluss an die Bohrungen wird ein sogenannter Langzeitpumptest durchgeführt, der Aufschluss über die Nutzungsmöglichkeiten des Reservoirs gibt und schlussendlich die Größe der geothermischen Anlage festlegt. Aus zwei Bohrungen sollen je 110 l Wasser gefördert werden. Die dritte Bohrung dient der Reinjektion von 220 l Wasser.

Geothermie in Schnaitsee – was kommt und wie wird es?

Geothermie als Chance für Schnaitsee

Erneuerbare Energieform für nachhaltige Zukunft

Kommunaler Beitrag zur Energiewende Förderung des Umweltschutzes

Einsparung von CO2

Regionale Energieversorgung: Aufbau eines Nah- und Fernwärmeversorgungsnetzes in Schnaitsee

Regionale Wertschöpfung Finanzierungsmodell mit Möglichkeit der Bürgerbeteiligung

Förderung der gewerblichen Entwicklung

Gewerbesteuer verbleibt in Gemeinde

Möglichkeit zur Wärmeabnahme für landwirtschaftliche Nutzungen (z. B. Gewächshäuser)

Schaffung von Arbeitsplätzen

Schonender Umgang mit Grund und Boden

In Schnaitsee ist ein Verstromungsprojekt angedacht. Für eine Thermalwasserzirkulation wären 3 Bohrungen vorgesehen, die von einem einzigen Bohrplatz die geothermalen Bohrziele in 3 - 4 km Tiefe erreichen. Das geförderte Thermalwasser kann je nach Abnahmesituation und Bohrungsauslegung zur alternativen oder gekoppelten Bereitstellung von Wärme und Strom dienen. Besonders wichtig ist dem Geschäftsführer der Geo Kraftwerk FG Schnaitsee I GmbH Johannes Falk, die Selbstverpflichtung seines Unternehmens darzulegen. „Beim Immissionsschutz werden wir die Grenzwerte nicht annähernd erreichen. Diese lägen im Dorfgebiet bei 60 dB (A) tags / 45 dB (A) nachts. Unsere freiwillige Selbstverpflichtung wird bei 37 dB(A), nachts, im Dauerbetrieb der Anlage liegen“, betont Falk. Dies war vor allem auch ein wichtiges Kriterium für die positive Entscheidung im Schnaitseer Gemeinderat, der diesen Aspekt gerade im Hinblick auf die Belange der Bevölkerung im Gemeindegebiet herausstellte.

So wird ein Geothermie-Kraftwerk errichtet

Die notwendige Tiefe von zwischen 3.800 und 3.950 Meter müsste erreicht werden. Die Bohrpfadlängen liegen zwischen ca. 4.200 und 4.800 Meter. Es werden 20 Meter lange Rohrstücke während der Bohrung miteinander verbunden. Mehrere Bohrungen ergeben ein geschlossenes System zur Förderung des heißen Wassers sowie der dazugehörigen Reinjektion. In dieser, der dritten, Bohrung wird das abgekühlte Wasser zur erneuten Erwärmung in die Erde zurückgeführt. Nach Montage der Wärmetauscher, der Turbine und des Wärmeübertragers für das Nahwärmenetz kann die Anlage eingefahren werden und an das Netz gehen.

Positiv-Beispiel

Aktuell blicken interessierte Augen nach Kirchweidach. Das dortige Geothermieprojekt trägt hier erste Früchte – und das wahrhaftig und nicht sprichwörtlich gesehen. Das Geothermiekraftwerk liefert Heizenergie für einen großen Agrarbetrieb. Gemüseanbau, wie im beheizten Gewächshaus in Kirchweidach praktiziert, gilt in Deutschland momentan als Pionierleistung. „Wir freuen uns, dass dieses Tun gut gelingt und sind sehr glücklich, dass wir zeigen können, wie besonders und effektiv geothermale Energie ist“, heißt es von Johannes Falk. Zufrieden wirken nicht nur die Verantwortlichen der Forever Green Group. Auch der Gemüsebauer und Gewächshausbesitzer Josef Steiner ist angetan von der Energiequelle und dem Gelingen der Zusammenarbeit zwischen der Geothermie und seiner Gemüseproduktion. „Nicht überall ist so eine Nutzungsmöglichkeit sofort umsetzbar, doch planbar seien viele Ideen für zufriedenstellende Projekte in der Region, die die Geothermie bestmöglich verwenden könnten“, so Johannes Falk auf Nachfrage. Falk betont stets, dass die Bürger bei den Planungen an jedem vorgesehenen Standort immer bestens informiert und gut in die Schritte der Projekte eingebunden werden sollen. „Diesem Anspruch bleiben wir treu“, heißt es vom Geschäftsführer der Geo Kraftwerk FG Schnaitsee I GmbH abschließend.

FG Schnaitsee I GmbH

Zurück zur Übersicht: Schnaitsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser