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Tachertinger setzen sich im Rahmen des UVA-Vereins für den Erhalt der Alzauen-Lebensräume ein

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    • 10.09.12
    • Tacherting
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Anwohner kämpfen gegen geplanten Kiesabbau

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Tacherting - Aus Angst vor der massiven Lärm- und Staubbelästigung und dem Verlust der Wohnqualität gründeten Bewohner das Projekt "Kein Kies in der Wies!"

© UVA

Die geplante Kiesgrube treibt die Tachertinger um. Nun sind sie geschlossen dem UVA beigetreten. Unser Bild zeigt: Die einstimmig gewählten Sprecher der 55 köpfigen Projektgruppe "Kein Kies in der Wies!" Von rechts: UVA-Vorsitzende Gisa Pauli, erster Sprecher Rektor Dieter Flessa, die Stellvertreter Lisa Hainzel, Anton Meinlschmidt, Willi Pscherer und UVA-Stellvertreter Reinhold Schopf.

Mit dem geplanten Kiesabbau in Straß/Wiesmühl wird sich künftig der Umweltschutzverband Alztal und Umgebung (UVA) beschäftigen. Die Anwohner fühlen sich von Benno Wiesers Großprojekt überrollt und sind verärgert über die zu erwartende Lärm- und Staubbelastung – direkt vor ihren Gärten.

UVA-Vorsitzende Gisa Pauli kritisierte die mangelnde Bürgerbeteiligung. Den Verlust von Wohnqualität jedoch wollen die Tachertinger nicht hinnehmen. Nun sind sie beim Treffen im Gasthof zur Post geschlossen dem Verein beigetreten und haben das UVA-Projekt "Kein Kies in der Wies!" ins Leben gerufen. Damit will die 55köpfige Gruppe für den Erhalt der Auen-Lebensräume kämpfen. Erster Sprecher ist Rektor Dieter Flessa. Die Stellvertreter sind: Willi Pscherer, Elisabeth Hainzel und Anton Meinlschmidt.

Wie die Initiatoren der Versammlung Dieter Flessa und Willi Pscherer den Zuhörern mitteilten, umfasse der Kiesabbau 900.000 Kubikmeter auf sieben Hektar Fläche und betreffe die Landkreise Traunstein und Altötting. Nach 15-jähriger Abbauarbeit sehe der Plan einen Natur- oder Badesee vor. Für die gesamte Fläche benötige Benno Wieser die Zustimmung von drei Gemeinden. Engelsberg und Feichten haben dem Vorhaben der Firma Alz-Kies-Recycling zugestimmt.

Tacherting sei mit einem Anteil von 6.000 Quadratmeter von der Planung betroffen und habe die Abstimmung erstmal verschoben. Was Flessa besonders ärgert, sei die Art und Weise, wie Benno Wiesers Antrag gezielt vor der Sommerpause eingebracht, von den Räten durchgewunken und am Bürger vorbei jongliert wurde. Den Anwohnern – fünf Meter hinter ihrer Grundstücksgrenze – auf Jahre hinaus Lärm- und Staubbelastungen zuzumuten, fand er, nicht hinnehmbar. Zudem werfe er Antragsteller und Landschaftsarchitekt Dieter Löschner geschönte Angaben vor. Leicht ironisch fügte er hinzu: "Hier handelt es sich um eine fast staubfreie Kiesgrube!".

"Relativ leise" sei "relativ schwammig"

Und den Hinweis zum Lärm: "Relativ leise" fand Flessa "relativ schwammig!" Die Zeit über sei man nicht untätig geblieben, so der Rektor weiter. Mit dem UVA wurden Infos ausgetauscht. Eine Begehung folgte und mit Bürgermeister Hans Hellmeier fand ein Gespräch statt. Von allen Möglichkeiten habe man sich für die Zusammenarbeit mit dem Umweltschutzverband entschieden. Die Gründe sehe er im Schutz der Natur. So stehe der Auengrund für eine liebenswerte Heimat und habe mit seinen Tier- und Pflanzenlebensräumen schützenswerte Beachtung verdient. Auch Tiere der Roten-Listen-Arten kämen darin vor, versicherte der Sprecher glaubhaft. Von daher sehe man in einer Projektgruppe unter dem Dach des Verbandes, die besten Chancen sich für den Erhalt der Alzauen-Lebensräume stark zu machen. Als Titel für die Projektgruppe schlug Flessa: "Kein Kies in der Wies!" vor. Jedoch wirft die Planung Fragen auf.

Für die Belange der Betroffenen zeigte Gisa Pauli Verständnis. Für sie sei es nicht nachvollziehbar, warum Anwohner nicht eingebunden werden. Lebensgrundlagen und Lebensqualität müssten für alle Bürger gleichermaßen gesichert bleiben und dürften nicht zugunsten von Firmen- oder Bauanträgen in den Hintergrund gedrängt werden. Pauli empfahl der Gruppe mit den Gemeinden zu reden. Auch Benno Wieser habe sich bei ihr zu einem Gesprächsaustausch gemeldet, dem sie gerne nachkommt. Ob nun der Kiesabbau aus naturschutzrechtlicher Sicht angreifbar sei, ließ die Vorsitzende offen. Dazu müsse der Verband erst einmal prüfen, ob Umwelt – und Naturschutzauflagen verletzt werden. Der flächenweite Maisanbau sei jedenfalls kein Kriterium. Aber: Hier gehe es auch um Flächenverbrauch, um Grundwasser und um Zerstörung von noch intakten Lebensräumen. Nicht ganz klar sei für Pauli, warum Wieser so überdimensional und so nahe an der Wohnbebauung abbaue und was die Verlegung eines Biotops rechtfertige?

Ebenso der Eingriff in 26 Meter Tiefe - also weit unterhalb des Alzbettes - ließe Fragen offen. Dies könnte das Grundwasser beeinflussen und ein nicht kalkulierbares Risiko für die Wohnhäuser mitbringen. Klärungsbedarf sah sie zudem im Kies-Nassabbau. Reinhold Schopf fügte hinzu, dass der UVA ein gutes Stück Erfahrung mitbringe, nachdem der Umweltschutzverband schon in ziemlich unterschiedlichen Aktionen wie Bürgerbegehren, Scooping (EBS-Anlage), Planfeststellungsverfahren, Anhörung und Klage, tätig war und ist. Den Teilnehmern gab er Tipps und zeigte weitere Alternativen auf. Vorallem seine Ausführungen zu Prozess- und Rechtsanwaltkosten fanden großes Interesse.

Dass es bei der Abstimmung nicht alleine nur um die Kiesgrube gehe, sondern auch um Menschen, brachte Willi Pscherer in die lebhafte Debatte ein. Er argumentierte mit "guter Nachbarschaft" und sprach die Ängste der Anwohner an. Neben dem Wertverlust der Immobilie stünden Klimaerwärmung sowie die Gefahren durch starke Regenfälle im Fokus: Diese könnten die Randbereiche abrutschen lassen und den Häusern den festen Boden entziehen, so der stellvertretende Sprecher. Elisabeth Hainzel bestätigte dies und meinte: Wiesers Antrag raube ihr den Schlaf. Für eine weitere Hiobsbotschaft zur Instabilität des Geländes sorgte dann auch noch eine Bürgerin aus Engelsberg: Sie sprach von einer zwei kilometerlangen Bohrung für die Geothermie im Brucker Hölzl/Garching und befürchtet, dass diese Baumaßnahme die Probleme mit dem lockeren Kiesuntergrund nochmal verschärfe. Flessa verdeutlichte, dass die Anwohner nicht kampflos das Feld räumen. Dies zeige auch das Ergebnis der Versammlung, meinte er zufrieden. Nun sei in Sachen Wieser ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Die Abwicklung des Verfahrens werde in der ersten Jahreshälfte nächsten Jahres erwartet. Aber jetzt erstmal habe der Tachertinger Rathauschef dem Schulleiter ein Rederecht eingeräumt. Davon wird Dieter Flessa schon bald Gebrauch machen. Denn: Am kommenden Donnerstag findet die Gemeinderatssitzung statt.

Gisa Pauli, UVA-Vorsitzende

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