Auch Angeklagter Yilmaz gesteht Anschlagspläne

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Adem Yilmaz

Düsseldorf - Als zweiter Angeklagter im Sauerland-Prozess hat auch Adem Yilmaz seine Beteiligung an den Terror-Plänen der Gruppe umfassend gestanden.

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Die Vorwürfe gegen ihn stimmten in fast allen Punkten, sagte der 30-Jährige laut einem am Dienstag im Oberlandesgericht Düsseldorf verlesenen Protokoll. Bereits seit Oktober 2003 sei er fest entschlossen gewesen, sich am Dschihad zu beteiligen. Auch im Gerichtssaal bestätigte er auf Nachfrage: “Das stimmt alles.“ Der mutmaßliche Rädelsführer Fritz Gelowicz hatte Yilmaz zuvor als wie er selbst von den Plänen der Gruppe stark überzeugt beschrieben. Die Angeklagten Daniel Schneider und Atilla Selek hätten dagegen geschwankt, Selek sei sogar vorzeitig ausgestiegen. Er habe ihn aber noch um die Zünderbeschaffung gebeten: “Ich hätte nicht gedacht, dass da eine Gefahr für ihn besteht.“

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Auf die Frage nach der Rolle der Geheimdienste in den Planungen sagte Gelowicz, diese seien nicht beteiligt gewesen und hätten die Gruppe keinesfalls gesteuert. Die Verteidigung hatte die Rolle von Mevlüt K. beleuchtet, der bei der Zünderbeschaffung geholfen haben und für den türkischen Geheimdienst gearbeitet haben soll. Gelowicz sagte, er habe gewusst, dass K. mit dem Geheimdienst “zu tun“ hatte - habe dies aber eher als “nützlich“ empfunden. Gelowicz wurde nach eigener Aussage nicht religiös erzogen und konvertierte kurz vor seinem 16. Geburtstag zum Islam. “Es war einfach die Überzeugung, dass der Koran die Wahrheit ist“, sagte er.

Anfangs habe er nicht viel über seine Religion gewusst - später sei der Glaube auch wegen der Berichterstattung über den 11. September 2001 präsenter geworden. Über seine Einstellung zu den Anschlägen sagte er, er habe sie zunächst nicht gut gefunden: “Später hat sich das geändert.“ Der Konvertit beschrieb sich als streng gläubig. Er halte sich an die räumliche Trennung von Männern und Frauen und höre keine Popmusik. Anderen zwinge er diese Regeln aber nicht auf: “Jeder muss wissen, was er macht.“  

Einstellung auch durch Entführung El Masris geprägt

Ende 2002 fasste Gelowicz die “allgemeine Entscheidung“, in den Dschihad zu ziehen. Diese habe sich immer weiter konkretisiert. Seine Einstellung zum bewaffneten Kampf sei besonders geprägt worden durch die Entführung von Khaled el Masri - eines Deutschen libanesischer Herkunft - durch die CIA nach Afghanistan. Er habe El Masri aus dem Multikulturhaus in Ulm gekannt, sagte Gelowicz. Damals habe er gedacht: “So weit ist der Krieg also gekommen - nur drei Meter von mir entfernt.“ Das habe seine Einstellung bestätigt, “dass die Amerikaner nicht nur gegen Muslime vorgehen, die irgendwo kämpfen“.

Bei seinen Dschihad-Plänen hatte der Hauptangeklagte auch seinen eigenen möglichen Tod in Kauf genommen. “Ich war mir bewusst, dass man dort umkommen kann“, sagte er. “Das ist ein Teil des Dschihad.“ Jedoch habe er nicht den Märtyrer-Tod als Ziel gehabt - das Ziel sei “der Sieg über den Feind“ gewesen. Über die Möglichkeit, dass er bei Kämpfen auch auf deutsche Soldaten hätte treffen können, habe er nicht nachgedacht: “In meinem Kopf waren eher die Amerikaner.“ Auch Yilmaz beschrieb sich in seiner Aussage als überzeugt vom Dschihad. “Am liebsten wäre ich sofort in den Irak gereist“, sagte er. Mit Gelowicz und Selek habe er darüber erst eine Weile nach dem Kennenlernen geredet.

Yilmaz hatte erst 2001 begonnen, strenger nach den Regeln des Islam zu leben. Damals habe er einen Bekannten getroffen, der ihn dazu ermahnte und ihm mit dem “Höllenfeuer“ drohte. “Ich habe mich nach und nach gesteigert“, sagte der 30-Jährige. Er habe regelmäßig gebetet, sich einen Bart wachsen lassen und in der Moschee einen neuen Freundeskreis aufgebaut.

Gelowicz will nicht mit psychiatrischem Gutachter reden

Auf die Frage nach seiner Einstellung zur Demokratie sagte Yilmaz: “Ein Moslem darf gar nicht die Demokratie akzeptieren.“ Diese erlaube Dinge, die die Religion verbiete, und verbiete Dinge, die in der Religion erlaubt seien. Gelowicz tat sich mit der Frage schwerer und gab nur an: “Als Moslem folge ich dem Koran.“ Trotz seiner ansonsten ausführlichen Aussage weigerte sich Gelowicz auch, Fragen der psychiatrischen Sachverständigen zu beantworten - weder im Gerichtssaal noch in einem Gutachter-Gespräch.

Gelowicz hatte am Montag als erster die Anschlagspläne der Gruppe gestanden und seine eigene Führungsrolle eingeräumt. Die vier Angeklagten sollen eine deutsche Zelle der Islamischen Dschihad Union gegründet und Anschläge mit Autobomben in Deutschland geplant haben. Die Anklage gegen sie lautet unter anderem auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags.

ap

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