Baldiges Aus für den Schummel-Schinken?

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Mogel-Produkte: Nicht überall, wo Schinken drauf steht, ist auch zwangsläufig richtiger Schinken drin

Berlin - Lebensmittelhersteller, Politiker und Verbraucherschützer haben gefordert, Nahrungs-Imitate klar zu kennzeichnen. Das wäre das Aus für Schummel-Schinken und Co.

„Wir sind gegen jede Form des Manschens und Panschens“, so der Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg.

Notwendig seien Reinheitsgebote für Lebensmittel, sagte Möllenberg der "Passauer Neuen Presse". Auch die Verbraucherbeauftragte der Unionsfraktion, Julia Klöckner (CDU), verlangte im Berliner "Tagesspiegel" eine bessere Kennzeichnungspflicht, die eine Täuschung der Verbraucher verhindere.

Manfred Horst vom Bundesverband der Lebensmittelindustrie betonte jedoch, dass nicht alle Imitate schlecht seien. Die Verbraucher, die "immer billiger essen" wollen, könnten auch nicht erwarten, immer "etwas ganz Besonderes" zu bekommen, sagte er "Spiegel online".

Bei diesen Lebensmitteln wird geschummelt:

Bei diesen Lebensmitteln wird geschummelt

Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte am Freitag eine Liste mit Produkten auch von Markenartikelherstellern veröffentlicht, in denen Lebensmittelimitate verwendet werden, die aber nicht eindeutig als solche zu erkennen sind. Dabei handelt es sich zum Beispiel um künstlichen Käse oder Schinken, Schokokekse ohne echte Schokolade, einen Meeresfrüchtecocktail ohne echte Garnelen oder Muscheln, oder Vanilleeis ohne Vanille.

Zwar seien diese Ersatzprodukte nicht gesundheitsschädlich, der Verbraucher werde aber nach Ansicht eines Sprechers der Verbraucherzentrale betrogen. "Es ist ein Skandal, wenn versucht wird, Verbraucher zu täuschen, und ihnen billige Ersatzstoffe unterzuschieben", sagte auch der SPD- Fraktionsvize im Bundestag, Ulrich Kelber, der "Passauer Neuen Presse".

Die Namen derjenigen, die den Verbrauchern solche Produkte unterschieben, sollten veröffentlich werden. Die Hersteller hielten sich zwar an Gesetze, wenn sie die Zutaten korrekt angäben, dennoch handele es sich um "totale Verbraucherveräppelung", sagte auch die CDU-Politikerin Klöckner dem "Tagesspiegel". Bei Imitaten müsse "draufstehen, dass es sich um Imitate handelt".

Der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure forderte eine Aufstockung des Personals. In Deutschland fehlten 1200 Kontrolleure.

Horst vom Bundesverband der Lebensmittelindustrie betonte, dass die bestehenden Rechtsvorschriften ausreichen. "Die Regeln müssen nur praktiziert werden", forderte er. Viele Betriebe handelten allerdings oft nicht absichtlich, sondern aus Unkenntnis. "Die Firmen wissen nicht, dass sie ihre Produkte anders ausweisen müssen", sagte er zu "Spiegel online".

Bauernpräsident Gerd Sonnleitner sieht den Grund für die zunehmende Verwendung gefälschter Lebensmittel vor allem im Preiskampf im Lebensmittelhandel. Die ständigen Preissenkungen führten auch zu "solchen Fehlentwicklungen, dass zunehmend Imitate bei der Lebensmittelherstellung angewendet werden", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung"

"Schummel-Käse oder Schnitzel ohne Fleisch" seien "regelrecht Plagiate von qualitativ hervorragenden Lebensmitteln", die die Bauern mit hohem Aufwand und Glaubwürdigkeit erzeugten. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hatte sich vor kurzem gegen die Verwendung von Schinken- und Käse-Imitaten ausgesprochen. Sie forderte eine freiwillige Selbstverpflichtung der Gastronomie, solche Produkte nicht mehr anzubieten und warnte die Wirtschaft vor einem Imageschaden. Mogelschinken besteht aus Stärke- Gel und kleinen Fleischstücken, Analogkäse aus Wasser, Pflanzenfett, Milcheiweiß, Stärke, Aromen und Farbstoffen. Beides ist in der Herstellung billiger als richtiger Käse und Schinken.

dpa

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Quelle: rosenheim24.de

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