Kardelens mutmaßlicher Mörder vor dem Richter

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Kerzen und ein Foto der getöteten Kardelen standen vor dem Rathaus in Paderborn zum Gedenken an das Mädchen.

Istanbul - “Freunde, an dieser Geschichte ist nichts dran. Alles wird geklärt werden!“ Das rief Ali Kur, der mutmaßliche Mörder von Kardelen (8) aus Paderborn, nach seiner Festnahme in der Türkei den Journalisten zu.

Kaltblütig habe er gewirkt, den Umstehenden sei ein Schauer über den Rücken gelaufen, schrieb eine türkischen Zeitung. Knapp zehn Monate nach dem in Deutschland verübten Mord kommt der Fall am kommenden Freitag vor ein Gericht in der westtürkischen Kleinstadt Söke.

Dem inzwischen 30 Jahre alten Angeklagten werden sexueller Missbrauch und Mord zur Vertuschung einer Straftat vorgeworfen. Er soll das türkischstämmige Nachbarkind am 12. Januar in seiner Paderborner Wohnung missbraucht und erstickt haben. Die Leiche der Achtjährigen wurde drei Tage später im Möhnesee im Sauerland entdeckt.

Der Tatverdächtige hatte am Fundort von Kardelens Leiche die Visitenkarte eines türkischen Juweliers liegen lassen. Da der Mann Verwandte in Paderborn hat, führte die Karte die Ermittler auf die Spur von Kur, in dessen Wohnung auch DNA-Spuren gesichert wurden. Er selbst hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon mit seiner Frau in die Türkei abgesetzt.

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Es war der in Deutschland lebende Schwiegervater, Kadir Ayaz, der Ali Kur nach einer zähen Suche in der Türkei aufspürte. Dies zwang Kur sich der Polizei zu stellen. “Ich habe ihn nie als Schwiegersohn anerkannt“, sagte Ayaz später. Noch im Polizeigewahrsam soll Ali Kur seinen Schwiegervater bedroht haben.

“Mit Dir habe ich noch eine offene Rechnung“, soll der Verhaftete gesagt haben. Viel ist über den Angeklagten nicht bekannt. Geboren wurde er in Tavsanli in der westtürkischen Provinz Kütahya. Im Jahr 2001 kam er nach Deutschland, wo er zunächst in Herne lebte. Nach sechs Jahren zog er 2007 nach Paderborn. Als die Tat verübt wurde, wohnte er erst seit etwa einem halben Jahr in der Nachbarschaft von Kardelen. Kur wird als einzelgängerisch und zurückgezogen lebend beschrieben.

Seit seiner Festnahme hatte Kur mehrere Pflichtverteidiger. Keiner der Anwälte wollte sich auf Anfrage zu den Hintergründen der jeweiligen Trennung äußern. “Nur soviel, wir haben das Mandat niedergelegt“, hieß es aus dem Büro der letzten Anwältin wenige Tage vor dem Prozessbeginn. Nach Auskunft des Gerichts gibt es aber inzwischen einen Verteidiger, der Kur vor Gericht vertreten wird. In der Hierarchie der Häftlinge steht Kur als mutmaßlicher Kindermörder ganz unten. Ein türkischer Zeitungsbericht, wonach er in der U-Haft von einem anderen Gefangenen misshandelt worden sei, wurde aber nicht bestätigt. Jedenfalls hat ihm die Flucht aus Deutschland in die Türkei keinen Vorteil gebracht. Bei einer Verurteilung droht ihm eine lebenslange Haftstrafe. Ein Justizsprecher sagte, Ali Kur solle “bis zum Tode“ hinter Gittern bleiben.

dpa

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