Bericht: Güterzug überfuhr Haltesignale

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Nach dem schweren Zugnglück in Sachsen-Anhalt werden die Vorwürfe gegen den Lokführer des Güterzuges immer lauter.

Berlin - Laut eines Berichts des Bundesverkehrsministeriums zum Zugunglück in Sachsen-Anhalt hat der Lokführer des Güterzugs zwei Haltesignale überfahren. Die Todesopfer sind identifiziert.

Drei Tage nach dem schweren Zugunglück in Sachsen-Anhalt deuten Ermittlungsergebnisse auf einen schwerwiegenden Fehler des Güterzug-Lokführers hin. Der Mann hat laut einem Bericht des Bundesverkehrsministeriums vor dem Zusammenstoß mit dem Regionalzug zwei Haltesignale überfahren. Der Fahrdienstleiter im Stellwerk Hordorf habe daraufhin über Funk einen Nothalt angeordnet, heißt es in dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zehn Menschen wurden bei dem Unglück getötet.

Es handele sich um vier Frauen und sechs Männer, teilte die Polizei am Dienstag in Magdeburg mit. Neun Opfer kommen aus dem Landkreis Harz. Hinzu kommt der 35 Jahre alte Lokführer des Personenzugs, der aus Schwerin stammt. Das jüngste Todesopfer ist ein zwölfjähriges Mädchen, bei dem ältesten Opfer handelt es sich um einen 74-Jährigen.

Zehn Verletzte werden noch im Krankenhaus behandelt. Darunter ist eine schwer verletzte Zehnjährige, die nach Informationen von Radio Brocken bei dem Unfall am Samstagabend ihre Eltern und eine Schwester verloren hatte.

Frontalzusammenstoß: Schweres Zugunglück in Sachsen-Anhalt

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Auf der seit Samstagabend gesperrten Strecke Magdeburg-Halberstadt fuhren am Dienstag wieder die ersten Züge des Harz-Elbe-Expresses (HEX). Die Bahn kündigte Konsequenzen aus dem Unglück an und will die Sicherheitsvorkehrungen verbessern.

Die Staatsanwaltschaft in Magdeburg zeigte sich erstaunt über den Bericht. “Es befremdet uns ein wenig, dass Ergebnisse bekanntgegeben werden, die den Ermittlungsbehörden noch nicht vorliegen“, sagte Behördensprecherin Silvia Niemann der dpa. Indizien deuteten aber darauf hin, “dass es so gewesen sein könnte“. Gegen den 40 Jahre alten Lokführer des Güterzugs wird unter anderem wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Dem Bericht zufolge hatte der 35 Jahre alte Lokführer des Personenzugs den Regionalexpress nach dem Notruf von 98 Kilometern pro Stunde bis zum Zusammenstoß auf Tempo 66 abgebremst. Ob auch der Güterzug vor dem Unfall auf der eingleisigen Strecke gebremst hat, müsse noch ausgewertet werden.

Zum Zeitpunkt des Unfalls hatte das Stellwerk das Gleis für den Personenzug HEX 80876 korrekt freigegeben, er hatte also grünes Licht für die Fahrt über die eingleisige Strecke. Der Güterzug sollte hingegen die Durchfahrt des Personenzugs abwarten, bevor er auf die eingleisige Strecke Richtung Oschersleben geleitet werden sollte.

Deutsche Bahn will handeln

Die Deutsche Bahn will schnellstmöglich mehr eingleisige Strecken mit moderner Sicherungstechnik ausstatten. “Da ist Handlungsbedarf“, sagte Bahnchef Rüdiger Grube am Montagabend in der ARD. Der Konzern wolle alle eingleisigen Strecken analysieren und - wo nötig - den Einbau eines automatischen Bremssystems aus eigenen Mitteln finanzieren. Er wolle nicht auf Bundesministerien warten, sagte Grube.  

Der Lokführer des Güterzugs, der bei dem Unfall Prellungen und einen Schock erlitt, äußerte sich bisher nicht zu dem Geschehen. “Er hat den Status des Beschuldigten. Er muss sich nicht äußern“, sagte Oberstaatsanwältin Niemann. Mit einem schnellen Ende der Ermittlungen sei nicht zu rechnen, die Analyse der Fahrtenschreiber der Züge und weiterer Beweismaterialien könne Monate in Anspruch nehmen.

Die Salzgitter AG bestätigte unterdessen Informationen der “Bild“- Zeitung, wonach der Güterzug mit zweistündiger Verspätung unterwegs war. “Das ist ein normaler Vorgang, der mit der DB Netz abgestimmt war“, sagte Konzernsprecher Bernd Gersdorff. Der 2700 Tonnen schwere Zug der Salzgitter-Tochtergesellschaft VPS war in Blankenburg mit Kalk beladen worden und sollte über Magdeburg nach Salzgitter fahren.

Trauerfeier am Samstag

Für die Opfer des Zugunglücks findet am Samstag (5. Februar, 11.00 Uhr) eine Trauerfeier im Dom zu Halberstadt statt. Dies vereinbarten Landesregierung, Landtag, die Evangelische Kirche Mitteldeutschland und das Bistum Magdeburg auf Initiative von Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU), wie die Staatskanzlei am Dienstag in Magdeburg mitteilte. Landesbischöfin Ilse Junkermann, Bischof Gerhard Feige und Ministerpräsident Böhmer werden der Opfer gedenken und den Helfern für ihren Einsatz danken.

dpa / dapd

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